Johannes-Brahms-Schule Pinneberg : Schüler gestalten interaktive Ausstellung zum Thema Flüchtlinge

Im Profil Erdkunde setzten sich angehende Abiturienten der Pinneberger Johannes-Brahms-Schule mit dem Thema Flüchtlinge auseinander.
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Im Profil Erdkunde setzten sich angehende Abiturienten der Pinneberger Johannes-Brahms-Schule mit dem Thema Flüchtlinge auseinander.

Behandelt wird die Flucht – mit all ihren Facetten. Sechs Themenbereichen werden gezeigt.

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14. Januar 2015, 12:00 Uhr

Pinneberg | Von Zeit zu Zeit drängen sich Themen auf. Das gilt auch für Johannes-Brahms-Schüler (JBS), die aufs Abitur zusteuern, das Profil Erdkunde gewählt und laut Lehrplan ein Seminar zu absolvieren haben. Inhaltlich kamen die 23 Pinneberger Jugendlichen da an dem Thema Flüchtlinge nicht vorbei. Heraus kam eine interaktive Ausstellung mit sechs Themenbereichen, die am Donnerstag und Freitag für Mitschüler zu sehen sein wird.

Ausschließlich für andere JBSler, nicht für die Öffentlichkeit? Warum, das erklärte Lehrerin Petra Hild bei der Präsentation des Konzepts gestern Vormittag: „Die Schüler sind zwei Tage lang vom Unterricht freigestellt, um ihre Mitschüler durch die Ausstellung zu führen. Deshalb ist es leider nicht möglich, die Ausstellung auch noch für externe Besucher zu öffnen.“ Für diejenigen, die die Schau sehen dürfen, hofft Hild indes „auf einen großen Gewinn“. Löst die Ausstellung ein, was die Präsentation des Konzepts versprochen hat, wird Hilds Wunsch in Erfüllung gehen. Seit den Herbstferien beschäftigen sich ihre Schüler aus dem Doppeljahrgang intensiv und kreativ mit dem Thema Flüchtlinge in all seinen Facetten. Eine Schulstunde wöchentlich wenden sie dafür auf, den größten Teil der Arbeit leisten sie eigeninitiativ in Nachmittags- und Abendstunden.

Die Grundidee: das Thema für Menschen fassbar zu machen, die ein solches Schicksal nicht selbst ereilt. In der Aula der JBS am Fahltskamp werden die Schüler deshalb alle Phasen einer Flucht veranschaulichen – mit nahezu allen erdenklichen Mitteln. Ein Film, zusammengestellt aus Fotos von Krieg, Zerstörung und Naturkatastrophen, zeigt Gründe, die Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen. Wie eine Flucht abläuft, demonstrieren die Schüler anhand einer selbst produzierten Nachrichtensendung. Ein Ruderboot versinnbildlicht dabei die verzweifelten Versuche Tausender, den Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft zu finden. Migrationspolitische Fragen sollen durch ein Plakatbuch beantwortet werden: Wie sieht ein Asylantrag aus? Wie läuft die Verteilung der Flüchtlinge im Ankunftsland ab? Welche Programme, wie Sprachkurse, gibt es?

Auch Deutschland rücken die Schüler in den Fokus. Warum die Bundesrepublik ein beliebtes Fluchtziel sein könnte und was Flüchtlinge an Deutschland abschreckt? Diese beiden Fragen stellten die Schüler 50 Pinnebergern. Die Ausstellung präsentiert das Ergebnis. „Bei der Frage nach der Attraktivität wurden die sozialen Leistungen am häufigsten genannt, bei der Frage nach der Abschreckung die Schwierigkeit der Integration und das Erlernen der Sprache“, gibt Leon, der die Umfrage betreut hat, erste Einblicke. Wie Flüchtline in Deutschland untergebracht werden, soll zudem ein extra eingerichteter Raum zeigen.

Zukunftsperspektiven runden die Ausstellung ab

Stellvertretend für die Schicksale tausender Flüchtlinge haben die Schüler einen mittlerweile im Kreis Pinneberg lebenden Iraner interviewt, der sich zuvor fünf Jahre lang illegal in Griechenland aufhielt. „Von seinem persönlichen Schicksal zu erfahren, das war für mich am beeindruckendsten“, sagt Benedikt. Die Ausstellung wird abgerundet durch den Aspekt Zukunftsperspektiven. Dazu haben die Schüler unter anderem fiktive Hörspiele und E-Mail-Unterhaltungen erstellt, in denen ein türkisches Mädchen und ein syrischer Jugendlicher von ihrem Leben in Deutschland berichten. Zu der Gruppe, die diesen Teilbereich erarbeitet hat, gehört Anna-Lena. „Vor allem, was die Schulsituation betrifft, hat mir das Thema die Augen geöffnet. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so viele Kinder keinen Schulplatz bekommen und dass die Sprachkurse so oft  überfüllt sind“, beschreibt sie ihren persönlichen Erkenntnisgewinn.

Für Lehrerin Hild steht allerdings außer Frage, dass alle ihre Schüler durch das Projekt an Wissen gewonnen haben. „Ich bin sehr stolz darauf, wie sie sich mit dem Thema identifiziert haben“, lobte Hild und äußerte ihren zweiten Wunsch an diesem Vormittag: „Ich hoffe, dass ihr dieses Engagement nach der Schulzeit beibehaltet.“

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