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Aus Ellerhoop nach Boston : Simone Eckert doziert am anderen Ende der Welt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Stipendium: Die Musikerin Simone Eckert erhält von der Kulturstiftung des Landes Unterstützung für die Teilnahme am Early Music Festival.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 14:00 Uhr

Ellerhoop | Simone Eckerts Spezialgebiet ist das Instrument Viola da gamba. Was auf den ersten Blick wie eine Geige aussieht, ist doch etwas ganz anderes. Nun hat die Ellerhooperin ein Reisestependium von der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein erhalten. Dies ermöglicht ihr die Teilnahme an dem Boston Early Music Festival. „Ich wurde zu dem Kongress eingeladen, Flüge und Unterbringung werden zwar übernommen, aber kein Honorar gezahlt. Ich bin davon ausgegangen, dass ich das ehrenamtlich mache,“ sagt Eckert.

Das Boston Early Music Festival ist eines der wichtigsten Festivals für frühe Musik – Stücke aus dem Mittelalter bis in die Renaissance – weltweit. Eckerts Aufenthalt dort wird eine Woche lang andauern und sie wird einen Vortrag zur Spieltechnik des Pardessus de viole, einer Unterart der Gambe, nach originalen Quellen des 18. Jahrhunderts halten und ein Konzert geben. Die Musikhistorikerin befasst sich mit diesem Thema, da es zum einen ein gutes Alleinstellungsmerkmal sei und sie zum anderen spielerisch und künstlerisch weiter bringe. „Für mich ist das Stipendium eine riesige Erleichterung, weil ich bereits viel Zeit investiert habe. Ich freue mich über die Anerkennung,“ sagt Eckert. Gleichzeitig sieht sie es auch als Wissensexport aus Schleswig-Holstein. „Da sind Wissenschaftler aus den USA, Israel und Großbritannien und eben auch aus Schleswig-Holstein, da kann man auch ein bisschen stolz sein“, sagt sie.

Die Ellerhooperin unterrichtet Musiker und Studenten am Hamburger Konservatorium sowie privat. Sie hat Gambe studiert und sich bereits früh für die ganze Bandbreite dieses Instruments interessiert, wodurch sie auf das Pardessus de viole gestoßen ist. Dies ist das kleinste Instrument mit der höchsten Stimmlage innerhalb der Familie der Gamben. Gamben, auch Schoßgeigen genannt, sind historische Streichinstrumente, welche vor allem von der Renaissance bis zur Klassik eine hohe musikalische Bedeutung inne hatten.

Im Gegensatz zur Violine werden diese zwischen den Beinen gehalten, so dass der Hals beim Spielen nach oben zeigt. Das Instrument wurde vor allem von Damen in Frankreich um 1700 herum gespielt, da Geigespielen für Frauen als unschicklich galt. „Der Boom des Instruments begann mit Opernarien,die man Zuhause nachspielen wollte,“ so Eckert.

Sie möchte in Boston, nachdem sie ihren Vortrag gehalten hat, möglichst viele Eindrücke mitnehmen. „Ich möchte alles anhören, was sich anbietet. Zum Beispiel werden auch sehr spezielle Barock-Opern aufgeführt.“ Spannend sind für Eckert auch die Vorbereitungen auf die Reise. Seit einem viertel Jahr stellt die Musikerin schon alle Unterlagen für die 300 Jahre alte Gambe zusammen. „In meinem Pardessus de viole sind unter anderem Ebenholz und Elfenbein verarbeitet. Eigentlich dürfen diese auf Grund des Artenschutzabkommens nicht eingeführt werden.“ Ob eine Einreise in die USA trotz beglaubigter Unterlagen unproblemantisch möglich ist sei unklar. „Das ist schon ziemlich nervenaufreibend“, sagt Eckert.

Bis es jedoch soweit ist, gibt sie gemeinsam mit Ulrich Wedemeier noch ein Konzert im Komponisten Quartier, Neanderstraße 22, in Hamburg am Sonntag, 30. April, um 19.30 Uhr. Auf dem Programm steht Musik aus Frankreich im 18. Jahrhundert.

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