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Höhenretter in Tangstedt : Schwebend Hilfe leisten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gemeinsame Gruppe der Feuerwehren und des THW.

Tangstedt | Es war 2009, als der Tangstedter Feuerwehrmann Torben Wohlers zum ersten Mal von der Pinneberger THW-Gruppe der Höhenretter hörte. „Ich wohnte damals noch in Borstel-Hohenraden und sprach den Wehrführer Bernd Affeldt darauf an“, erinnert sich Wohlers. Seine Motivation: „Ich wollte etwas Neues entdecken.“

Zwei Tage später habe er die Telefonnummer des Gruppenführers in der Hand gehabt und sofort dort angerufen. „Noch am selben Abend saß ich zum ersten Mal beim Theorieunterricht“, berichtet Wohlers. Bis er in luftigen Höhen schweben konnte, dauerte es allerdings noch einige Zeit, denn zunächst fand sich Wohlers in den Tiefen der Bürokratie wieder.

„Während eines Feuerwehr-Lehrgangs kam ich mit einem Pinneberger Kameraden ins Gespräch, der ebenfalls in der Höhenrettungs-Gruppe war“, sagt Wohlers. Der habe berichtet, dass die Wehr Post von der Feuerwehr-Unfallkasse bekommen habe: Höhenrettung sei, genau wie Ersthelfer (First Responder) und Taucher, keine originäre Aufgabe der Feuerwehr – und damit die Kameraden bei Ausbildung, Übungen und Einsätzen nicht versichert.

„Ich habe mich sofort dahintergeklemmt und mit der zuständigen Mitarbeiterin des Amts Pinnau, Viktoria Bergstedt, gesprochen“, berichtet Wohlers. Die habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um herauszufinden, wie der Versicherungsschutz gewährleistet werden könne.

„Mit Erfolg: Die Gemeindeordnung musste dahingehend geändert werden, dass die Gemeinde der Feuerwehr den Auftrag erteilt, auch im Bereich der Höhenrettung tätig zu werden“, erläutert Wohlers. Entsprechende Beschlüsse wurden bald darauf in den politischen Gremien gefasst und so der Versicherungsschutz hergestellt. „Als ich nach Tangstedt umzog, wiederholte sich dieser Vorgang problemlos – jetzt wusste ich ja, was zu tun ist“, sagt Wohlers.

Nach dieser Hürde konnte Wohlers nach gut einem Jahr auch praktisch loslegen. „Das Besondere an der Gruppe ist, dass von Anfang sowohl Mitglieder des THW als auch von verschiedenen Feuerwehren des Kreises gemeinsam lernten und übten“, sagt Wohlers.

Vielfältige Einsatzoptionen

Jeden dritten Mittwoch wird zusammen Theorie gebüffelt, am Sonnabend darauf steht die Praxis an. „Wir müssen 72 Stunden Fortbildung pro Jahr nachweisen, um für Einsätze qualifiziert zu sein“, erklärt der Familienvater.

„Die Einsatzoptionen sind vielfältiger, als man zunächst vermuten könnte“, beschreibt Wohlers. Verletze Personen aus Baukränen, von Antennenanlagen oder Windkrafträdern retten, bei heftigen Stürmen Dächer sichern oder diese am Kran hängend von Schneelasten befreien. „Was zunimmt, sind Einsätze für übergewichtige Menschen, die nicht durch das Treppenhaus transportiert werden können, sondern durch das Fenster aus der Wohnung geholt werden müssen“, so die Erfahrung des 35-Jährigen.

Was in der Höhe funktioniere, gelte gleichermaßen für Tiefen: „Wir üben auch in engen Schächten, Tanks, Silos oder tiefen Baugruben“, erläutert Wohlers. Erfahrungen würden sowohl bei den jährlichen Tagungen der THW-Höhenretter als auch mit den Hamburger Berufsfeuerwehren ausgetauscht.

Sein bislang anspruchsvollster Einsatz war am 19. Dezember 2014 – ausgerechnet an seinem Geburtstag. „Der Mechaniker einer Windkraftanlage hatte sich in 110 Metern Höhe verletzt“, berichtet Wohlers. Mithilfe des Lastkorbs der Anlage habe der Patient bis auf 15 Meter Höhe transportiert werden können. „Von dort haben wir ihn dann ganz langsam und vorsichtig abgeseilt“, beschreibt er. Das Wichtigste bei solchen Einsätzen seien die zweifache Sicherung mit Seilen sowie das Teamwork, sagt Wohler. „Und, dass man nicht den Respekt vor der Höhe verliert.“

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erstellt am 01.Aug.2015 | 10:00 Uhr

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