Sie bringt Menschen weiter

Silke Fölster weiß: Auch wer geistig behindert ist, kann sich weiterentwickeln.
Silke Fölster weiß: Auch wer geistig behindert ist, kann sich weiterentwickeln.

Silke Fölster leitet die ambulante Eingliederungshilfe der Großstadt-Mission und fördert geistig Behinderte Menschen

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19. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Die Psychologin Silke Fölster ist seit fünf Jahren im Prisdorfer Sitz der Hamburger Großstadt-Mission tätig. Sie leitet den Bereich der ambulanten Eingliederungshilfe. Was genau die Prisdorfer Einrichtung leistet und wie Fölster Integration definiert, darüber spricht sie im Freitagsgespräch.

Bei der sogenannten Eingliederungshilfe bekommen Menschen Stundenkontingente zur Unterstützung im Alltag bewilligt. Diese reichen von nur etwa acht Stunden im Monat bei ambulanter Hilfestellung bis zur rundum Betreuung in stationärem Betreuungsverhältnis. Besonders wichtig ist Fölstel, dass die Eingliederungshilfe für psychisch Kranke und geistig Behinderte keine Endstation ist. Früher habe es „Behindertenhilfe“ geheißen. Dieser Begriff aber impliziere nicht, dass eine Entwicklung des Betreuten möglich und auch angestrebt ist. „Psychisch Kranke bekommen die Hilfe zunächst für ein Jahr bewilligt, nach ein paar Jahren kommen sie in vielen Fällen wieder allein zurecht“, berichtet sie. Bei geistigen Behinderungen sei sie meistens dauerhaft nötig. Das heiße aber nicht, dass nicht auch bei diesen Menschen eine Entwicklung möglich wäre. Vor 20 Jahren noch habe man Behinderte einfach versorgt, beschreibt Fölster den alten Ansatz. Jetzt werde großer Wert darauf gelegt, die Menschen zu fördern und zu verselbstständigen – mit Erfolg. „Wir haben einige Leute gehabt, die zunächst stationär untergebracht werden mussten, aber nach ein paar Jahren mit ambulanter Betreuung in eine eigene Wohnung umziehen konnten,“ berichtet Fölster. Positiver Dominoeffekt: „Wenn die Betreuten sehen, dass jemand anderes in eine eigene Wohnung ziehen kann, motiviert sie das, auch selbst an sich zu arbeiten“, beschreibt sie. Der Ansatz der Weiterentwicklung wird auch politisch unterstützt. Mit jedem Bewohner und seinem Betreuer gebe es mit dem Geldgeber, dem Kreis Pinneberg, regelmäßige Hilfeplangespräche. Dabei werden gemeinsam individuelle Entwicklungsziele definiert.

Das Umdenken von einer Versorgungs- zu einer Förderpolitik ist ein Punkt, den Fölster hervorhebt. Der zweite ist die Integration. „Geistig Behinderte haben das Bedürfnis, an der Gesellschaft teilzuhaben“, erläutert sie. Man dürfe sie nicht als Ballast ansehen, sondern der Umgang mit ihnen und ihrer Andersartigkeit sei für die gesamte Gesellschaft ein Gewinn. Bei der Großstadt-Mission bemühe man sich, die Bewohner so weit möglich in der Kirchengemeinde oder beim Sportverein mit nicht behinderten Menschen in regelmäßigen Kontakt zu bringen. Ein Ansatz sei auch die Erschließung städtischen Wohnraums zusätzlich zu dem etwas abseits gelegenen Wohnpark am Dahl: Die Großstadt-Mission hat ein Grundstück an der Elmshorner Straße in Pinneberg gekauft und baut dort 17  Wohneinheiten. Der Kontakt zu Betreuern und anderen Behinderten sei jedoch wichtig, erläutert Fölster. „Wir hatten schon Schützlinge in normalen Mietblocks in Pinneberg untergebracht“, erinnert sie sich. „Da waren sie aber dann doch sehr einsam.“

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