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Ein Jahr und zwei Monaten auf Bewährung : Schulsekretärin in Pinneberg greift regelmäßig in die Schulkasse

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ex-Mitarbeiterin der Grund- und Gemeinschaftsschule wird zu einer Haft von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt.

von
erstellt am 08.Okt.2015 | 12:15 Uhr

Pinneberg | Am Ende der Verhandlung weinte die ehemalige Schulsekretärin nur noch und sagte: „Es tut mir leid.“ Die 43-Jährige ist gestern wegen Untreue in 148 Fällen vom Pinneberger Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Damit liegt das Strafmaß nur einen Monat unter dem von Staatsanwalt Hendrik Schwitters geforderten. Auch ihr Rechtsanwalt Peter Kortwinkel hatte eine Strafe auf Bewährung gefordert. Die Höhe liege im „Ermessen des Gerichts“, sagte er.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jens Woywod rechnete der Angeklagten ihr Geständnis und die schwierige soziale Situation positiv an. Außerdem sei sie zuvor nicht straffällig geworden. Überdies gehe der Richter von einer günstigen Sozialprognose für die Angeklagte aus.

Die ehemalige Schulsekretärin aus Pinneberg gab zu, an der Grund- und Gemeinschaftsschule der Kreisstadt von Juni 2011 bis zum November 2014 regelmäßig 250 Euro aus der Schulkasse abgezweigt zu haben. 1000 Euro pro Monat. Der entstandene Gesamtschaden beläuft sich auf etwa 37.000 Euro. Bei dem Geld handelt es sich um Zuschüsse vom Land und von der Stadt sowie um Kursusgebühren für den offenen Ganztagsbetrieb an der Schule. Weil es keine Überprüfung gab, waren die Taten zunächst nicht entdeckt worden. Erst im Frühjahr dieses Jahres wurde die Verwaltung auf die strafbaren Praktiken ihrer Mitarbeiterin aufmerksam. Sie erstattete bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige und sprach die fristlose Kündigung aus. Bis zum heutigen Tag ist die Frau arbeitslos. Mit der Stadt hatte sie sich darauf geeinigt, monatlich zehn Euro zurückzuzahlen. Doch auch das falle ihr schwer. Weil sie während der Sperrzeit auch noch krank geworden sei, zahle das Arbeitsamt nicht. Sie sagte, sie sei psychisch krank, leide an starken Depressionen und warte auf einen Therapieplatz.

Schulden als Motiv

Richter Woywod fragte die Angeklagte, wie sie auf die Idee gekommen sei. „Ich habe versucht, Rechnungen zu begleichen.“ Kredite häuften sich an. Zunächst wollte sie das entwendete Geld wieder zurückzahlen. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich es nicht mehr schaffe. Dann habe ich den Überblick verloren. Mir ist die Sache über den Kopf gewachsen“, sagte sie. Die Angeklagte berichtete, dass sie mit ihrem Verdienst von 1300 bis 1400 Euro im Monat nicht hingekommen sei. Ihr Freund, von dem sie jetzt getrennt sei, habe es sich gut gehen lassen, sagte die Mutter eines Sohnes und einer Tochter.

Auch die schwierige Jugend der Angeklagten kam aufs Tapet: Die gebürtige Neubrandenburgerin wurde laut eigener Angaben vom Onkel und Stiefvater missbraucht. Die Mutter habe weggeschaut. Die ausgebildete Facharbeiterin kam 2000 nach Wedel, wo ihr Bruder lebte. 2004 machte sie eine Ausbildung zur Verwaltungsangestellten in Pinneberg. Der Umgang mit den Schülern habe ihr Spaß gemacht. Probleme habe es lediglich mit einer anderen Mitarbeiterin gegeben.

„Das Strafmaß ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Staatsanwalt Schwitters. Aber es müsse honoriert werden, dass die Angeklagte gestanden und nicht den „Kopf in den Sand“ gesteckt habe. Auch ihr Anwalt ging in seinem Plädoyer darauf ein, dass seine Mandantin mit den Ermittlungsbehörden kooperiert habe. Zwei Umstände hätten zu den Taten geführt: die Schuldenfalle und die Gelegenheit, sich zu bedienen. Der Richter legte der Pinnebergerin ans Herz, einen Arbeitsplatz zu suchen, denn das Strafmaß umfasse auch die Auflage, die Schadenssumme zurückzuzahlen. Das werde überprüft. Ein Nichteinhalten könne als Verstoß gegen die Strafwiedergutmachung geahndet werden.

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