Feuerwehr Bönningstedt : Sexistischer Werbefilm?

Szene des Anstoßes:  Der Melder auf dem Nachttisch, darunter ein Playboy-Magazin, das die Feuerwehrfrau ihrem Partner zum Zeitvertreib während des Einsatzes überreicht.
Szene des Anstoßes: Der Melder auf dem Nachttisch, darunter ein Playboy-Magazin, das die Feuerwehrfrau ihrem Partner zum Zeitvertreib während des Einsatzes überreicht.

In dem Dorf herrscht eine heftige Diskussion um ein Imagevideo der Bönningstedter Feuerwehr. Die Sprecherin der Grünen im Kreis Pinneberg, Resy de Ruijsscher, greift die Kameraden scharf an.

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07. Juni 2014, 16:00 Uhr

bönningstedt | Die einen schütteln den Kopf, die anderen zucken mit den Schultern – kalt lässt die Diskussion um den neuen Werbefilm der Freiwilligen Feuerwehr Bönningstedt offenbar kaum jemanden. Vorgestellt wurde das Video während der Himmelfahrtsfeier, kurz darauf wurde es auf der Facebook-Seite der Wehr und bei Youtube online gestellt.

Auch während der jüngsten Bönningstedter Finanzausschusssitzung war das Video Thema: Sven Freytag (BWG) fragte nach, ob, wie in einem Online-Kommentar von der Grünen-Politikerin Resy de Ruijsscher behauptet, Geld der Gemeinde für die Erstellung des Videos an die Feuerwehr geflossen sei. „Es hat keinen Antrag gegeben, also ist auch kein Geld geflossen“, stellte daraufhin Bürgermeister Peter Liske (BWG) klar.

In besagtem Kommentar von de Ruijsscher lobt diese zwar auch die Arbeit der Feuerwehr, greift jedoch mehrere Szenen des Videos scharf an. Zu sehen ist jeweils der Moment, in dem der Melder der ehrenamtlichen Kameraden losgeht: beim American Football, beim Quadfahren, während eines Kundengesprächs im Autohaus – und im Bett. Die Überraschung in der letzten Einstellung: Nicht der Mann, sondern die Frau fährt zum Einsatz – und überreicht ihrem Partner ein Playboy-Magazin mit den Worten „Hier Schatz, damit dir nicht langweilig wird.“

Die Kritik von de Ruijsscher: „Die Männer sind bei der Arbeit, sind beim American Fussball oder fahren sinnlos Quad durch Wald und Wiesen. Die Frau wird lediglich gev. . ., es reicht der ‚Playboy‘ als Ersatz. Liebe FFW, bei aller Achtung vor eurer Leistung: Der erste Teil des Films ist voll daneben! Haben wir dafür die Steuern in Bönningstedt erhöht, damit mit Unterstützung der Gemeinde und unseren Steuergeldern dieser Mist produziert wird?“

Zudem rief die Politikerin auf der Seite der Grünen Frauen zu einem so genannten Shitstorm auf. Der ging auch los – aber in die andere Richtung: Bis auf wenige Ausnahmen – derzeit drei von knapp 200 – wird der Wehr zum Video gratuliert und für de Ruijsschers Kritik Unverständnis gezeigt – bis hin zur Forderung, die grüne Politikerin ihrer Ämter zu entheben.

„Was die Feuerwehr unter Einsatz von Leben und Gesundheit leistet, ist beispielhaft für die ganze Gesellschaft“, betont de Ruijsscher im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie verwehre sich dagegen, als „Feuerwehrhasserin“ bezeichnet zu werden. „Meine Kritik richtet sich gegen die stereotype Darstellung von Männern als geschwindigkeitsfanatische Machos in dem sonst so toll gelungenen Film“, sagt sie. Außerdem wehre sie sich gegen die Darstellung von Frauen als beliebig austauschbare Sexobjekte. Die Anfrage einer Stellungnahme der Feuerwehr blieb unbeantwortet.

Hier geht's zum Video:

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