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Spezialisten im Kreis Pinneberg : Sie machen alles, nur nicht löschen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Als Spezialeinheit wird der ABC-Dienst gerufen, wenn Gefahrenstoffe austreten. Mitglieder sind Allrounder mit Spezialausbildung.

Kreis Pinneberg | „Mit dem Feuerwehr-Alltag haben wir nichts zu tun“, sagt Christoph Supthut, Vize-Leiter des ABC-Dienst/Löschzug Gefahrgut (LZG) des Kreisfeuerwehrverbands Pinneberg. Er und die anderen 65 Mitglieder des Löschzugs sind die Spezialeinheit der Feuerwehr auf Kreisebene und werden dann gerufen, wenn die Wehren vor Ort nicht die passende Ausrüstung für Einsätze mit radioaktiven, biologischen oder chemischen Gefahrenstoffen haben. „Wir rücken aber nur mit den örtlichen Wehren aus, ohne die können wir nicht arbeiten“, sagt Supthut. Denn der Löschzug hat keine Schläuche fürs Löschen dabei und braucht auch beim Ausleuchten der Einsatzstellen Unterstützung.

Die Spezialeinheit wird angefordert, wenn klar wird, dass die Ausstattung der Ortswehren nicht reicht, um etwa Betriebsstoffe aus einem verunfallten Fahrzeug zu pumpen oder wenn unbekannte Stoffe austreten. Jährlich rückt die Truppe zwischen 10- und 20-mal aus. Der größte Einsatz im vergangenen Jahr war die Abdichtung eines beschädigten Gastanks im November in Quickborn. Alle vier Einheiten der Truppe waren dort im Einsatz: Die Gruppe Messen prüfte, wohin und wie schnell das austretende Gas strömte, die Gruppe Einsatz stopfte das Loch im beschädigten Tank und die Fachberater Chemie klärten die Einsatzleitung über mögliche Gefahren auf.

„Diese drei Chemiker sind ein echtes Pfund. Ohne sie wären wir als chemische Laien aufgeschmissen“, sagt Supthut. Sie können aufgrund ihres fachlichen Wissens Situationen schnell beurteilen, was im Einsatz natürlich Zeit spart. Ansonsten müssten die Einsatzkräfte über die Gefahrengutdatenbanken recherchieren, welche Besonderheiten ein Stoff hat.

Alle Mitglieder des Löschzugs sind auf jeder Position – mit Ausnahme des Bereichs Fachberatung Chemie – innerhalb der Einheit trainiert. „Wir sind Allrounder mit einer Spezialisierung“, sagt Supthut. Dadurch kann innerhalb eines Einsatzes gegenseitig unterstützt werden. Dies ist insbesondere bei Einsätzen wichtig, in denen aufwendige Arbeiten innerhalb des Chemikalienschutzanzugs (CSA) anstehen. „In der Regel haben wir in den Anzügen 20 Minuten Einsatzzeit“, sagt der Feuerwehrmann.

Mitglieder: 66 (davon zwei Frauen)
Leiter: Brandmeister Markus Ketelsen
Fahrzeuge: 14 (1 Einsatzleitwagen, 2 Mehrzweckfahrzeuge, 1 Gerätewagen Dekon, 1 ABC-Erkundungskraftwagen, 2 Reaktorerkundungskraftwagen, 1 Lkw,1 Dekontaminationsfahrzeug Personen, 2 Wechsellader, 1 Probensammelfahrzeug, 1 Kommandowagen) sowie vier Abrollbehälter für die Wechsellader (Gefahrgut, Atemschutz/Strahlenschutz, Kran und Mulde)
Wache: Kreisfeuerwehrzentrale in Tornesch-Ahrenlohe

An 15 Abenden im Jahr treffen sich die Mitglieder der Einheit, die aus allen Wehren des Kreises und vom THW Barmstedt kommen, zu Übungen in der Kreisfeuerzentrale in Tornesch-Ahrenlohe. An diesem Abend steht etwa das Anziehen des CSA auf dem Programm. Diese werden angezogen, um die Einsatzkräfte vor austretenden Stoffen zu schützen. Jeweils zwei Feuerwehrmänner stehen vor der Ausrüstung. „Den CSA kann man nicht allein anziehen“, sagt Supthut. Kaum gibt Brandmeister Markus Ketelsen, Leiter des Zugs, das Startzeichen, hilft je ein Feuerwehrmann einem Kameraden in die Schutzausrüstung. Dabei wird nicht nur der Anzug angezogen, sondern auch Atemschutzausrüstung angelegt, insgesamt drei Paar Handschuhe und natürlich der Helm aufgesetzt. Der schnellste Trupp steht nach knapp zwei Minuten einsatzbereit vor Ketelsen. „Die Schnelligkeit ist wichtig, weil wir erst vor Ort unsere Ausrüstung anlegen können, aber noch wichtiger ist es, alles richtig anzulegen, schließlich ist es unsere Lebensversicherung“, sagt Supthut. Anders als die Ortswehren hat der Löschzug 40 Minuten Eingriffsfrist, da er sich nicht um die Menschenrettung kümmert. Die zentrale Stationierung in Tornesch-Ahrenlohe würde trotzdem ein schnelles Eingreifen ermöglichen.

Auf dem Außengelände übt derweil eine andere Gruppe die Probennahme. Dazu wird an einer langen Stange eine Art Eimer befüllt. Der Trupp arbeitet anhand eines standardisierten Verfahrens und innerhalb kurzer Zeit ist die Probe beschriftet und verpackt.

Anders als die Ortswehren wird der ABC Dienst/LZG von drei Stellen finanziert: zum einen vom Bund, der damit seiner Pflicht des Bevölkerungsschutzes nachkommt, vom Land und zum anderen vom Kreis Pinneberg, der verpflichtet ist, eine solche Einheit vorzuhalten.

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erstellt am 04.Sep.2015 | 12:30 Uhr

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