zur Navigation springen

Runter von der schiefen Bahn : Seit 13 Jahren ehrenamtlich Tätig

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ehrennadelträger Peter Drescher aus Tornesch ist seit 13 Jahren ehrenamtlicher Bewährungshelfer beim Amtsgericht Elmshorn.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Tornesch | Peter Drescher redet schnell. Er springt gern zwischen Therapieformen und seinem persönlichem Antrieb für seine Projekte hin und her. Der Tornescher weiß wovon er redet, hat in seinem Leben viel erlebt und er ist extrem wissbegierig. „Das Leben ist ein Lernprozess bis zum letzten Tag“, sagt der 65-Jährige. Unter anderem für sein Engagement als ehrenamtlicher Bewährungshelfer beim Amtsgericht Elmshorn wurde der Tornescher am Montag von der Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, Anke Spoorendonk (SSW), mit der Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

Seit 13 Jahren hilft Drescher denen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die er betreut, haben Menschen verletzt, bestohlen oder gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Von ihm bekommen sie Hilfe beim Start in ein neues Leben.

Drescher hat eine Karriere als Mitarbeiter des sozialen Dienstes der AOK Schleswig-Holstein hinter sich, war Coach und Trainer, hat mit Drogenabhängigen gearbeitet und eine Zusatzausbildung zum Heilpraktiker mit psychotherapeutischem Schwerpunkt gemacht. Die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen interessiert ihn – auch bei der Bewährungshilfe. „Ich resigniere aber auch nicht, wenn es nicht klappt. Es ist eben immer ein Versuch.“ Wichtig sei ihm, dass die Jugendlichen eine eigene Perspektive entwickelten. Er unterstützt sie bei Behördengängen, hat zwei Jugendlichen eine Lehrstelle vermittelt. Andere überzeugte er davon, den Schulabschluss nachzuholen. Feste Strukturen zu schaffen, sei entscheidend für den Erfolg. Drogenabhängige sind mit ihrem Entzug durch, wenn sie an Drescher vermittelt werden. Viele scheiterten schon daran, sagt er. „Bei Süchtigen schaffen es zwei von 100 beim ersten Mal“, erklärt der Bewährungshelfer. „Wir sind auch insgesamt eine süchtige Gesellschaft“, urteilt er. Ob Konsumsucht, übermäßiger Alkoholgenuss oder Koks in den vornehmen Kreisen: Generell neige der Mensch dazu. „Einer der Jugendlichen hat mal gesagt: ,Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.’ Den Wert der Gemeinschaft verkennen wir hingegen völlig.“

Drescher will den straffälligen jungen Menschen helfen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. „Ich kann keinem sein Leben abnehmen. Ich kann nur Impulse geben.“

Zuerst hegten viele der Betreuten ihm gegenüber ein großes Misstrauen. Ist eine solide Vertrauensbasis geschaffen, kann Drescher Hilfestellung geben. Mindestens zwei Treffen im Monat sind vorgesehen, einige sieht er wöchentlich. Zwei Fälle betreut er parallel. Eine professionelle Distanz ist dem Tornescher wichtig. „Es gibt keine Verbrüderung. Grenzen müssen eingehalten werden.“ Er habe in all den Jahren viel über die Menschen gelernt. „Dinge, die für mich unmöglich sind, gibt es. Von Verwahrlosung bis hin zum elitären Leben.“ Straffälligkeit mache vor keiner Schicht halt. Als Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Bewährungshelfer malt der 65-Jährige. Das entspanne ihn. Er hat seine Werke auch schon ausgestellt. „Von abstrakt bis ganz artig“, beschreibt Drescher seine Kunst. Zudem liebt er Italien, reist gern in das Land von Pasta und Rotwein und genießt dort das süße Leben mit seiner Ehefrau Elisa.

Langweilig wird dem Tornescher nicht. Er engagiert sich außer bei der Bewährungshilfe auch noch bei der Selbsthilfegruppe „Begegnungen“ in Elmshorn, die sich an Menschen in Lebenskrisen richtet, und er sitzt im Vorstand der „Jugendhilfe Pinneberg“. Sein nächstes Projekt ist ein Gesprächskreis über den Entwicklungsprozess des Menschen, den er mit der Pastorin der Klosterkirchengemeinde in Uetersen, Kirsten Ruwoldt, organisiert. Der erste Termin steht unter dem Titel „Leben als Gemeinschaft“. Interessierte treffen sich am Donnerstag, 18. Februar, ab 19.30 Uhr im Jochen-Klepper-Haus, Jochen-Klepper-Straße 11. Anmeldungen sind unter Telefon 04122-52493 oder 04122-2385 möglich.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert