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Kreis Pinneberg : Sicherheit: Radler sollen auf die Straße

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

ADFC fordert mehr Schutzstreifen. Städte skeptisch.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2015 | 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Im Kreis Pinneberg haben sie bislang Seltenheitswert: sogenannte Schutzstreifen für Radfahrer. Dabei handelt es sich um Teile der Straße, die vom Rest der Fahrbahn durch dünne, gestrichelte Linien abgetrennt und mit Fahrrad-Piktogrammen abgetrennt sind. Im Gegensatz zum klassischen Radfahrstreifen mit durchgezogener Linie dürfen die Markierungen bei Bedarf von Autos überquert werden – solange Radler nicht gefährdet werden. Bislang sind sie nur innerhalb geschlossener Ortschaften zulässig.

Was Radfahrer zu einem  normalen Bestandteil des Straßenverkehrs macht, soll zu mehr Sicherheit beitragen. „Das subjektive Sicherheitsempfinden ist gerade auf separaten Radwegen größer. Aber dieser Eindruck täuscht. Denn die meisten Unfälle geschehen an Kreuzungen. Und dort müssen Radfahrer auf dem Radweg damit rechnen, übersehen zu werden“, sagt Rainer Hagendorf vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Wedel. Zudem könne es leicht zu Unfällen mit Fußgängern kommen.

Radwege sind nicht zwangsläufig PflichtDen Radverkehr mit Hilfe der Schutzstreifen auf die Straße zu bringen, sei daher sinnvoll – Autofahrer allerdings ebenfalls in der Pflicht. „Viele“, so Hagendorf weiter, „glauben, dass Radfahrer Radwege nutzen müssen, wenn diese parallel zur Straße existieren“. Das sei aber nur dann der Fall, wenn Radwege durch blaue Schilder als solche gekennzeichnet sind. Auf ADFC-Initiative hin seien diese in Wedel aber abmontiert worden. In Pinneberg ist dies  ebenfalls größtenteils der Fall.

Die Polizei im Kreis Pinneberg „begrüßt“, wie Sprecherin Sandra Mohr sagt, „alle Maßnahmen, die dem Schutz der schwachen Verkehrsteilnehmer dienen“. In Elmshorn, wo die ersten Schutzstreifen im September auf dem Ellerndamm angelegt wurden – im November folgte der Steindamm – habe es bislang noch keine polizeilich erfassten Unfälle gegeben. „Für generelle Aussagen ist es aber noch zu früh“, so Mohr.

Hürden bei der Umsetzung

Während in Elmshorn in diesem Jahr die nächsten Schutzstreifen markiert werden sollen (Langelohe), stehen andere Städte im Kreis dem Thema eher skeptisch gegenüber. So gibt es in Wedel  einen einzigen, in der Feldstraße. Weitere sind nach Auskunft der Stadt aktuell nicht geplant. In Pinneberg wurde im vergangenen Sommer in der Breslauer Straße ein Schutzstreifen angelegt. Laut Ordnungsamt wirft eine großflächige Ausweitung des Konzepts allerdings Probleme auf. So müssten aus Platzgründen zahlreiche Straßen zu Lasten der Autofahrer als Einbahnstraßen deklariert werden. Da auf Schutzstreifen  Parkverbot herrscht, schrumpfe zudem der ohnehin schon knappe Parkraum.

Anderswo in Schleswig-Holstein ist man da schon weiter: So beteiligt  sich der  Kreis Stormarn derzeit an einem Modellprojekt. Dabei testet der Bund die Streifen auf Landstraßen, außerhalb von Ortschaften. Die ersten Signale sind positiv.

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