Pinneberg : Schulsanitäter proben den Ernstfall

Noch übt Annika Albert die Herz-Lungen-Massage nur an der Puppe. Deshalb darf ruhig noch gelächelt werden. Annika Perlebach setzt probeweise einen Notruf ab und Friederike Ostermann überprüft den Defibrilator.
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Noch übt Annika Albert die Herz-Lungen-Massage nur an der Puppe. Deshalb darf ruhig noch gelächelt werden. Annika Perlebach setzt probeweise einen Notruf ab und Friederike Ostermann überprüft den Defibrilator.

Jugendliche an der Johannes-Brahms-Schule werden von den Johannitern zu Ersthelfern ausgebildet. Start nach den Ferien.

shz.de von
13. Juni 2014, 16:00 Uhr

Pinneberg | Dass sie gebraucht werden, zeigt sich bereits bei einem zufälligen Blick ins Sekretariat der Pinneberger Johannes-Brahms-Schule. Dort wird gerade eine Kaltkompresse ausgegeben. Ein Junge hatte sich beim Müllsammeln aus Versehen den Stab ins Auge gestochen. Er nimmt das blaue Paket dankbar an und drückt es auf die angeschwollene Stelle. Künftig gibt es für solche Fälle besondere Helfer. Vor den Sommerferien werden 24 Jugendliche zu Schulsanitätern ausgebildet. Die Schule hat einen Kooperationsvertrag mit den Johannitern abgeschlossen. Wenn die Schule nach den heißen Tagen wieder los geht, ist auch ihr erster Einsatztag.

Zurzeit lernen die Achtklässler an zwei Tagen alle wichtigen Fakten zur ersten Hilfe kennen. Dazu kommt der organisatorische Part, der ebenfalls entscheidend ist für den Erfolg des Projektes. Dienstpläne erstellen, Abläufe planen: Auch das gehört zum Alltag der Teenie-Sanitäter. Später soll es regelmäßige Schulungen einmal im Monat geben, erklärt Juliane Kalz, die regionale Jugenddezernentin der Johanniter. Mit realistischen Unfallszenarien wird der Ernstfall geprobt.

Auf die Idee kam die Schulelternbeiratsvorsitzende Carola Meyer. Sie habe selbst vier Kinder auf der Schule gehabt. Durch ihre Arbeitsstelle bei den Johannitern sei sie auf den Schulsanitätsdienst aufmerksam geworden. An anderen Schulen gebe es bereits Schulsanitäter. Für die Johanniter ist es aber die erste Kooperation im Stadtgebiet. Die Schulleitung war begeistert von dem Vorstoß der Mutter. „Je früher Kinder und Jugendliche zu Ersthelfern ausgebildet werden, umso selbstverständlicher gehen sie im Ernstfall damit um“, glaubt Schulleiterin Ortrud Bruhn. Die Hemmschwelle sei bei jungen Menschen geringer, sagt auch Meyer. Neben den Kenntnissen lernen die Helfer auch, eigenverantwortlich zu handeln, werden selbstbewusster im Umgang mit anderen Schülern.

Zwei bis drei Schüler werden täglich ihren Dienst schieben. Wenn ihr Pieper los geht, dürfen sie ausnahmsweise den Unterricht verlassen, um zu helfen. Meistens seien es Sportverletzungen, die behandelt werden müssen: Verstauchungen, Prellungen, Wunden. Im Sommer kann auch mal ein Kreislaufkollaps wegen der Hitze dazu kommen. Vorbereitet sind die Neuntklässler aber auf alle Eventualitäten. Von Verbrennungen bis hin zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Bei 1200 Schülern werden sie gut zu tun haben. „Es vergeht kein Tag, an dem nichts passiert“, sagt die Schulleiterin.

Die Vierzehnjährige Annika Perlebach ist eine von den neuen Schulsanitätern. „Ich möchte anderen helfen“, sagt sie überzeugt. Die medizinischen Themen interessieren sie zudem. Das war auch Annika Alberts (14) Grund, mitzumachen. „Ich kann mir gut vorstellen, später selbst Ärztin zu werden. Deshalb fand ich das Projekt natürlich besonders interessant.“

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