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Bedürftige im Kreis Pinneberg : Schutz vor klirrender Kälte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Diakonisches Werk hält Betten in einer Notunterkunft bereit. 333 Menschen untergebracht.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2014 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Sinken die Temperaturen, steigt die Gefahr vorm Erfrieren – deshalb organisiert die Diakonie für Wohnungslose auch in diesem Jahr wieder ein Winternotprogramm. Ab Montag, 1. Dezember, bis voraussichtlich März kommenden Jahres werden die Türen der Notunterkunft an der Gärtnerstraße in Elmshorn jeden Abend geöffnet. Fünf Betten stehen laut Auskunft von Anja Naroska vom Diakonischen Werk Rantzau-Münsterdorf bereit. Zudem gibt es weitere Notfallbetten. Frauen können sogar ein eigenes Zimmer beziehen.

Im vergangenen Jahr nutzten nach Angaben von Naroska sieben Wohnungslose das Programm. „Insgesamt gab es 193 Übernachtungen“, sagte sie. Die Diakonie ist ausschließlich für Durchreisende zuständig, wohnungslose Elmshorner werden – so wie in allen Kommunen – von eben jener betreut. Laut Antje Mause von der sozialen Wohnraumhilfe und Beratungsstelle für Wohnungslose in Pinneberg sind derzeit 333 Menschen im Kreis Pinneberg in Obdach untergebracht.

In Elmshorn kümmern sich zehn Ehrenamtliche um die Organisation des Notprogramms: Sie schließen die Räume – in wechselnden Schichten – täglich um 18 Uhr auf, morgens um 9 Uhr müssen die Menschen die Notunterkunft wieder verlassen. Dabei bleibt es nicht immer ruhig. Naroska berichtete von einem Fall, bei dem ein Bewohner mit Schizophrenie, der in einem Moment ruhig war und im anderen plötzlich aggressiv wurde, „eine gefühlte Bedrohung für alle war“. Die Ehrenamtlichen seien mit dieser Situation überfordert gewesen. „Hier wurden uns deutlich Grenzen aufgezeigt“, sagte Naroska und fügte hinzu: „Das Konzept des Notprogramms sieht nicht die Aufnahme von psychisch Kranken vor.“

In Deutschland gibt es keine offiziellen Zahlen: Die Bundesgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) fordert seit Jahren eine einheitliche Wohnungsnotfall-Berichterstattung. Laut  Schätzungen des Vereins gab es 2012 bundesweit 284.000 Wohnungslose. Seit dem Jahr 2008 sei ein Anstieg zu verzeichnen, ebenso wie bei der Zahl der Menschen, die ohne jede Unterkunft auf der Straße leben: Waren es 2010 noch zirka 22.000, schätzte die BAGW sie 2012 auf 24.000. Etwa zehn Prozent der Wohnungslosen seien minderjährig (32000).

Da das Wetter mild ist, starte die Diakonie ihr Programm erst ab Dezember. Parallel würden derzeit landesweit zusätzliche Wohnungen angemietet und Container aufgestellt.

Nach Schätzungen der Diakonie Schleswig-Holstein leben im nördlichsten Bundesland aktuell etwa 100  Menschen, die sogenannte Platte machen. Diese Personen wollten die festen Unterkünfte der Kommunen auch an kalten Wintertagen nicht annehmen, hieß es von Seiten der Diakonie Schleswig-Holstein. „Es wäre uns lieber, wenn niemand draußen übernachtet“, sagte Landespastor Heiko Naß, „aber wir können es nicht vollständig verhindern. Die Menschen entscheiden sich letzten Endes selbst“.

Regio-Mobil: Medizinische Hilfe auf Rädern

Für die 333 Wohnungslosen im Kreis Pinneberg, die entweder in Unterkünften der Kommunen oder auf der Straße leben, gibt es medizinische Hilfe auf Rädern. Unter dem Motto „Gesundheit ganz nah“ riefen die Regio-Kliniken im Jahr 2008 die Initiative Regio-Mobil aus.

Ärztin Dr. Siri Langefeld  und Krankenpfleger Ulli Lenk sind jeden Mittwoch zwischen 9 und 17 Uhr in der Region unterwegs und suchen Unterkünfte in den Städten und Gemeinden Pinneberg, Elmshorn, Quickborn, Wedel, Moorrege,  Langeln, Rellingen und Tangstedt auf. Dabei übernehmen sie nicht nur die Messungen von Blutdruck und Blutzucker, Wundbehandlungen sowie allgemeine körperliche Untersuchungen, sondern helfen auch  bei Versicherungs- oder Unterbringungsfragen. „Wir wollen Lotsen sein“, sagte Regio-Sprecher Sebastian Kimstädt. Im Vordergrund stehe dafür zu sorgen, dass die Menschen zurück ins Versicherungs- und Versorgungssystem kommen. Dabei sollen die Besuche helfen. „Der Abbau von Ängsten vor staatlichen Institutionen durch zuverlässiges und regelmäßiges Auftreten ist  ein Schwerpunkt“, sagte Kimstädt. Lenk ist unter Telefon 04103-962395, mobil unter 0151-17135352 oder per E-Mail unter ulli.lenk@regiokliniken.de erreichbar.

 

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