Schulleiter und „Tünbüddel“

Die Tangstedter Schule wurde 1911 gebaut. 41 Jahre lang war Hermann Krohn dort tätig.
Die Tangstedter Schule wurde 1911 gebaut. 41 Jahre lang war Hermann Krohn dort tätig.

Straße nach Hermann Krohn, ehemaliger „Hauptlehrer“ an der Grundschule Tangstedt, benannt

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03. August 2018, 16:00 Uhr

Einige ältere Bürger der Gemeinde Tangstedt können sich noch lebhaft an ihn erinnern: Hermann Krohn. Am 1. April 1914 trat er seine Stelle als Lehrer an der Tangstedter Schule an. Zehn Jahre später wurde er Hauptlehrer – heute würde er als Schulleiter bezeichnet – und blieb in diesem Amt in der kleinen Gemeinde bis zu seiner Verrentung am 31. März 1955.

„Mein Vater war in seiner ersten Klasse – und mein Bruder in seinem letzten Jahrgang“, berichtet Helga Müller, die ebenfalls bei Krohn zur Schule ging. Und sich gut daran erinnert, wie sich das Leben im Dorf während des Krieges und danach veränderte. „Die Anzahl der Einwohner verdoppelte sich. Damals waren die Flüchtlinge überwiegend in Bauernhöfen untergebracht und die Menschen überwiegend in den Dorfalltag integriert“, sagt Müller.

Nach Kriegsende habe es zunächst keinen Schulunterricht gegeben. „Wir hatten den ganzen Sommer frei – erst im Herbst ging die Schule wieder los“, erklärt Müller. Immer wieder seien Trecks mit Planwagen durch das Dorf gefahren, darauf der komplette Hausrat der geflüchteten Menschen. „Für uns Kinder war das etwas Besonderes und spannend – wir dachten uns nichts dabei, den Wagen hinterherzulaufen“, so Müllers Erinnerung an die Nachkriegszeit.

Nicht nur als Lehrkraft prägte Krohn mehrere Generationen von Tangstedtern. „Er war auch in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv“, berichtet Müller. 25 Jahre lang habe er dort das Amt des Schriftwartes inne gehabt. „Wenn man sich seine Aufzeichnungen durchliest, gleicht das eher einem Aufsatz denn einem Protokoll“, sagt Müller und lacht.

Seine ausschweifende Art, Sachverhalte zu berichten, habe ihm auch seinen Spitznamen eingebracht: „Alle nannten ihn ,Hermann Tün‘. Das kommt von dem plattdeutschen Ausdruck ,Tünbüddel‘, mit dem jemand bezeichnet wird, der besonders langatmig und ausschmückend erzählt“, erläutert Müller. Bis heute ist Krohn mit insgesamt 41 Jahren Lehrtätigkeit der Pauker, der die Tangstedter Schule am längsten prägte.

Sein Vorgänger Thies brachte es auf immerhin 35 Jahre. In seine Zeit fällt der Neubau des Gebäudes im Jahr 1911. Eingeweiht wurde es am 25. Oktober, wie in der Festschrift zum 750. Geburtstag der Gemeinde festgehalten ist. 45 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 14 Jahren kamen in den Genuss der neu gebauten Schule mit elektrischem Licht und Zentralheizung. Elf Jahre später waren es bereits 96 Schüler – bei einer Einwohnerzahl von 647 Personen.

Seit Anfang der 1970er-Jahre werden in der Gemeinde nur noch die Schüler der Klassen 1 bis 4 unterrichtet. Zur Zeit besuchen 117 Kinder in sechs Klassen die Bildungseinrichtung. Sie werden von 11 Lehrkräften, einer Sonderpädagogin, einer Referendarin und einem Sportlehrer unterrichtet. Die Kreidetafeln wurden inzwischen von interaktiven Whiteboards abgelöst und statt mit einer Schiefertafel sitzen die Kinder heutzutage mit einem Tablet-PC an ihrem Tisch.

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