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Pinneberger Tageblatt

17. August 2017 | 16:20 Uhr

Sie wollen auf den Putz hauen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

SanierungLokale Agenda 21 fordert Urzustand von Schleswig-Holsteins ältestem Bahnhof – Denkmalschutz sagt ab

Der Pinneberger Bahnhof ist ein Bahnhof der Superlative: Als ältester Bahnhof Schleswig-Holsteins und einer der meistfrequentiertesten im Land. Manche munkeln, er sei auch der marodeste Bahnhof weit und breit. Mit umfassenden Sanierungsarbeiten soll sich Letzteres bald ändern. Etwa 27 Millionen Euro kostet das Megaprojekt die Stadt Pinneberg und die Deutsche Bahn. Zwei Pinnebergerinnen fordern nun den Bahnhof mit der Sanierung in den Urzustand zu versetzen.

Der Busbahnhof ist derzeit noch viel zu klein, die Gleise nicht barrierefrei zugänglich und an vielen Ecken bröckelt der Putz von der Fassade. Genau der ist eine Herzensangelegenheit von Astrid Budzus und Gudrun Hackenberg. Die beiden 74-Jährigen engagieren sich schon lange im Rahmen der Lokalen Agenda 21 für den Bahnhof. „Er wurde mit den für Norddeutschland typischen roten Klinkern erbaut, war ursprünglich nicht verputzt und hell getüncht“, sagen sie und fordern: „Der Bahnhof soll bei den Sanierungsmaßnahmen in den ursprünglichen Zustand versetzt werden.“ Sie wollen also auf den Putz hauen. Denn derzeit ist geplant das historische Gebäude zu entkernen und die Fassade so zu erhalten wie sie ist. Budzus und Hackenberg beziehen sich auf eine Infoveranstaltung der Deutschen Bahn im Januar 2014. „Die Mehrheit der Anwesenden hat sich damals für die historische Variante ausgesprochen“, sagt Hackenberg.

Der Bahnhof wurde 1844 gebaut. Die roten Klinker sind in den 1930er Jahren unter einer verputzen Fassade verschwunden. Vor etwa einem Jahr wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt – in verputztem Zustand. Im Zuge der umfangreichen Sanierung wird es voraussichtlich ab 2019 erneuert.

Doch ist die Forderung überhaupt im Sinne des Denkmalschutzes? Nein. „Das ist aus denkmalfachlicher Sicht gar nicht möglich“, sagt Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege auf Anfrage unserer Zeitung. „In den 1930er Jahren gab es nachträgliche Umbauarbeiten und Anbauten – sie gehören heute zur Authentizität des Gebäudes“, sagt Köster, der als Referent des Landesamtes für Südholstein zuständig ist. „Und außerdem haben Prüfungen ergeben, dass sich der Putz nicht ohne erhebliche Schäden am Gebäude entfernen lässt.“ Der Putz bleibt.

Wenn alles nach Plan läuft, ist die Umgestaltung bis 2021 abgeschlossen. Als nächstes stehen laut Bauamtsleiter Klaus Stieghorst die Umbaumaßnahmen des Busbahnhofs an. „Sie beginnen in der zweiten Märzwoche und sollen noch 2017 abgeschlossen werden“, sagt er.

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erstellt am 25.Feb.2017 | 16:00 Uhr

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