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Pinneberger Tageblatt

17. August 2017 | 13:46 Uhr

Schule platzt aus allen Nähten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Raumnot Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek sucht Lösung für zu kleinen Bau / Schülerzahlen entgegen Vermutungen gestiegen

„Wir können unserem Bildungsauftrag nur eingeschränkt nachkommen“, schlug Alexander Grote am Donnerstagabend im Ausschuss für Kinder, Schule und Jugend Alarm. Grote wird ab kommender Woche die Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek leiten. Vier der bisher 14 Fachräume seien bereits in Klassenräume umgewandelt worden. Der Wegfall des Informatikraums – dafür soll die Schule Notebooks für die Schüler erhalten – sei bereits geplant. „Es ist notwendig, dass wir eine langfristige Lösung entwickeln. Schnellstmöglich. Das kostet Geld, aber es ist wichtig“, mahnte Grote. Seine Einschätzung: „Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Situation entspannen wird.“

Fachbereichsleiterin Susanne Dietrich blieb bei ihrer Einschätzung für die zukünftige Entwicklung der Schule deutlich defensiver: „Wir wissen nicht, wie sich die neue Schulsituation an der Casper-Voght-Schule auf die Grund- und Gemeinschaftsschule auswirken wird.“ Durch die Einrichtung der gymnasialen Oberstufe gewinne die Rellinger Schule an Attraktivität und sei eine Alternative bei Neuanmeldungen. „Wie gehen wir mit der Situation um? Gibt es eine Dauerlösung, die uns im kommenden Jahr auf die Füße fällt?“, fragte Dietrich und fasste damit das Problem für die Halstenbeker Verwaltung zusammen.

„Sie müssen Ihren Bildungsauftrag erfüllen. Das wollen wir alle. Wir wollten eine vierzügige Schule, aber das wurde vom Land abgelehnt“, erinnerte Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann (parteilos) an die Diskussionen vor dem Bau der Schule im Jahr 2009. „Die Schulentwicklungsplanung des Kreises ist so dermaßen falsch gewesen“, kritisierte sie und ergänzte: „Am liebsten würde ich die Kosten dem Land in Rechnung stellen.“ Helmuth Ahrens (CDU) griff die damaligen Diskussionen auf: „Es wurde damals als Monsterschule bezeichnet. Aus Kiel wurde uns vorgeworfen, wir würden die Stadt in den finanziellen Ruin treiben und Leerstände produzieren.“ Genehmigt wurden nur drei Klassen pro Jahrgangsstufe. Die Planungen sind mittlerweile obsolet. „In der ersten Klasse sind wir vierzügig. Die Jahrgangsstufe acht startet vierzügig und die neunten Klassen voraussichtlich fünfzügig ins neue Schuljahr“, sagte Dietrich.

„Warum sollen wir nicht Schüler nach Hamburg schicken? Der Bürgermeister von Hamburg und unsere Kultusministerin aus Kiel können den Schüleraustausch zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ja mal im Wohnzimmer diskutieren“, sagte Ahrens nicht ganz ernst gemeint zur Beziehung von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Britta Ernst, SPD-Ministerin für Schule und berufliche Bildung in Schleswig-Holstein. Den Zwischenruf „Vielleicht machen sie es ja“, kommentierte Ahrens ebenso humoristisch: „Ich hätte mit meiner Frau ja andere Themen als den Schüleraustausch.“ Danach wurde er wieder ernst: „Es ist nicht so, dass wir es heute angehen und morgen eine Lösung haben. Wir haben das Problem erkannt und arbeiten daran. Die Patentlösung haben wir aber nicht.“

„Vor zehn Jahren wurde vermutet, dass die Schülerzahlen sinken, sie sind aber gestiegen“, fasste Adelia Schuldt, Schulrätin des Kreises Pinneberg, zusammen und räumte ein: „Das ist ein bisschen der Blick in die Glaskugel. Vielleicht muss man unkonventionelle Lösungen andenken.“ Den Vorschlag, das Jugendzentrum JubA23 als Klassenräume zu nutzen, wiesen Politik und Verwaltung deutlich zurück. „Wir freuen uns, dass die Jugendarbeit funktioniert, wie sie funktioniert. Wir brauchen die Jugendarbeit mitten in der Stadt“, sagte Dietrich.

Hoß-Rickmann schlug vor, eine Planungsgruppe mit Vertretern aus Verwaltung, Politik, Lehrer-, Schüler- und Elternschaft zu etablieren. „Ich würde es nicht gern über fünf Jahre gestreckt haben, auch wenn ich dann nicht mehr dabei bin. Wir wollen eine schnelle Lösung“, sagte die Bürgermeisterin.


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erstellt am 04.Jun.2016 | 15:29 Uhr

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