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Nachtschicht mit der Bundespolizei : Sie sorgen für Sicherheit am Bahnhof

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Prügelei in Pinneberg und Belästigung in Elmshorn - immer wieder gibt es an den Bahnhöfen im Kreisgebiet Ärger.

shz.de von
erstellt am 05.Mär.2016 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Manchmal ist es für jedermann zu sehen, dass die Bundespolizei in Elmshorn im Dienst ist: Dann steht das Polizeiauto am Holstenplatz. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss nicht, dass das bundespolizeiliche Auge des Gesetzes geschlossen ist, wenn dort kein Polizeiauto zu sehen ist. Denn der Einsatzbereich ist groß. Er umfasst alle Bahnhöfe von Regional- und S-Bahn im Kreis Pinneberg. Schwerpunkte sind allerdings die großen Anlaufstellen in Pinneberg, Wedel und vor allem in Elmshorn. Doch wie genau sieht die Arbeit der Bundespolizisten in Elmshorn aus, die seit Februar 2013 für mehr Sicherheit am Bahnhof sorgen? Diese Zeitung hat zwei Beamte bei einem ganz normalen Arbeitstag begleitet.

Beginn in Elmshorn ist gegen 18 Uhr. „Überwiegend sind wir abends und nachts im Einsatz, da ist am meisten los“, sagt Thomas Masekowitz, der diese Nachtschicht gemeinsam mit seinem Kollegen Ulrich Rentzow bestreiten wird. Bevor sie in Elmshorn angekommen sind, haben sie Dienstauto, Laptops und Waffen vom Bundespolizeirevier in Brunsbüttel geholt. Denn in Elmshorn gibt es nur einen „Dienstverrichtungsraum“. Da der nicht ständig besetzt ist, dürfen dort unter anderem keine Waffen gelagert werden.

Kaum haben Masekowitz und Rentzow ihre Laptops hochgefahren, steht schon der erste „Kunde“ vor der Tür. Er fühle sich von seiner Ex-Freundin bedroht, erzählt der Mann. Zu seinem Schutz habe er sich ein Messer angeschafft. Ob das erlaubt sei, will er wissen und holt ein Messer mit langer, feststehender Klinge aus der Jacke. Die Polizisten machen ihm klar, dass das Mitführen einer derartigen Waffe keineswegs erlaubt ist. Der Mann überlässt das Messer den Beamten. Es wird nun vernichtet.

Mit dem Dienstauto geht’s zur Wache der Landespolizei in der Moltkestraße. Wachhabender ist Andreas Ottorowski. Die Bundespolizisten erkundigen sich nach besonderen Vorkommnissen. Denn bei Notfällen greifen sie auch bei Einsätzen mit ein, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der Landespolizei fallen. Zudem laufen dort – verpixelt – die Bilder der Videokameras von Bahnhof und Holstenplatz ein. „Die Zusammenarbeit ist ganz hervorragend“, sagt Ottorowski. Dass können Masekowitz und Rentzow nur bestätigen. „Es würde anders auch gar nicht funktionieren“, sagt Rentzow. Im Falle einer Festnahme seien sie beispielsweise auf die Räume der Landespolizei angewiesen.

Von der Moltkestraße geht es nach Tornesch. Dort soll die Adresse eines notorischen Schwarzfahrers überprüft werden. Der Mann ist etliche Male ohne Ticket erwischt worden, hat aber nie seine Strafe gezahlt. „Da kommen schon mal vierstellige Beträge zusammen“, sagt Masekowitz. Ein Bewohner aus dem Mehrfamilienhaus berichtet, dass der Gesuchte weggezogen ist. Nun wird die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl ausstellen. Wird der Mann ausfindig gemacht, muss er in den Bau, wenn er die Strafe nicht zahlen kann.

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„Hunde wirken deeskalierend.
Das ist für unsere Einsätze äußerst positiv.“

Thomas Masekowitz
Bundespolizist
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Dass die Bundespolizei unbelehrbare Schwarzfahrer zwecks Antritts einer Haftstrafe abholen muss, kommt öfter vor. Und dabei erleben die Beamten manchmal Szenen, die zum Schmunzeln sind. Ob sie nicht Montag wiederkommen könnten, habe einer gefragt. Der Mann habe am Wochenende eine Verabredung gehabt , erinnert sich Masekowitz. Rentzow hatte es mit einem sportbegeisterten Wiederholungstäter zu tun. „Nicht schon wieder während der WM“, stöhnte der, als die Polizisten vor seiner Haustür standen. Nützte nichts.

