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Der Kreis Pinneberg diskutiert : Senioren im Straßenverkehr - die Mehrheit ist für einen Check

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Diskussion über Senioren im Verkehr flammt immer wieder auf. Unfallrisiko ist mit 80 Jahren wie bei Fahranfängern.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2015 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Frage, ob ältere Autofahrer regelmäßig auf ihre Fahrtauglichkeit untersucht werden sollten, steht immer wieder im Raum.Schon seit sieben Jahren empfiehlt Brüssel in einer EU-Richtlinie den Mitgliedsstaaten, ältere Autofahrer regelmäßig auf Fahrtauglichkeit zu überprüfen. In den Niederlanden müssen Autofahrer ab 70 Jahren alle fünf Jahre zum Gesundheitscheck, die Schweden und Briten alle drei Jahre. In Spanien gelten noch härtere Regeln: Ab 45 Jahren müssen Autofahrer alle zehn Jahre einen Hör- und Sehtest absolvieren, ab 70 Jahren alle zwei. Doch Deutschland lehnt dies bislang ab. Dabei hat eine Dekra-Umfrage unter 1000 Autofahrern aus Deutschland im Frühjahr dieses Jahres ergeben, dass mehr als 60 Prozent einen Gesundheitscheck für Senioren befürworten. Selbst die betroffene Gruppe der Über-60-Jährigen ist mehrheitlich für einen derartigen Test.

Die Zahl der Unfälle, die von Senioren verursacht werden, ist in den vergangenen Jahren auch im Kreis Pinneberg gestiegen. 320 Unfälle gingen 2014 auf das Konto von Menschen im Alter von über 65 Jahren. Die häufigsten Unfallursachen waren dabei Verletzungen der Vorfahrt sowie Fehler beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren. Insgesamt wurden dabei 320 Menschen verletzt, 27 von ihnen schwer, zwei starben. Laut Christian Hieff, dem Pressesprecher des Autmobilclubs ADAC, handelt es sich bei den meisten von Senioren verursachten Unfällen jedoch um Bagatellen. „Ein häufiges Problem ist, dass Geschwindigkeiten und Entfernungen falsch eingeschätzt werden oder kein Schulterblick gemacht wird.“

Laut dem Statistischen Bundesamt ist das Unfallrisiko unter den über 75-Jährigen doppelt so hoch wie unter Fahrern zwischen 30 und 60 Jahren. Das Unfallrisiko eines 80-Jährigen ist vergleichbar mit dem eines Fahranfängers. Bestimmte Beeinträchtigungen können mit zunehmendem Alter die Fahrtüchtigkeit einschränken, sagte Dr. Michael Lerch, der in der Heliosklinik Schwerin Chefarzt für Akutgeriatrie und Frührehabilitation ist. Sinke etwa das Seh- oder Hörvermögen oder die Konzentrationsfähigkeit, so steige das Unfallrisiko. Ein weiteres Problem bei älteren Menschen sei zudem, die Einnahme von Medikamenten, denn auch diese könnten einen Einfluss auf das Fahrvermögen haben. Deshalb sei es wichtig, die Packungsbeilage zu lesen.

Eine Altersgrenze, ab der eine Fahrtauglichkeit eingeführt werden sollte, wollte auch Lerch nicht ziehen. „Dass kann mit 75 Jahren aber auch schon früher sein“, sagte er. Er empfehle jedoch, die Fahrtauglichkeit regelmäßig überprüfen zu lassen. Dies ist etwa bei der Dekra oder beim ADAC möglich, die beide versichern, die Daten nicht weiterzugeben und den Senioren selbst die Entscheidung zu überlassen, aus ihrem Abschneiden Konsequenzen zu ziehen.

Senioren, die sich nicht mehr in der Lage dazu sehen, Auto zu fahren, können ihren Führerschein freiwillig abgeben. Wieviele Menschen dies in den vergangenen Jahren im Kreis Pinneberg gemacht haben, ist unbekannt. Laut Kreissprecher Oliver Carstens soll es aber ab Juli erfasst werden.

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