Bundesweite Aktion der IG Metall : Sie sind 50 von 500.000: Warnstreiks in Elmshorn

In Elmshorn beteiligten sich gestern 50 Beschäftigte der er Maschinenfabrik K. Christian Steen an dem ganztägigen Streik, zu dem Kai Trulsson (links) von der IG Metall aufgerufen hatte.
In Elmshorn beteiligten sich am Mittwoch 50 Beschäftigte der Maschinenfabrik K. Christian Steen an dem ganztägigen Streik, zu dem Kai Trulsson (links) von der IG Metall aufgerufen hatte.

Beschäftigte von Elmshorner Firma beteiligen sich an der Aktion. Kritik an neuen 24-Stunden-Streiks.

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01. Januar 2018, 18:16 Uhr

Elmshorn | In Elmshorn haben sich am Mittwoch die 50 Beschäftigten der Maschinenfabrik K. Christian Steen an der bundesweiten Streikaktion der IG Metall beteiligt. So wie laut Gewerkschaftsangaben 68.000 weitere Metaller in Deutschland legten die Steen-Mitarbeiter in der Carl-Zeiss-Straße für einen Tag die Arbeit nieder. Die neuartigen 24-Stunden-Streiks sollen am Donnerstag und Freitag fortgesetzt werden. Die IG Metall geht davon aus, dass 500.000 Beschäftigte in 275 Betrieben teilnehmen. Die Gewerkschaft fordert in der laufenden Tarifrunde eine Entgelterhöhung von sechs Prozent und einen Anspruch auf die zeitweise Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28  Stunden pro Woche, teilweise mit Lohnausgleich.

In Elmshorn freute sich Kai Trulsson, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Unterelbe, über den starken Zuspruch. Alle Mitarbeiter hätten sich am Streik beteiligt. „Die Beschäftigten sind erbost. Sie hatten schon am vergangenen Wochenende auf eine Einigung gehofft. Am Ende haben die Arbeitgeber aber bereits gefundene Einigungen wieder aufgebrochen. So kann man nicht verhandeln“, begründete Trulsson den Streik. Er hofft auf baldige Einigung.

Kein neuer Verhandlungstermin in Sicht

Ein neuer Verhandlungstermin ist nach den am Samstag in Stuttgart abgebrochenen Tarifgesprächen noch nicht in Sicht, wenngleich beide Seiten ihr Interesse an einer Einigung bekundeten. Laut Trullson bereite die Gewerkschaft mögliche flächendeckende Streiks ab der kommender Woche vor. Vorher müssten die Metaller den Arbeitskampfmaßnahmen aber in einer Urabstimmung zustimmen. Dies ist bei den jetzt begonnenen 24-Stunden-Warnstreiks nicht nötig. Die Gewerkschaft hatte nach eigenen Angaben die Beschäftigten in den betroffenen Betrieben gefragt und dort jeweils klare Mehrheiten für die Aktionen erhalten. Die Streikteilnehmer erhalten im Unterschied zu kürzeren Warnstreikaktionen von der Gewerkschaft einen finanziellen Ausgleich für ihre Lohnverluste.

André Belz, Vorsitzender des Steen-Betriebsrates, sagte im Gespräch mit shz.de zu den Gründen für den Streik: „Wir sehen keinen anderen Weg, da sich die Arbeitgeberseite nicht bewegt. Grundsätzlich streiken wir nicht gern, denn die Arbeit müssen wir später trotzdem machen – die Liefertermine verschieben sich deshalb ja nicht.“ Die Belegschaft sei bemüht, dem Unternehmen nicht zu schaden. Das Verhältnis zur Steen-Geschäftsführung sei sehr gut. „Diese kann unseren Streik nachvollziehen. Wir haben ein gutes Klima.“

Das Klima bei den Verhandlungsführern auf Bundesebene könnte derweil besser sein. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann kritisierte gestern die bei verschiedenen Arbeitsgerichten eingereichten Klagen der regionalen Arbeitgeberverbände: „Wir lassen uns durch juristische Nebelkerzen nicht abschrecken.“ Die Forderungen seien zweifelsfrei rechtmäßig.

Dagegen kritisierte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger die IG Metall für ihre neue Streiktaktik: „Die Tagesstreiks sind lange im Voraus geplante Mitgliederwerbemaßnahmen aus unserer Sicht.“ Er warnte vor den wirtschaftlichen Folgen der Arbeitsniederlegungen: In einer eng vernetzten Industrie seien Produktionsausfälle „sehr weitreichend“ und schlügen schnell auf die Wertschöpfungskette in anderen Betrieben durch. „Dann entstehen natürlich riesige Schäden.“

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