Weiter geht’s zum Pinneberger Bahnhof. Ein älterer Mann sammelt leere Dosen aus den Mülleimern der Bahn. Er begrüßt die Beamten freundlich. Man kennt sich. In einem S-Bahn-Wagen liegt eine Frau, ganz offensichtlich drogenabhängig. In ihrer Handtasche hat sie Einwegspritzen. Sie ist bereits wegen Diebstählen und Drogendelikten polizeilich bekannt. Die Beamten notieren ihre aktuelle Adresse. Die Frau trollt sich, wünscht noch „einen schönen Abend“. Drei ältere Leute kommen vorbei. „Schön, dass Sie hier sind. Da sind wir ja sicher“, sagen sie. Die Polizisten wollen gerade den Bahnhof verlassen, da bekommen sich auf einem anderen Gleis zwei Männer in die Wolle. Die Beamten trennen die Streithähne, schicken sie in verschiedenen Richtungen vom Bahnhof. Nun gibt’s Anzeigen wegen Körperverletzung.

Zurück in Elmshorn steht Schreibarbeit auf dem Programm. Plötzlich kommt Hektik auf. Auf dem Bahnhof soll ein Mann Fahrgäste bedrohen, meldet ein Anrufer. Dort sitzt ein alter Bekannter der Polizisten, der immer wieder Fahrgäste anbettelt. Er ist sichtlich angetrunken, begrüßt die Polizisten aber freundlich. Auch zwei Kollegen der Landespolizei eilen auf den Bahnhof. Der Anrufer ist mit der Bahn Richtung Süden weggefahren, kann keine weiteren Auskünfte geben. Die Polizisten schicken den Angetrunkenen vom Bahnhof und ermahnen ihn eindringlich, Passanten künftig in Ruhe zu lassen.

Nächste Station ist Wedel. Wedel ist von den drei größeren Bahnhöfen im Kreis Pinneberg der ruhigste, so die Erfahrung der Polizisten. Pinneberg steht am Wochenende oft im Fokus, denn es ist Umsteigebahnhof für HSV-Fans nach den Spielen in Richtung Norden. „Dann sind hier schnell mal 200 Leute. Und wenn die schlechte Laune haben, weil der HSV verloren hat, gibt’s schnell mal Randale“, so Masekowitz.

Auch das gehört zur Arbeit: Thomas Masekowitz (r.) und Ulrich Rentzow bei der Schreibarbeit im „Dienstverrichtungsraum.“
Auch das gehört zur Arbeit: Thomas Masekowitz (r.) und Ulrich Rentzow bei der Schreibarbeit im „Dienstverrichtungsraum.“ Foto: Amsberg
 

In Elmshorn haben die Bundespolizisten aber die meiste Arbeit. „Wegen der Bahnhofsszene“, sagt Rentzow. Vor allem Jugendliche, die am Wochenende aus Hamburg zurückkommen, nachdem sie dort kräftig dem Alkohol zugesprochen haben, sorgen immer wieder für Ärger. Deshalb ist die Bundespolizei an jedem Wochenende im Einsatz. Oft in Begleitung von Hundeführern samt Diensthunden. „Hunde wirken deeskalierend. Das ist für unsere Einsätze äußerst positiv“, erläutern die Polizisten.

Auch in Wedel sehen die Beamten an diesem Abend nach dem Rechten. Der Döner-Brater winkt ihnen freundlich zu. Dass sie ihre Pappenheimer kennen, zeigt sich auch hier. Ein alter Mann, angetrunken, der oft verbotenerweise bereits benutzte Tageskarten verkauft, steht auf seinen Stock gestützt und raucht. Er begrüßt die Polizisten wie alte Bekannte. Freundlich, aber deutlich wird er daran erinnert, dass das Qualmen verboten ist. Schnell macht er die Kippe aus. In einem S-Bahn-Wagen stehen einige Tüten. Vom Besitzer erstmal keine Spur. Der sucht im Nebenabteil nach weggeworfenem Leergut. Masekowitz macht ihm klar, dass herrenlose Tüten oder Gepäckstücke in Bahnen oder auf Bahnhöfen in Zeiten terroristischer Bedrohung leicht für viel Aufregung sorgen können.

Insgesamt sind größenteils vier besonders spezialisierte und ortskundige Bundespolizisten sowie hin und wieder die Hundeführer im Wechsel an den Bahnhöfen des Kreises Pinneberg von Elmshorn aus im Einsatz. Seitdem es eine feste Anlaufstelle am Holstenplatz gibt, hat sich viel gebessert“, findet Masekowitz. „Wenn das Auto vor der Tür steht, ist Ruhe.“ Mit der Bahnhofszene kommen sie in der Regel gut zurecht. „Man muss dem polizeilichen Gegenüber deutliche Ansagen machen, aber immer mit Respekt begegnen“, sagt Masekowitz. Viermal sind allerdings Kollegen bei körperlichen Attacken verletzt worden. „Beleidigungen sind zudem an der Tagesordnung“, ergänzt Rentzow.

Dennoch machen alle vier „Bahnhofspolizisten“ ihren Job gern. „Hier geht’s quer durchs Strafgesetzbuch. Wir haben meistens viel zu tun. Es ist unheimlich abwechslungsreich“, meint Masekowitz. Auch Rentzow fühlt sich wohl an seinem Arbeitsplatz. Deshalb können sich beide gut vorstellen, den Rest ihrer Dienstjahre in ihrem jetzigen Einsatzgebiet zu verbringen. Die Bürger wird’s freuen.

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