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Pinneberger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 11:48 Uhr

Pinneberg : Schwimmer bedauern Zwangspause

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Sommer ist vorbei - und das Hallenbad ist bis zum 10. November geschlossen. Die Stadtwerke nutzen die Zeit für Reparaturen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Seit Donnerstag muss Alex Reinheimer auf seine regelmäßigen Schwimmbadbesuche in Pinneberg verzichten. Um das Bad wirtschaftlicher zu betreiben und Verluste zu minimieren, schließen die Stadtwerke die Pforten des Bades bis zum 10. November. In diesem Zeitraum sollen zudem Reparaturen durchgeführt werden. „Ich finde es schade, dass das Bad schließt – gerade jetzt im Herbst, wenn man die Schwimmhalle eh wieder nutzen würde“, sagt Stammgast Reinheimer. Besonders Kinder würden bei dem schlechter werdenden Wetter jetzt nach Alternativen suchen. Auch Schulen und Vereine sind von der Entscheidung der Stadtwerke betroffen.

„Seit 20 Jahren sind wir einmal die Woche eine Stunde hier zum Schwimmen“, erzählt Waltraud Hanke aus Eidelstedt. „Natürlich ist man traurig“, sagt sie, „aber ich kann das verstehen, die Kosten sind hoch.“ Das bestätigt auch Henning Fuchs, Geschäftsführer der Stadtwerke Pinneberg. 1,3 Millionen Euro Minus verzeichnet das Bad pro Jahr, einen Teil der Verluste können die Stadtwerke steuerlich absetzen, so ergibt sich letztlich ein Minus von rund einer Million Euro. Das belaste die Gewinnabführungen der Stadtwerke an den städtischen Haushalt.

Da sich die finanziell angeschlagene Stadt Pinneberg unter dem Rettungsschirm des Landes Schleswig-Holstein befindet, müssen in diesem Zusammenhang auch die Schwimmbadverluste verringert werden. Das Bad selbst finanziert sich laut Fuchs „aus dem ganzen Pott der Stadtwerke“ – denn die machen Gewinn.

Bislang war das Bad 4700 Stunden im Jahr geöffnet, dies soll nun auf 3700 Stunden reduziert werden. Alternativen zu der fünfeinhalbwöchigen Pause habe es nicht gegeben: „Mehrere Einzelschließungen bringen energetisch nicht viel“, berichtet Fuchs. Die Höhe der angestrebten Einsparungen wollte er noch nicht beziffern: „Wir wollen nach dem Ablauf auswerten und sehen, ob das rauskommt, was man sich verspricht.“ Während der kommenden Wochen sollen die Mitarbeiter Überstunden und Urlaubstage abbauen. Das Kernteam des Bades besteht aus 13 Personen, eins stellt Fuchs dabei klar: „Stellen werden nicht angefasst.“

Während das Bad geschlossen ist, wollen die Stadtwerke notwendige Reparaturen durchführen. Björn Pätzel kniet neben einer Spülluft-Leitung, ein wichtiger Bestandteil des Filter-Systems des Bades. An der Unterseite hat das gelbe Rohr einen großen Rostpickel. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Wasser da rauskommt und uns das Becken leer läuft“, erläutert der stellvertretende Betriebsleiter. Um das Rohr zu reparieren, müsse das Schwimmbecken leer sein. Die Prozedur sei dabei sehr zeitaufwändig: „Es dauert eine halbe Woche, das Becken leer zu bekommen – und eine Woche, es wieder aufzufüllen und zu heizen.“ Während der fünfeinhalb Wochen soll zudem auch an den Hubböden gearbeitet werden.

Schärfer fällt die Kritik der Schulen an der Schließung aus. Während die Grundschule Waldenau nach den Ferien 30 Kinder nicht zum Schwimm-Unterricht schicken kann, sind es bei der Grundschule Thesdorf gleich 124. „Wir können sechs gut bezahlte Lehrer-Stunden nicht an den Mann bringen“, sagt Holger Meyer, Schulleiter der Grundschule Thesdorf. Der Unterricht werde dann zwangsläufig ausfallen. „Das trifft uns schon hart.“ Ausweichmöglichkeiten gebe es keine. Vor demselben Problem steht auch Inge Jording, Rektorin der Grundschule Waldenau: „Die Plätze in der Sporthalle sind verplant, zum Rausgehen ist es zu frisch“, berichtet sie. Die Kinder würden während der Schließung des Bades in Theorie unterrichtet werden.

Bei der Wasserwacht Pinneberg steht man der Zwangspause mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Erstmal sind Ferien, das wäre nicht das Problem“, sagt Stefan Reher, Leiter der Pinneberger Wasserwacht. Für die restlichen Wochen habe man den Kindern angeboten, diese mit Theorie zu überbrücken.

Da die fünfeinhalb Wochen nicht ausreichen, um auf die 3700 Stunden im Jahr zu kommen, ist die nächste Schließung auf Zetteln im Bad bereits angekündigt: Vom 25. Dezember bis zum 1. Januar soll das Schwimmbad kurzzeitig dicht gemach werden.


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