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Pinneberger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 01:38 Uhr

Schüler erarbeiten sich Europawahl

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Umfrage unter Heranwachsenden: 100 Prozent Zustimmung zur EU, jedoch nur eine knappe Mehrheit glaubt an die Bedeutung des Parlaments

von
erstellt am 21.Mai.2014 | 16:00 Uhr

Die Debatte um Euromarkt-Anleihen – verkürzt auch Eurobonds genannt –, das mit den USA geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP und die Diskussion um eine mögliche Verstaatlichung von Banken: Die Themen der Europawahl am kommenden Sonntag sind zum Teil äußerst komplex. Dennoch sind die EU-Bürger aufgerufen, sich über diese und andere Streitfragen eine Meinung zu bilden und in fünf Tagen einer Partei ihre Stimme zu geben – so auch fast alle Schüler des 12. Jahrgangs am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Quickborn. Um für den Urnengang fit zu sein, behandeln sie derzeit gemeinsam mit ihrem Lehrer Axel Glet (Foto) im Wirtschaft- und Politik-Unterricht (Wipo) die bevorstehende Abstimmung.

„Mir ist aufgefallen, dass die Parteiprogramme auf großes Interesse stoßen“, sagte der Pädagoge, der seit 37 Jahren in den Fächern Wipo und Geschichte lehrt. Die Schüler hätten sich bereits im vergangenen Schuljahr mit den größeren Parteien – CDU, SPD, Grüne, FDP, Die Linken und der Piratenpartei – sowie deren Wahlaussagen auf nationaler Ebene beschäftigt, nun auch auf europäischer. Dabei hätten sie, so Glet, sehr gut herausgearbeitet, dass es bei einigen Zusammenschlüssen zum Teil deutliche Unterschiede gebe und dass nicht alle Wahlversprechen umsetzbar seien: „Die wissen, dass der Staat nicht viel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit tun kann, sondern dass es die Unternehmen sind, die Personal einstellen. Man sieht es ja auch gut am Beispiel Frankreich, dass die staatlich getroffenen Maßnahmen nicht wie gewünscht funktionieren“, sagte Glet.

Zudem würden die Schüler Europa aus einer anderen Perspektive betrachten, als es die Erwachsenen täten: Eine Umfrage unter den Heranwachsenden habe ergeben, dass alle hinter dem Projekt Europa stünden. Jedoch würden sie dies nicht mehr als Friedensprojekt betrachten. „Kein 18-Jähriger schaut sich um und guckt nach rauchenden Schornsteinen“, sagte der Lehrer. Vielmehr seien Errungenschaften wie offene Grenzen, die Freizügigkeit, die Niederlassungsfreiheit und der freie Kapitalverkehr eine „Selbstverständlichkeit“, berichtete er. „Die Schüler wissen, dass das ein Wert ist, dass sie einfach nach Spanien oder Frankreich reisen und überall mit dem Euro bezahlen können. Das ist für sie aber mehr eine Beiläufigkeit, für mich ist das ein enormer Fortschritt“, sagte Glet, der in drei Jahren in Pension gehen wird. Aus diesem Grund habe er auch das Kapitel „Die EU als Friedensprojekt“ aus seinem Lehrplan gestrichen und konzentriere sich nun lieber – außer auf die obligatorischen Institutionenlehre – auf die Lebenswirklichkeit der jungen Generation. Die Generation, die zwar hinter Europa stehe, jedoch nur mit einer „knappen“ Mehrheit glaube, dass ihre Stimme am Sonntag Bedeutung habe. So sei zumindest das Ergebnis unter den Kursusteilnehmern gewesen. „Das liegt daran, dass das Europäische Parlament die Gesetze mit dem Rat der Europäischen Union macht“, erläuterte Glet. „Viele stört es, dass nicht alle Entscheidungen im Parlament fallen.“ Dabei wäre dies aus Sicht der Schüler, so der Pädagoge, bei vielen Themen wichtig: „Es wird erkannt, dass beispielsweise alle Maßnahmen zum Umweltschutz Europaangelegenheiten sind, da der Wind durch ganz Europa weht und die Flüsse nicht an Staatsgrenzen enden.“

Deshalb begrüßten die Heranwachsenden auch das durch den Vertrag von Lissabon geschaffene Instrument des Bürgerbegehrens. Damit hätten die Europäer, so Glet und die Schüler einmündig, die Gelegenheit, deutlich ihre Stimme zu erheben und dieser politisches Gewicht zu verleihen.

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