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Pinneberger Tageblatt

20. August 2017 | 06:21 Uhr

Elmshorn : Sie sind die Federball-Weltmeister

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Herzen der Krückaustadt produziert das Unternehmen Victor die meisten Naturfederbälle der Welt.

Gänsefedern, portugiesischer Naturkork, Kunststoff, Klebstoff und Garn. Das sind die Zutaten, mit denen Jan Beutler sein Geld verdient. Monatlich produziert seine Firma Victor vier Millionen Federbälle – und ist damit Weltmarktführer.

In der unternehmenseigenen Fabrik in China arbeiten 1200 Mitarbeiter. „Früher wurden die Federn noch per Hand sortiert. Das war sehr aufwendig“, sagt Beutler. Diese Arbeit übernehmen heute 25 Maschinen, die eigens für Victor angefertigt wurden. Damit ist das Unternehmen auch technisch einen Schritt voraus.

Beutler residiert in einem unscheinbaren Zweckbau im Gewerbegebiet von Elmshorn. Was seiner Wirkungsstätte an Glanz fehlt, macht er mit leidenschaftlichen Worten für sein Produkt wett. Begriffe wie Vermessung und Indexierung erwachen in seinem Mund zum Leben, während er sich im Showroom mit feuriger Begeisterung durch seine Fotopräsentation klickt und die einzelnen Produktionsschritte beschreibt. „Ich liebe meinen Job“, sagt er schwärmerisch.

Seine Begeisterung für Badminton kam erst spät. Im Jahr 1997 kaufte der Diplom-Kaufmann die Firma Victor von einer Erbengemeinschaft auf, nachdem der Besitzer gestorben war. Kurzerhand meldete er sich im Verein an und war sofort Feuer und Flamme für den Sport. Auch deshalb steckt er so viel Energie in seine Firma. „Wir haben viel umgemodelt“, sagt der Hanseat. Mit einem einheitlichen Erscheinungsbild (Corporate Design) grenzt sich das Unternehmen auf dem Markt nach außen ab. Das Markenzeichen: ein stilisierter Federball in V-Form. „Das V steht gleichzeitig für ‚Victor’, den Sieger“, sagt Beutler stolz.

30 Mitarbeiter kümmern sich in Elmshorn um Vertrieb, Marketing und das Design der Marke. Und sie tun es gerne: „Wir sind ‚Victorianer’. Alle duzen sich und gehen freundschaftlich miteinander um.“ Dieses Gemeinschaftsgefühl werde durch regelmäßige Seminare und gemeinsame Freizeitaktivitäten gestärkt.

Über das Arbeitsklima gerät der 53-Jährige regelrecht ins Schwärmen: „Unsere Mitarbeiter sind alle erfahrene Kaufleute und Sportler. Das macht uns authentisch. Ich möchte, dass die Leute gerne zur Arbeit kommen. Es hat ja seinen Grund, dass die Führungsetage und Prokuristen schon 15, 20 Jahre hier arbeiten. Die Fluktuation ist gleich null.“ Seine Angestellten meldeten sich laut AGA-Unternehmensverband viel seltener krank als anderswo im Norden.

Das Klima war nicht immer so gut. Früher ging es Beutler nur um nackte Verkaufszahlen. Mit der Berufung zum ehrenamtlichen Sozialrichter vor zehn Jahren änderte sich das. „Früher war ich recht fokussiert auf den Erfolg. Durch die Richtertätigkeit am Hamburger Sozialgericht habe ich Verständnis für andere Menschen bekommen. Jetzt sehe ich auch das Leben und die Probleme der Mitarbeiter.“ Er habe gelernt, das Wohlbefinden jedes einzelnen wichtig zu nehmen.

Und neben den sehr guten Verkaufszahlen – über 100 Millionen Euro Umsatz jährlich –, kann sich Beutler auch über andere Zahlen freuen: Von den letzten zwölf Auszubildenden haben neun glatt mit eins abgeschlossen. „Ich glaube, wenn ich 25 Jahre alt wäre, ich würde gerne hier arbeiten wollen“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe jede Woche einen Riesenhaufen Bewerbungen auf dem Tisch liegen – ohne Anzeigen zu schalten.“

Der Familienvater führt eine gesunde Firma: „Ich habe aus einem Haufen, der am Boden lag, einen Weltmarktführer gemacht“, sagt er stolz. Sicherheit gibt ihm dabei auch der Eigenkapitalanteil von über 50 Prozent. Davon sollen auch andere profitieren. „Wir legen viel Wert darauf, Kinder in den Sport zu bringen“, so Beutler. Neben über 100 Spitzensportlern, die bei Victor unter Vertrag stehen, liege der Schwerpunkt auf lokalen Vereinen, Schulen und Universitäten. „Wir sind mit Abstand der größte Schulsportlieferantenpartner“, merkt Beutler an. „Wir wollen vor Ort sein.“

Im Badminton gehört Deutschland EU-weit zu den besten Nationen, war 2012 sogar Europameister. Den größten Umsatz macht
Victor mit mehr als 50 Prozent jedoch in China, „da ist Badminton Volkssport“. Schuhe, Kleidung, Schläger – laut Beutler verfügt sein Unternehmen über die größte Produktvielfalt für Badminton weltweit. Mit 30 Prozent machten die Naturfederbälle den höchsten Umsatz. „Je mehr gespielt wird, umso besser für uns“, lacht der Firmenchef.

„Mein Vater hat immer gesagt: ‚Jan, tu das, was du richtig kannst’.“ Victor hat eine eigene Fabrik und eigene Ingenieure. „Wir sind langfristig aufgestellt. Und wir gehen nur über Händler – keine Direktgeschäfte.“ Alle Topmodelle, die bei Victor in Produktion gehen, werden von Rolf Aurin in die Hand genommen und probegespielt. Der Mitinhaber der Firma war Profispieler und ist seit seiner Ausbildungszeit eng mit dem Unternehmen verbunden.

Beutler beschreibt die Arbeitsweise des Unternehmens als hanseatisch-bodenständig. Das mache einen guten Eindruck auf die Geschäftskunden. Doch die Hauptzutat für seinen Erfolg ist eine andere: Die Liebe zur Arbeit.

Dieser Beitrag wurde dem "Tageblatt am Sonntag" entnommen.

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erstellt am 02.Feb.2014 | 08:00 Uhr

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