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Das Sonntagsgespräch : „Schule ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schulleiter Jochen Kähler spricht über die Zukunft der Caspar-Voght-Schule in Rellingen.

Rellingen | Jochen Kähler ist Leiter der Caspar-Voght-Schule in Rellingen. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, was sich an der Bildungseinrichtung durch den Start der Oberstufe verändert und welche Bedeutung deren Einführung für die Schule und die Gemeinde Rellingen hat.

Was ändert sich für die Caspar-Voght-Schule durch die Einführung der Oberstufe?
Es werden nicht nur mehr Kinder und Jugendliche unsere Schule besuchen. Das Kollegium wird ebenfalls erweitert. Aufgrund der Einführung der Oberstufe haben wir seit September 2016 außerdem mit dem Bildungsministerium in Kiel eine neue Schulaufsicht und sind dabei, unsere Netzwerke auszubauen. Auch der Unterricht wird angepasst.

Gibt es bauliche Veränderungen?
Wenn eine Schule wächst, müssen neue Räume her. Im kommenden Schuljahr kommen wir noch mit dem vorhandenen Bestand zurecht. Ab dem Schuljahr 2018/2019 sind vermutlich mobile Übergangslösungen erforderlich. Ein Jahrgang wird wohl in Container ausweichen müssen. Wir versuchen, die Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten.

Wie laufen die Vorbereitungen?
Es geht zügig voran. Derzeit wird über die Unterrichtsschwerpunkte für das kommende Schuljahr diskutiert. Außerdem bereiten wir die derzeitigen Zehntklässler auf den Übergang in die Oberstufe vor. Auch die Schüler, die neu zu uns kommen, lernen die Caspar-Voght-Schule kennen. Ein Gewinn ist sicherlich, dass wir kurzfristig eine Kollegin für Rellingen begeistern konnten, die bereits an einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe gearbeitet hat. Sie hilft uns, Fettnäpfchen und Schlaglöcher zu vermeiden.

Was bedeutet die Einführung der Oberstufe für die Schule und die Gemeinde?
Für die Schule ist es eine riesige Chance, sich weiterzuentwickeln. Für die Gemeinde Rellingen geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung, weil sie nun alle Schulabschlüsse in Rellingen anbieten kann. Das spiegelt das Selbstverständnis der Gemeinde wider und ist ein Standortfaktor, mit dem sie werben kann. Die Schule nimmt aufgrund ihrer Größe auch Schüler aus den umliegenden Kommunen auf.

Was ändert sich für Sie persönlich?
Es ist eine tolle Herausforderung für mich und das gesamte Kollegium, ein solches Projekt gemeinsam mit einem Partner wie der Gemeinde Rellingen anzugehen. So eine Chance, sich selbst zu verwirklichen, bekommt man nicht allzu häufig. Mit der Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge momentan entwickeln, habe ich vor fünf Jahren nicht gerechnet.

Was zeichnet die Caspar-Voght-Schule aus?
Wir investieren viel Zeit, um die Kinder und Jugendlichen zu beraten. Dazu gehört, die individuellen Voraussetzungen jedes Schülers genau zu analysieren. Nur dann können wir ihnen helfen, ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen und zeigen ihnen ihre Zukunftsperspektiven auf. Dafür ist es enorm hilfreich, ein Team von Schul-Sozialpädagogen an der Hand zu haben, die über mehr Möglichkeiten verfügen, außerhalb des strukturierten Schulrahmens Familien zu begleiten. Auch unsere Lehrer investieren dafür viel Zeit und Gespräche. Das zeigt den familiären Charakter der Caspar-Voght-Schule.

Hat die Schule mit Problemen zu kämpfen?
Nur die, mit denen die meisten anderen Schulen ebenfalls zu kämpfen haben. Wir müssen uns Herausforderungen stellen, die die gesamte Gesellschaft betreffen. Der Umgang mit Medien, der respektvolle Umgang miteinander, der Umgang mit Rauschmitteln, die Integration von Migranten – das sind alles Themen, die auch die Schulen betreffen. Sie ist schließlich ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Bleibt als Schulleiter überhaupt noch Zeit, selbst zu unterrichten?
Formal ist es so, dass ich zehn Stunden pro Woche unterrichten muss. Das tue ich gerne. Ich würde es noch viel lieber tun, wenn ich die Möglichkeit hätte, mich darauf entsprechend vorzubereiten. Das fällt im Alltagsgeschäft nicht immer leicht.

Wechselnde Landesregierungen führen häufig zu Änderungen in der Bildungspolitik. Wird dadurch die Arbeit der Schulen erschwert?
Definitiv. Schön wäre es, wenn man über mehrere Legislaturperioden hinweg verlässliche Strukturen hätte. Viele Entscheidungen haben eher politische als pädagogische Gründe.

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erstellt am 16.Jul.2017 | 15:00 Uhr

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