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Die Landesmannschaft im Zielvisier : Schützin aus Barmstedt überzeugt beim Tontaubenschießen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Zeit auf dem Hochsitz ist für Simone Freyermuth ein Ausgleich zum stressigen Berufsleben. Einen Bundestitel hat sich die Barmstedterin bereits erschossen.

Barmstedt | Ein Zischen durchschneidet die Stille. Eine orangefarbene Scheibe schießt aus dem Boden und rast in den Himmel. Ein lauter Knall. Dann zersplittert die Tontaube am Himmel. Simone Freyermuth schaut zufrieden: 15 Schüsse – 15 Treffer. Besser geht es nicht. „Ich habe schnell gemerkt, dass mir das Tontaubenschießen liegt und gut gelingt“, sagt die 42-jährige, die seit 2002 einen Jagdschein hat und auch im jagdlichen Schießen aktiv ist. Zum vierten Mal in Folge wurde sie im vergangenen Jahr Landesmeisterin und bereitet sich nun auf den Bundeswettstreit vor. In der Mannschaft verteidigte sie den Titel aus dem Vorjahr. „Ich bin die einzige Frau in der Mannschaftswertung“, sagt Freyermuth. In der sogenannten Rotte gibt es sechs Schützen.

Mit der Jagd kam Freyermuth schon früh in Kontakt. Mit elf Jahren begann sie in ihrer Geburtsstadt Forst in der Lausitz, mit dem Jagdhornblasen. Sie spielt noch stets. Seit einem Jahr leitet sie die Jagdhornbläsergruppe Tornesch. Im vergangenen Jahr wurde sie Vizelandesmeisterin in der Duo-Wertung. „Wir wollen den Titel dieses Jahr bestätigen oder uns steigern“, sagt Freyermuth. Ende Mai finden die Meisterschaften statt.

„Der Jäger oder Förster, die durchs Dorf fahren, waren ein typisches Bild“, erinnert sich Freyermuth an ihre Kindheit und Jugend. Zudem war sie mit einem Förster liiert, der ihr aber verbot, einen Jagdschein zu machen. „Mich hat interessiert, Tiere zu beobachten und in der Natur zu sein“, sagt die 42-Jährige. Und auch die Verwertung sei damals ganz normal gewesen.

Im Jahr 2000 zog sie nach Schleswig-Holstein und machte dort zwei Jahre später den Jagdschein. „Auf dem Hochsitz in der Natur zu sitzen, ist für mich Ausgleich zum stressigen Job. Da kann ich mal runterkommen“, sagt Freyermuth. Seit 2012 ist sie selbstständig. Im Forderungsmanagement hat sie es oft mit säumigen Zahlern zu tun. „Bei der Jagd kann ich abschalten“, sagt sie. Ein weiter Vorzug: „Wir sprechen immer von Bio, Bio, Bio. Es kann kein besseres Biofleisch geben. Bei Wild wird nicht zugefüttert.“ Trophäen interessieren sie nicht. „Ich will nutzen können, was ich erlege“, sagt sie.

Ausbildung auf dem Schießstand

Zwei-, dreimal pro Woche ging sie in den ersten fünf Jahren nach ihrer Ausbildung auf den Schießstand. „Ich habe ein gewisses Level erreicht, auf dem ich mich – in Anführungszeichen – ausruhen kann“, sagt Freyermuth. Derzeit fehle die Zeit für das Training, da sie die Jungjäger unterrichtet. Sei acht Jahren ist Freyermuth Ausbilderin für das praktische Flintenschießen. „Nach einem Tag auf dem Schießstand, bin ich abends mental fertig. Da bringt es nichts, die Waffe rauszuholen“, erläutert sie. Dabei müsste sie für die Bundesmeisterschaften traineren. Außer der Landesmeisterschaft muss sie zwei Qualifikationsschießen nachweisen. „Landesmeisterin werden reicht nicht. Die Punkte werden zusammengerechnet“, sagt Freyermuth. Auch ohne Training bleiben ihre Ansprüche hoch: „Es reicht mir nicht, nur die Qualifikation zu schaffen. Ich will in der Landesmannschaft schießen.“ Dafür muss sie eines der sechs besten Ergebnisse Schleswig-Holsteins liefern. In den vergangenen neun Jahren gelang es ihr.

Vor zwei Jahren gewann sie mit der Damenmannschaft den Bundesmeistertitel. „Das ist etwas Besonderes“, sagt Freyermuth. Wettkämpfe nur für Frauen sieht sie aber kritisch: „Auf der Jagd gibt es auch kein Wild für Männer und für Frauen.“ Und einen Nachteil habe die Geschlechtertrennung auch: „Das führt nicht dazu, dass Frauen bei der Jagd anerkannt werden.“ Körperliche Nachteile hätten Frauen aber: „Die Schnelligkeit beim Flintenschießen. Wir müssen erst an der Oberweite vorbei“, sagt Freyermuth lachend. Zudem sei die Schulterstellung eine andere.

Beim Wettkampf grenze sie sich komplett von ihrer Rotte ab. „Beim Flintenschießen brauche ich einen hohen Puls, muss aufgeregt und im Kopf absolut fit sein. Beim Büchsenschießen muss ich total runterfahren mit der Aufregung“, erläutert Freyermuth den Unterschied zwischen dem Schießen auf Tontauben und auf Zielscheiben. „Vor dem Büchsenschießen gibt es vorher keinen Kaffee zuhause“, sagt sie. „Beim Flintenschießen gibt es Kaffee, Cola und ich renne den Waldweg rauf und runter, um den Kreislauf in Schwung zu bringen.“ „Wie gehe ich mit Stress um?“, sei die wichtigste Frage, die sie sich immer wieder stelle. Denn Aufregung wirke sich auf den Puls aus, der sich auf die Hand übertrage. „Ich muss die Atmung und die Aufregung unter Kontrolle haben“, sagt Freyermuth. Und mit den äußeren Einflüssen klarkommen. „Das Wetter ist eine gewaltige Herausforderung. Es verändert grundsätzliche Dinge.“

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erstellt am 09.Apr.2016 | 15:00 Uhr

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