„Seit ich klein bin, male ich“

Lacht gerne und viel: Künstlerin Anna Goldmund. hinter einer selbstgestalteten Maske.
Lacht gerne und viel: Künstlerin Anna Goldmund. hinter einer selbstgestalteten Maske.

Beharrlich Schon früh wusste Anna Goldmund, dass sie Künstlerin werden wollte / Förderung durch Kunstlehrerin Ingeborg Hansen

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30. Dezember 2017, 16:00 Uhr

So besonders wie das Morgenritual ist der ganze Mensch Anna Goldmund. „Morgens ein Milchkaffee und ein Snickers, das muss sein“, sagt die Wedeler Künstlerin und lacht schallend. Ein mitreißendes Lachen. Goldmund lacht überhaupt viel – und sehr unterschiedlich. Lachen ist ein Teil ihrer Kommunikation. Die 46-jährige Künstlerin kichert wie ein Mädchen, prustet ihr Erstaunen heraus, gluckst bei einer lustigen Erinnerung und bricht in eruptives offenes Gelächter aus, wenn sie sich über sich selbst wundert.

„Momentan läuft es“, freut sich Goldmund. Sie hat einen Auftrag von der Deutschen Bahn ergattert. Sie übernimmt die künstlerische Ausgestaltung des neuen Wohlfühl-Parkhauses am Hamburger Hühnerposten. Dafür zeichnet die freie Künstlerin quasi Tag und Nacht, so dass sich sogar bereits ein Hühnerauge am Finger ausgebildet hat. Zwei Mal sieben Meter große realistische Acrylbilder kommen an die Betonwände. Ein geschichtsbezogener Blick durch die Zeit. Andere Künstler steuern Musik, Düfte und Haikus bei. Ende Januar, Anfang Februar wird das Erlebnisparkhaus offiziell eröffnet. „Eine fette Nummer,“ sagt Goldmund und lacht herzhaft.

Auch im institutionellen Kunstbetrieb hat die Mutter eines 13-jährigen Sohnes bereits viel erreicht. Sie ist sowohl in den Berufsverband Bildender Künstler Hamburg, als auch in den Schleswig-Holsteins aufgenommen. Die Liste ihrer Einzel- und Gruppenausstellungen ist beeindruckend lang. In der Ausscheidung um den Kulturpreis, den das Wedeler Ernst Barlach Museum jüngst zum ersten Mal verlieh, belegte sie den zweiten Platz. Und vom Verein „Baum des Jahres“ wurde Goldmund bereits 2011 zur Hausmalerin berufen.

Der Weg in die Kunst verlief für die Wedelerin natürlich holprig, auch wenn sie schon früh wusste, wo es lang gehen sollte. „Seit ich klein bin, male ich“, erzählt Goldmund. Ihre Eltern hätten an ihre künstlerische Ader geglaubt, „aber sie haben mir keinen Unterricht zukommen lassen“. Sie unterstützten ihre Kinder – Goldmund hat einen älteren Bruder und eine ältere Schwester – indem sie ihnen deutlich machten, auf jeden Fall etwas zu suchen, das sie erfüllt.

Konkrete Förderung erhielt Goldmund erstmalig durch ihre Kunstlehrerin Ingeborg Hansen, als sie nach vielen Umzügen endlich am Johann-Rist-Gymnasium in Wedel landete. Der Vater war bei der Bundeswehr beschäftigt, deswegen blieb die Familie nie lange an einem Ort. Sozial ist das für ein Kind schwierig, erzählt die 46-Jährige. Sie hat darunter gelitten. Wie sehr, erläutert eine nette Episode, die Goldmund ohne Scheu und entwaffnend ehrlich zum Besten gibt. In Wedel neu angekommen, sah es das 14-jährige Mädchen nicht ein, schon wieder ihren Krempel auszupacken. Statt dessen hob sie zum kreativen, aber schwer pubertären Protest an und stapelte ihr großes, lichtes Zimmerfenster mit geschätzten 15 Umzugkartons komplett dicht. Man ließ sie gewähren.

Zwei Jahre später probte Goldmund erneut den Aufstand. Die kleine beschauliche Rolandstadt war der 16-Jährigen mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass sie sich querstellte, als es weitergehen sollte. Durchsetzungsstark erreichte sie mit dem Versprechen, das Abitur zu machen, dass ihre Mutter zwischen Frankfurt am Main und Wedel pendelte.

„Der Unterricht bei Ingeborg Hansen war wie eine Erleuchtung“, schwärmt Goldmund. Kunsttheorie war plötzlich richtig spannend, fürs Praktische ging man hinaus. Die Mentorin überließ ihr sogar den Schlüssel, um in der Schule wie in einem Atelier malen zu können. „Schon vor dem Abi stand fest: Ich werde Künstlerin.“

„Damals hatte ich ein größeres Selbstbewusstsein als jetzt“, bekennt Goldmund fast ein wenig verwundert. „Man wird besser und nimmt mehr Fehler wahr“, klärt sie auf. Eine Ausbildung zur Gebrauchsgrafikerin folgte. Um die positive Anspannung dort loszuwerden, schrie sie sich jeden Tag vor dem Unterricht mit ihrer Freundin im Fahrstuhl frei. Irgendwann musste es auch noch ein Studium an der Hamburger Kunsthochschule sein. Zwischendrin und danach: Ausstellungsverantwortlichkeiten. Erst für die Galerie Stuhlmann in Wedel, dann für die Galerie xpon-art in Hamburg. Heute ist sie im Kunstkreis des Reepschlägerhauses aktiv. Und auch in Bezug auf Männer ist die Wedelerin angekommen. Nach „fluktuierenden Lovern“ ist sie seit Jahren glücklich verheiratet.

Goldmund hat es gelernt, ihre Selbstzweifel, ihre mitreißende extrovertierte Art und ihre kleine, liebenswerte Verrücktheit künstlerisch zu nutzen. Sie hat gelernt, sich nicht mehr überfahren zu lassen, Grenzen zu setzen, für sich selbst einzustehen. „Ich habe keinen eigenen Stil“, bekennt sie selbstbewusst. Sie erstellt Konzepte. „Was will ich sagen und wie kann ich es mit welchem passenden Medium umsetzen?“ Das ist ihr Ansatz für ihre Kunst.

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