Sie ist die Neue an der SPD-Spitze

Von Haus aus Sozialdemokratin: Petra Müller wurde nach der politischen Aktivität ihrer Eltern in die SPD förmlich hineingeboren.
Von Haus aus Sozialdemokratin: Petra Müller wurde nach der politischen Aktivität ihrer Eltern in die SPD förmlich hineingeboren.

Petra Müller übernimmt den Vorsitz der Appener Sozialdemokraten / Vorgänger Walter Lorenzen war 20 Jahren im Amt

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26. August 2018, 13:33 Uhr

Petra Müller ist seit kurzem Fraktionsvorsitzende der Appener SPD und damit Nachfolgerin von Walter Lorenzen, der dieses Amt 20 Jahre lang inne hatte. Im Interview spricht sie über die Ziele der SPD und erklärt, warum sie sich schon seit ihrer Kindheit für Politik interessiert.


Frage: Was haben Sie sich für Ihre Arbeit als Fraktionsvorsitzende der Appener SPD vorgenommen?
Petra Müller: Ich möchte die Fraktion zusammenhalten und dazu beitragen, dass alle motiviert bleiben. Eine wichtige Aufgabe ist auch, drei junge Frauen einzubinden, die neu zu unserer Fraktion gestoßen sind.


Was bereitet Ihnen an der Kommunalpolitik besondere Freude?
Die Möglichkeit, vor Ort etwas zu gestalten. Natürlich führen unterschiedliche Auffassungen manchmal zu Diskussionen. Gerade dieses Streiten um die beste Lösung finde ich spannend. Ich gehe in diese Debatten inzwischen viel unerschrockener als früher. Wenn am Ende eine gute Lösung steht, haben sich die Konflikte gelohnt. In Appen gelingt uns das sehr häufig. Ein Beispiel dafür ist der Bau des neuen Kindergartens, den alle Fraktionen zusammen auf den Weg gebracht haben.


Was ärgert Sie an der Politik?
Dass es Probleme gibt, auf die wir als Politiker keinen Einfluss haben. Das können ganz alltägliche Dinge sein. So nervt mich zum Beispiel, dass sich in Appen viele Tierhalter nicht darum kümmern, die Hundehaufen zu beseitigen. Wir haben keine Chance, daran etwas zu ändern. Auch die Entwicklung des Ortes konnten wir bisher nur begrenzt beeinflussen. So hatte die Gemeindevertretung keine Möglichkeit, die Abwanderung der Nahversorger zu verhindern oder Ersatz nach Appen zu holen. Ich glaube auch nicht, dass uns das in den kommenden Jahren gelingen wird. Mögliche Standorte wären nur die Ortsausgänge. Die Grundstücke gehören uns nicht und es würde nur einem Teil der Bürger etwas nutzen. Die meisten wären schneller bei den Märkten in den Nachbarkommunen. Um mehr Einfluss auf Appens Entwicklung zu nehmen, haben wir gemeinsam mit der CDU ein Ortsentwicklungskonzept verabschiedet, dort erarbeiten wir Lösungsvorschläge.


Wie können diese Lösungen aussehen?
Für Fahrgemeinschaften zum Einkaufen kann es zum Beispiel feste Mitnahmeplätze geben oder einen Bürgerbus.

Wieso wurde die SPD Ihre politische Heimat?
Ich bin sozusagen in die SPD hineingeboren. Mein Großvater ist der ehemalige Landrat Walter Damm, mein Vater der frühere Appener Bürgermeister Uwe Damm – beides überzeugte Sozialdemokraten. Meine Mutter Ingrid Damm war Ratsherrin in Pinneberg. Ich bin also mit der Politik und der Partei aufgewachsen.


Ist es aufgrund der Krise der Partei momentan schwierig, Sozialdemokrat zu sein?
Die Probleme in Berlin kosten uns auch vor Ort Stimmen. Das fing schon mit der Agenda 2010 von Gerhard Schröder an. Die Menschen unterscheiden nicht mehr zwischen Bundes- und Kommunalpolitik. Etliche wollen von der Politik generell nichts mehr wissen. Diese pauschalen Beschimpfungen ärgern mich. Was wären wir denn ohne Politik? Wir haben eine Demokratie mit Rechten und Pflichten, auf die wir stolz sein können.
Vor welchen Herausforderungen steht Appen in den kommenden Jahren?
Die größte Herausforderung ist der Bau des Kindergartens hinter dem Bürgerhaus. In zwei Jahren muss alles fertig sein, weil dann der alte Kindergarten schließt. Außerdem müssen wir eine Lösung für die Flüchtlinge finden, die derzeit ebenfalls hinter dem Bürgerhaus untergebracht sind. Die Verwaltung schlägt als neuen Standort das Gewerbegebiet vor. Das halten wir für unglücklich. Einerseits ist es aufgrund des Schwerlastverkehrs für die Kinder gefährlich. Außerdem wäre für die Integration eine Unterbringung im Ortskern sinnvoller. Große Diskussionen gab es auch über den Vorschlag, wegen des Kita-Neubaus eine Ringstraße um das Bürgerhaus zu errichten. Eine solche Rennstraße kam für uns als SPD nicht in Frage, zumal auch die Obststreuwiese hinter dem Bürgerhaus zerstört worden wäre. Diese Ringstraße ist zum Glück vom Tisch, auch ein Erfolg des Ortsentwicklungskonzepts. Ein Thema ist außerdem die Sanierung der Schule, wo die Kosten aus dem Ruder laufen. Im Nachhinein wäre ein Neubau wohl sinnvoller gewesen. Auf die Idee hätten wir aber früher kommen müssen.

Die SPD ist die zweitstärksteFraktion, stellt aber trotz allem nicht den stellvertretenden Bürgermeister. Sind Sie deswegen enttäuscht?
Wir wussten ja schon vorher von der Absprache zwischen der CDU und der FDP, dass FDP-Chefin Jutta Kaufmann stellvertretende Bürgermeisterin wird, wenn die FDP bei der Bürgermeisterwahl für CDU-Kandidat Hans-Joachim Banaschak stimmt. Für uns kam solch ein Deal nicht in Frage, weil wir uns nicht verbiegen lassen wollten. Generell ist das Verhältnis zu den anderen Parteien jedoch sehr gut. In der Sache streiten wir schon, können aber nachher trotz der hitzigen Debatten zusammen ein Bier trinken. Genauso soll es ja auch sein.

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