Sicherheit zu Ende gedacht

Und schon hat’s gekracht: Mit seiner neuen Erfindungmöchte Michael Holleck dazu beitragen, dass Unfälle, die sich auf Grund von Sichtproblemen im toten Winkel ereignen, weniger werden.
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Und schon hat’s gekracht: Mit seiner neuen Erfindungmöchte Michael Holleck dazu beitragen, dass Unfälle, die sich auf Grund von Sichtproblemen im toten Winkel ereignen, weniger werden.

Pinneberger Start-up-Unternehmen H3M Zukunft mit Sicherheit GmbH erobert mit Alarm- und Assistent-Systemen den Markt

shz.de von
07. August 2018, 16:00 Uhr

Mit seinen
67 Jahren ist Michael Holleck (Foto) ein Hanseat, wie er im Buche steht. 38 Jahre hat er als Beamter bei der Berufsfeuerwehr Hamburg Karriere gemacht, besitzt eine aufrechte Haltung und auch nach seiner Pensionierung ist er dem Thema Sicherheit und Rettung von Menschenleben verbunden. „Ich stelle meine Arbeit und nicht meine Person in den Mittelpunkt“, sagt er am Anfang des Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit klaren Worten und norddeutscher Gelassenheit erklärt er, dass er sich nach seiner Pensionierung vor wenigen Jahren als Entwickler mit einem Start–up selbstständig gemacht hat. „Ich bin viel mit dem Wohnmobil unterwegs. Die Sommermonate verbringe ich in Skandinavien und im Winter bin ich in Spanien.

Wenn man so viel unterwegs ist, kann man auch schnell Opfer eines Raubüberfalls werden.“ Um sich vor so einem Albtraum zu schützen, habe er sich auf die Suche nach einer passenden Alarmanlage gemacht, aber keine gefunden, die seinem Anspruch genügt. „Alle Systeme sind Anlagen, die erst losheulen, wenn die Tür bereits geknackt ist. Ich wollte aber ein intelligentes System, das mich rechtzeitig, also vor einem Überfall, warnt und gleichzeitig mögliche Täter bereits vor einem Einbruchsversuch abschreckt“, erklärt der Jungunternehmer.

Da es so eine Technik bislang auf dem Markt nicht gab, überlegte er gründlich, wie so ein Alarmsystem konzipiert sein müsste und führte erste erfolgreiche Versuche durch. Dann baute er den Prototypen für den Testbetrieb in sein Wohnmobil ein. Nach wenigen Modifikationen hatte der Entwickler sein selbstgestecktes Ziel erreicht: eine Anlage, die zuverlässig warnt, Kriminelle verunsichert und nur die Reisemobilbewohner rechtzeitig – und nur im Bedarfsfall – warnt.

„Die Polizei in Frankreich und Spanien hat ermittelt, dass 95 Prozent aller Raubüberfälle durch die Aufbautür erfolgen. Die Seitentür des Fahrzeuges, auch bei neueren Modellen, kann von Profis innerhalb weniger Minuten geräuscharm geöffnet werden. Mein Alarmsystem ist weltweit das einzige, patentierte Frühwarnsystem für Wohnmobile und Wohnwagen zum Schutz der schlafenden Reisenden. Andere Systeme melden erst, wenn der Einbruch bereits erfolgt ist oder die Tür bereits geöffnet wurde“, erklärt der Pinneberger.

Nach ersten Präsentationen auf dem Caravan Salon in Düsseldorf, war das Interesse der Besucher sowie Branche geweckt und Holleck suchte sich in Andreas Matthes einen Partner für den Vertrieb. „Es geht ja nicht um mich, sondern um mehr Sicherheit auf Reisen und auf der Straße. Geld wollte ich nie damit verdienen, nur die Entwicklungskosten wieder rein bekommen. Ich habe auch
50 Prozent meiner Firma an Andreas Matthes verschenkt, dafür kümmert er sich als Geschäftsführer um den Vertrieb und hat ein Netzwerk von Werkstätten aufgebaut, das bundesweit den Einbau des Systems gewährleistet“, sagt der ehemalige Feuerwehrbeamte, der bei Fragen von Kunden selbst zum Hörer greift und diese beantwortet. Hier könnte die Geschichte über das Start–up enden, doch der Pensionär steckt noch voller Ideen, die verwirklicht werden wollen. Zur Zeit dreht sich bei Holleck und dem Vertriebsteam alles um Warn- und Fahrerassistenz-Syteme, die die Umgebung von Reisemobilen, Transportern und Bussen sowie Lkw jeder Größe via Sensoren überwachen, damit sich die Zahl der Unfälle, die sich auf Grund von Sichtproblemen im toten Winkel ereignen, weniger werden.

Das Seiten-Scansystem Hollecks erkennt Fahrradfahrer oder Personen, die sich neben dem Fahrzeug befinden und meldet diese durch eine LED oder warnt zusätzlich durch einen Alarmton, wenn sich jemand im Gefahrenbereich befindet. Mit Erfolg: Zur Zeit testen bereits die Berliner Straßenreinigung und mehrere Kommunen im Ruhrgebiet an ihren Fahrzeugen den Sicht-Assistenten aus Pinneberg. „Auch die SPD-Bundestagsfraktion hat sich in Berlin über unser System informiert, so sehr drängt das Thema. Vom 19. bis 27. September sind wir mit unseren Systemen auch auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover“, sagt Holleck.

Die ersten Rückmeldungen von Berliner und Bochumer Testfahrern seien positiv, nicht zuletzt, da das Pinneberger Modell ohne Kameras und Monitore auskommt. Ein Wettbewerbsvorteil, der sich deutlich im Preis widerspiegelt. Auch sei es von Vorteil, dass nicht in die Technik des Fahrzeugs eingegriffen wird, sondern lediglich Signale von Bremse und Blinker an das Assistenzsystem übermittelt werden.

> www.carawan.de

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