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Schüleraustausch : Schüler-Graffiti, die ans Herz gehen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

THS-Schüler und ukrainische Gäste präsentieren gemeinsam Werke unter dem Motto „Ist das Kunst oder Sachbeschädigung?“.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Ist es eine Schnecke? Was sie auf dem Rücken trägt, ist aber nicht ihr Haus. Also ist es vielleicht eine Schildkröte? Der Panzer auf ihrem Rücken, kanonenbestückt, zerquetscht sie aber, statt sie zu beschützen. „Warum ich?“ steht in der Sprechblase neben ihren traurig nach unten gezogenen Mundwinkeln. Eines von 19 Graffitis. Ausgestellt in der Aula der Pinneberger Theodor-Heuss-Schule (THS) zum Abschluss des 17. Schüleraustauschs mit der „Spezialisierten Schule Nummer 14“ in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Der Panzer ist ein mehrfach wiederkehrendes Motiv. Ein anderes Bild zeigt eine blühende Rose. Eine Hand streckt ihr eine Schere entgegen und schneidet die Blüte ab. Und daneben der Gegenentwurf, zwei turtelnde Vögel, die ein knallrotes Herz verbindet, „Freiheit“ überschrieben.

Stilistisch eifern sie alle dem legendären britischen Street-Art-Künstler Banksy nach, inhaltlich spiegele sich in den Arbeiten viel von der Lebensrealität in der krisengeschüttelten Ukraine wieder, fanden Claudia Ramünke und Stephan Jensen, die beiden Organisatoren des Austauschprogramms im THS-Kollegium. „Ist das Kunst oder Sachbeschädigung?“ hatten sie das Projekt überschrieben. Kunstlehrerin Daniela Witzel stand den jungen Graffiti-Schöpfern, 21 aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew und 20 aus Pinneberg, mit praktischen Ratschlägen zur Seite. Herausgekommen sind Botschaften, die unter die Haut gehen. Eltern, Lehrer und Freunde spendeten enthusiastischen Applaus.

Eine wurde wie jedes Jahr von Tränen der Rührung überwältigt, Nataliia Lipina, ukrainische Mitbegründerin des Austauschprojekts. „Jetzt lachen meine Schülerchen wieder über mich“, amüsierte sie sich, während sie sich die Augen trocknete. Und dann geriet sie ins Schwärmen: „Unser Austausch ist einzigartig, eine Begegnung der Seelen.“ Gerührt war auch Schulleiter Matthias Beimel. Er freute sich zudem, dass sich diesmal mehr Pinneberger als sonst bereitgefunden hatten, Kinder für zwei Wochen bei sich aufzunehmen. Und er beschwor die Eltern, ihre guten Erfahrungen unter die Leute zu tragen, damit auch 2018 wieder genügend Quartiere für Gastschüler vorhanden sein werden.

Dies ist tatsächlich viel mehr als nur eine Begegnung von Jugendlichen aus zwei verschiedenen Ländern, betonten Ramünke und Jensen. Damit meinen sie vor allem die Konfrontation mit der unmittelbaren Erfahrung kriegerischer Gewalt, von der Pinneberger seit Generationen verschont sind, die für die Ukrainer aber zum Alltag gehört. Das stärke die Wertschätzung der hiesigen Jugend für Frieden in Freiheit und Gerechtigkeit. Neben dem Pathos gab es amüsante Rituale. Etwa die Dankesreden der ukrainischen Schüler. „Viel Danke für leckeres Essen!“ Die Formel vergaß keiner. Und dann zum Abschluss ein leckeres Büfett, mit dem die Eltern ihren Ehrenplatz in der Erinnerung der Gäste noch einmal festigten.

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