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Pinneberger Tageblatt

16. August 2017 | 22:03 Uhr

„Schwer, eine Familie zu gründen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Für zwei Kinder in der Tagesstätte, sind im Kreis Pinneberg bis zu 800 Euro fällig / In Hamburg gibt es fünf Stunden am Tag umsonst

Wegziehen aus dem Kreis Pinneberg, auf ein zweites Kind verzichten oder als Mutter eines kleinen Kindes gar nicht arbeiten gehen – dies seien Maßnahmen, über die Familien im Kreis Pinneberg nachdenken, um die Gebühren für die Betreuung ihrer Kinder zu reduzieren. Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtete Nadine Mai, Vorsitzende der Kreiselternvertretung Pinneberg, dass sie zwischen September und Dezember 2014 einen Fragebogen in den Kindertagesstätten des Kreises Pinneberg verteilt hat, um sich einen Überblick über die Situation von Familien im Kreis Pinneberg zu verschaffen, deren Kinder eine Kindertagesstätte besuchen. Vor Kurzem hat Mai die Ergebnisse der Umfrage, an der sich 167 Eltern beteiligten, analysiert und sie jetzt dem Jugendhilfeausschuss des Pinneberger Kreistags übergeben.

„Natürlich ist die Umfrage nicht repräsentativ, schließlich besuchen derzeit etwa 11  000 Kinder im Kreis Pinneberg eine Kindertagesstätte“, sagte Mai. Die Ergebnisse hätten ihr aber trotzdem gezeigt, dass die Gebühren für die Kinderbetreuung im Kreis Pinneberg nicht gerecht geregelt sind. „Eine Familie mit einem Einkommen von 2000 Euro zahlt derzeit nichts für die Kita, eine Familie, die 3000 Euro verdient, muss dagegen 17 Prozent davon an Kita-Gebühren zahlen, ab einem höheren Einkommen nimmt der Anteil dann wieder ab“, erläuterte Mai. Gerecht finde sie das nicht. „Ich bin dafür, dass jeder maximal zehn Prozent seines Einkommens für die Betreuung seiner Kinder zahlen sollte“, sagte sie. „Derzeit zahlen Eltern mit zwei Kindern bis zu 800 Euro, das entspricht an einigen Orten einer Monatsmiete.“

„Der Kreis Pinneberg macht es jungen Menschen schwer, eine Familie zu gründen“, sagte Mai. Insbesondere für Pendler, die auf den Spätdienst der Kindertagesstätten angewiesen seien, lohne es sich finanziell oft kaum, dass beide Elternteile arbeiten gehen und ihre Kinder betreuen lassen.

Mai hoffe, dass der Kreis Pinneberg und das Land Schleswig-Holstein die jetzige Gebührenordnung noch einmal überdenken. Denn dass es auch anders geht, zeige der direkte Vergleich mit dem benachbarten Hamburg. Dort können Eltern ihre Kinder von der Geburt bis zur Einschulung fünf Stunden täglich kostenfrei betreuen lassen, inklusive Mittagessen.

Mai sei bewusst, dass es unrealistisch sei, dass der Kreis Pinneberg das Hamburger Modell übernehme. Aber den Eltern wäre bereits geholfen, wenn ihr Anteil an der Betreuung auf zehn Prozent des Einkommens reduziert wäre. So würde auch der Kreis als Wohnort für Familien attraktiver werden.

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erstellt am 19.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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