Seit drei Monaten Wehrführer

Tim Hoyer ist unter den Kollegen in den Nachbarwehren mit seinen 36 Jahren ein Jungspund unter den Wehrführern.
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Tim Hoyer ist unter den Kollegen in den Nachbarwehren mit seinen 36 Jahren ein Jungspund unter den Wehrführern.

Tim Hoyer übernimmt das Amt von Vater Helmut / Prisdorfer Blauröcke brauchen Nachwuchs / Technik kann kaum Helfer ersetzen

shz.de von
15. Februar 2018, 17:33 Uhr

Tim Hoyer hat vor etwa drei Monaten vor dem Gemeinderat Prisdorf seinen Amtseid geleistet und sich damit für sechs Jahre als Wehrführer in Prisdorf verpflichtet. Er tritt damit in die Fußstapfen seines Vaters Helmut Hoyer. Über die Herausforderungen und darüber, wie er den Generationswechsel angehen will, sprach er mit unserer Zeitung.

Mit 36 Jahren kann er im Vergleich zu Kollegen der Nachbargemeinden als Youngster bezeichnet werden, obwohl er seit mehr als 25    Jahren der Prisdorfer Wehr angehört: „Vielleicht repräsentiere ich eine neue Generation. Aber das heißt nicht, dass ich sofort anfange, Dinge radikal zu verändern.“

Die Prisdorfer Feuerwehr zählt derzeit 44 aktive Mitglieder. „Bereits in der Jugendabteilung lernt der Nachwuchs jeden Handgriff und wird zum festen Bestandteil der Wehr“, erläutert Hoyer. „Der Übergang in den aktiven Dienst mit 18    Jahren läuft dadurch selbstverständlich.“ Die Prisdorfer müssen jedoch mit einem Defizit beim Nachwuchs umgehen. Die Sollstärke der Jugendabteilung ist 24, derzeit sind es aber tatsächlich nur zwölf Mädchen und Jungen. Hoyer betont: „Mit einer Homepage, Veranstaltungen, gemeinsamen Freizeiten und Wettkämpfen versuchen wir, mit Spaß und Teamgeist das Interesse der Jugend zu wecken und zu erhalten. In diesem Jahr planen wir, Flyer zu verteilen, um Nachwuchs zu werben.“ Gründe für den Mangel erklärt Hoyer: „Wir stehen zunehmend im Wettbewerb um die verfügbare Zeit Jugendlicher. Die tägliche Schulzeit hat sich auf den Nachmittag ausgeweitet. Natürlich begrenzen auch andere Aktivitäten wie Sport, besondere Hobbys und der PC ebenfalls unser Chancen.“

Die Arbeitsweise einer Wehr werde sich nach Hoyer in absehbarer Zeit nicht grundsätzlich ändern, ein technischer Quantensprung bei der Feuerbekämpfung sei nicht in Sicht: „Mittlerweile haben wir zwar auf dem Löschfahrzeug einen Laptop mit Daten, die uns bereits auf der Fahrt ermöglichen, den Einsatz vorzubereiten. Aber letztlich sind es nicht Computer, die Feuer löschen oder Leben retten, sondern Menschen, die schnell und richtig helfend vor Ort sind. Neuere Fahrzeuge sind so ausgelegt, dass weniger Hände für deren Betrieb notwendig sind. So freue ich mich auf unser neues Löschfahrzeug im kommenden Jahr.“

Der Ausbildungsstand der Einsatzkräfte muss gesichert sein, Löschgeräte und Hilfsmittel müssen jederzeit einsatzbereit gehalten werden. Dies bedinge eine Menge Abstimmung mit der Gemeinde: „Wir können uns nicht beschweren. Die Ausrüstung, wie sie der Brandschutzbedarfsplan für eine Wehr unserer Größe vorsieht, ist sichergestellt.“ Auch innerhalb der Wehr fühlt sich Hoyer gut unterstützt: „Das Team funktioniert super“, so Hoyer. „Und ich persönlich erfahre von jedem im Vorstand große Unterstützung in meiner neuen Aufgabe.“

Angesichts vieler Privatisierungen von öffentlichen Aufgaben, sei es Autobahnbau oder Rettungsdienste, könnte die Frage aufkommen, ob Feuerwehren in einer traditionellen örtlichen Struktur überhaupt noch zeitgemäß sind. Dazu Hoyer: „Zunächst ist jede Gemeinde verpflichtet, für den eigenen Feuer- und Katastrophenschutz ausreichend zu sorgen.“ Die Arbeitsweisen der Wehren hätten sich im Laufe der Zeit verbessert. Hoyer: „Dies bezieht sich hauptsächlich auf den Grad der Synergien, die durch direkte Zusammenarbeit der Nachbarwehren, oder über Kreis- und Landesverbände gesteuert, erzielt wurden. “ Bei wetterbedingten Notfällen seien alle Kameraden der Nachbargemeinden in Alarmbereitschaft. Zum Teil hätten sie Einsätze an mehreren Stellen gleichzeitig. „Bei jedem dieser Einsätze kann es um Menschenleben gehen. Damit wäre der vordergründige Gedanke nach einer Zentralisierung der Wehren aus finanziellen Gesichtspunkten wohl sehr kurz gegriffen“, erklärt Hoyer.

„Ich würde mir drei bis vier mehr aktive Mitglieder wünschen. Vorbildung ist dabei weniger wichtig als der feste Wille zu helfen. An Eltern appeliere ich, dass die Jugendwehr nicht nur eine wertvolle Lebenserfahrung sein kann, sondern dass sie mit Spaß, Teamgeist und körperlicher Betätigung eine sinnvolle und vielseitige Beschäftigung für Kinder ist.“

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