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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 21:28 Uhr

Siebentunnel bringt Bürger auf die Palme

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bauausschuss Halstenbeker machen ihrem Ärger Luft / Kreis macht Hoffnung

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Zu sagen, dass der Sitzungssaal im Halstenbeker Rathaus am Donnerstagabend zur Bauausschusssitzung gut besucht war, wäre eine glatte Untertreibung. Die Verwaltung musste noch Stühle organisieren, damit die etwa 30 Interessierten überhaupt sitzen konnten. Der Ansturm war vor allem dem Tagesordnungspunkt 10.3 geschuldet. Dabei ging es um die neue Verkehrsregelung im Siebentunnel, im Volksmund auch „Angströhre“ genannt.

Seit den kürzlich abgeschlossenen Bauarbeiten der Gemeindewerke hat die Gemeinde ein Problem: Nun gilt neues Recht. Im Jahr 1997 ist die Straßenverkehrsordnung geändert worden. Seitdem gilt bis auf Ausnahmen: Radfahrer gehören auf die Straße – weil dies sicherer sei für alle Beteiligten. „Das besagt die Unfallforschung“, erläuterte auch Verkehrsexperte Michael Hinz, der dem Ausschuss die Rechtslage erläuterte.

Das schmeckte den anwesenden Halstenbekern aber gar nicht. Sie wollten die alte Regelung zurück. Vor der Änderung konnten Radfahrer und Fußgänger den Gehweg gemeinsam nutzen.

Jetzt prangt neuerdings ein Schild vor dem Eingang der Unterführung in Krupunder: „Radfahrer müssen die Fahrbahn nutzen!“.

Die anwesenden Bürger fanden dies aber zu gefährlich – besonders für die vielen Kinder, für die der Tunnel zum Schulweg gehört. „Wollen Sie, dass die Kinder totgefahren werden?“, fragte ein Besucher lautstark. Eine andere Frau im Publikum murmelte bitter, sie bräuchte zu Hause eine Patientenverfügung, bevor sie sich auf den Weg macht. Ein Halstenbeker schilderte die Begegnungen seiner Rad fahrenden Frau mit pöbelnden Autofahrern, die keine Lust haben, langsam hinterher zu fahren. „Lassen Sie es so wie es war“, forderte ein Besucher. Er hatte 150 Unterschriften in den Geschäften vor Ort gesammelt, die sich alle gegen die neue Regelung aussprachen. Die Emotionen kochten hoch an diesem Abend. Mangelnde Rücksichtnahme wurde sowohl in Bezug auf Rad- als auch auf Autofahrer bemängelt. Warum es keinen Bestandsschutz für die Verkehrsführung von früher gibt, war für viele unverständlich.

Der Ausschussvorsitzende Andreas Pauli (CDU) machte deutlich: „Es macht keinen Sinn über Sinn und Unsinn von Regelungen zu sprechen. Die müssen wir akzeptieren.“ Obwohl die Politik und Bürgermeister Claudius von Rüden (SPD) bemüht waren, eine Lösung zu finden, gelang dies nicht.

Holger Ramm (CDU) kritisierte, dass der Umbau des Tunnels nicht genauso erfolgte wie ursprünglich von der Politik beschlossen. Die FDP brachte als Lösungsvorschlag den „Shared Space“ ins Spiel. Dann würde der Gehweg abgesenkt, die Verkehrsteilnehmer müssten sich selbst einigen, wer wie Vorrang hat. Einen neuen Beschluss zum Thema gab es jedoch nicht. Dazu konnte sich die Politik nicht durchringen. Somit gilt der alte Beschluss.

Bürgermeister von Rüden beurteilte die Situation im Gespräch mit unserer Zeitung gestern als „unbefriedigend“. Es gebe jedoch schlicht „keine Variante, die alle zufriedenstellt“. Auch vor der Neuregelung habe es bereits Probleme gegeben, so von Rüden.

Letztlich kann die Gemeinde die Verkehrsführung in der Kommune ohnehin nicht allein entscheiden – diese Entscheidungsgewalt liegt beim Kreis Pinneberg. Rein rechtlich stellt sich die Situation in der Tat im Moment so dar, dass der Gehweg zu schmal ist, um dort auch noch Fahrradverkehr zuzulassen, teilte Oliver Carstens, Pressesprecher der Kreisverwaltung, auf Anfrage mit: „Uns als Kreis ist bekannt, dass die jetzige Lösung nicht gut angenommen wird. Wir befinden uns in konstruktivem Gesprächen mit der Gemeinde, um die Situation zu verbessern.“

Es gibt also noch Hoffnung – und die stirbt bekanntlich zuletzt.

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