Seelenstriptease im Café

 Ein Damentrio am Rande des Wahnsinns: Lulu (Jana Engel, von links) und Gabrielle (Nicola Heubach) helfen Hélène (Gudrun Göller), die unter Anspannung steht und hyperventiliert.
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Ein Damentrio am Rande des Wahnsinns: Lulu (Jana Engel, von links) und Gabrielle (Nicola Heubach) helfen Hélène (Gudrun Göller), die unter Anspannung steht und hyperventiliert.

Pinneberger Forum Theater bringt Dialogkomödie „Hundswetter“ auf die Bühne / Premiere am 1. Mai

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12. April 2019, 16:05 Uhr

Pinneberg | Fast wie beim Brecht’schen epischen Theater: Am Tag der Premiere wird Co-Regisseur Hans Molenda vom Pinneberger Forum Theater auf die Bühne treten und sich an das Publikum wenden: „Die Frage aller Fragen ist doch: Was ist Glück? Und: Dürfen wir das? Die Autorin lässt den Kellner auf die Frage, wozu Latein eigentlich gut sei, sagen: Zu gar nichts, das ist das Gute an Latein. Alles, was im Leben wirklich zählt, ist zu nichts gut. Mit wem kann man Latein sprechen, mit wem am Ufer spazieren gehen, mit wem die Liebe zu den unnützen Dingen teilen?“

Drei Damen und ein Kellner finden Antworten auf die Fragen, verspricht Molenda. Zusammen mit seinem Regie-Kollegen Detlef Murphy bringt er die Komödie „Hundswetter“ von Brigitte Buc auf die Bühne. Premiere ist am Mittwoch, 1. Mai.

Derzeit proben die beiden Regisseure und die vier Schauspieler in der Außenstelle der Johannes-Brahms-Schule in Pinneberg. Ein erster Besuch unserer Zeitung bei den Proben, die Mitte Februar begonnen haben, zeigt: Das Stück ist vielversprechend, so der erste Eindruck. Schnelle Dialoge und eine nervöse Stimmung, Gekeife – ein Damentrio am Rande des Wahnsinns. Kein Zweifel: Die drei Schauspielerinnen und der Mime haben ihren Text im Griff. Keine Versprecher. Worüber sich Molenda freut, so kann er sich dem Feinschliff widmen.

Darum geht’s: Hundswetter an einem Septembermorgen. Ein kleines Café wird zum Zufluchtsort für drei Frauen, die hier zufällig aufeinandertreffen. Aus Platzmangel müssen sie alle an einem kleinen Tisch im Hinterzimmer sitzen und werden so zu einer Schicksalsgemeinschaft: Hélène, Geschäftsfrau, Ehefrau und Mutter, die kurz vor dem Burnout steht, Lulu, die alleinerziehende Dessous-Fachverkäuferin und Gabriele, eine tablettensüchtige Single-Frau. Das alles passiert unter den wachsamen Augen des spöttischen Kellners, der Mühe hat, die angetrunkenen Frauen zu bändigen. „Illusionen werden zerstört, Schwächen offenbart – ganze Lebensentwürfe werden in der Nacht über den Haufen geworfen“, heißt es in der Ankündigung. Also ein Seelenstriptease im Café, in dem Lebensmodelle in Frage gestellt und die Zuschauer zum Nachdenken angeregt werden: „Was kann ich bei mir ändern?“

Komödie oder Tragödie? Wohl beides, zumal das Stück sich zu einem stetigen Auf und Ab der Gefühle aufbaut mit pointierten Dialogen. „Das ist dann so, als würde man ein Fenster aufmachen und plötzlich weht ein frischer Wind hinein“, sagt Molenda.

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