Kultur in der Drostei : Sinnliche zeitgenössische Musik

Musikwissenschaftlerin Martina Taubenberger interpretierte Shchedrins Werk gemeinsam mit den Musikern.
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Musikwissenschaftlerin Martina Taubenberger interpretierte Shchedrins Werk gemeinsam mit den Musikern.

Gelungene Premiere für das Gesprächskonzert "2 x hören – keine Angst vor Shchedrin" in Pinneberg.

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28. Januar 2014, 16:00 Uhr

Sich lediglich ans Notenpult stellen, spielen und den Beifall des Publikums abwarten, damit gibt sich das Ensemble Zeitsprung nicht zufrieden. Gemeinsam mit Martina Taubenberger, Stipendiatin der Körber-Stiftung haben die Musiker das Publikum in das Stück „Drei Hirten“ für Flöte, Oboe und Klarinette von Rodion Shchedrin eingeführt. Drostei-Chefin Stefanie Fricke freute sich, den Zuschauern ein zeitgenössisches Gesprächskonzert erstmals in Pinneberg präsentieren zu können.

Unter dem Motto „2 x hören – keine Angst vor Shchedrin“ kamen die Zuschauer gleich zweimal in den Genuss des modernen Stückes, das dramaturgisch eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde. Mit behutsamen Klängen schritt Oboistin Claire Sirjabobs langsam durch die historische Drostei, überzeugte mit tonschönem Spiel. Mit ebenso sensiblen ausdrucksstarken Klängen beschritten nach und nach Klarinettist Oliver Klenk und Flötist Tobias Kaiser aus jeweils anderen Räumen kommend den Saal.

Spätestens nach Einführung von Taubenberger und Mitgliedern des Ensembles Zeitsprung gelang es dem Publikum, sich in das Stück „Drei Hirten“ einzufühlen. Das schlanke und geschmeidige Spiel der jungen Musiker half, sich in die idyllische Landschaft der Hirten zu versetzen.

Bei der Komposition des Stückes inspirierte den Russen Shchedrin die hügelige Heimat seiner Großeltern. Zahlreiche Hirten waren dort unterwegs. Im behutsamen, sich temperamentvoll fortsetzenden Stück war es den Zuhörern ein Leichtes, dem Gespräch der Hirten mit ruhigen, übermütigen und streitlustigen Passagen zu folgen.

Vertonung von Hirtentänzen

Taubenberger entführte das Publikum gewandt in die Welt von Rodion Shchedrin. Gemeinsam mit den Musikern interpretierte sie das Stück, kam auf besondere Atemtechniken zu sprechen. Im Zuge des Gesprächs verwandte sie auch Film- und Fotomaterial. Nach Oliver Klenks Interpretation gelang es den Hirten, Standpunkte auszutauschen, sich zu einigen, bevor sie sich wieder in alle Himmelsrichtungen verloren.

Rodion Shchedrin bediente alle Klischees eines russischen Komponisten. Er wurde als Sohn eines Musikers geboren und heiratete später eine Primaballerina. Sein Großvater war ein russisch-orthodoxer Priester. Die Liebe des Komponistenzu russischer Folklore, Volksmusik, Dichtung und Literatur prägt sein Schaffen. Für sein Werk „Der versiegelte Engel“ überreichte ihm Präsident Boris Jelzin den Staatspreis Russlands.

Das Publikum verfolgte voller Freude die von Zeitsprung klangvoll zum Ausdruck gebrachten Freudentänze der Hirten. Mit einem Glas Wein ließen Gäste und Musiker den Abend im historischen Gemäuer ausklingen. Konzertbesucher äußerten die Hoffnung, das Ensemble bald wieder in Pinneberg begrüßen zu dürfen.

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