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Babypuppen : Schüler aus Pinneberg werden Eltern auf Probe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schreiende Babypuppen am Schulzentrum Nord in Pinneberg sollen Teenager-Schwangerschaften verhindern helfen. Das Präventionsprojekt stammt aus den USA.

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erstellt am 03.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Pinneberg | Spätnachts aufstehen, Windeln wechseln, Füttern und Trösten – Eltern oder Alleinerziehende tragen viel Verantwortung für ihre Säuglinge. Sie sind gefordert. Rund um die Uhr. Dauerstress ist für Väter und Mütter angesagt. Das kann an die Substanz gehen.

Auch Sonja Stein (16) hält ein Baby im Arm und wiegt es. Doch es ist nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Plastik. Ansonsten verhält es sich genauso wie ein echtes Baby und simuliert dieselben Bedürfnisse.

Was es bedeutet, Verantwortung für ein Neugeborenes zu übernehmen, das lernen Schülerinnen, aber auch Schüler der neunten und zehnten Schulklassen am Schulzentrum Nord in Pinneberg. „Elternschaft auf Probe“ ist Teil des Projekts „Hilfe, wir werden Eltern“ , bei dem Babysimulatoren eine wichtige Rolle spielen.

Puppen sind Chip-gesteuert

„Fünf Tage lang haben je zwei Schüler eine Babypuppe betreut, die wie ein Baby programmiert ist“, erklärt Biologielehrerin Claudia Ecke. Am letzten Tag waren von den neun Mädchen und fünf Jungen die meisten an einem Virus erkrankt. Vielleicht waren es ja auch die Anforderungen der vergangenen Tage.

Gesteuert von einem Chip, fordern die Puppen durch kräftiges Schreien dann eine Rundumversorgung: Tags wie nachts müssen sie gefüttert, gewickelt und gekleidet werden. Dabei wurde den „jungen Eltern“ einiges abverlangt. Ob der Babysimulator schreit, weil er Hunger oder eine Kolik hat, das müssen die Schüler selbst herausfinden.

„Am ersten Tag war es recht ruhig. Dann hat es den ganzen Tag geschrien. Ich konnte nicht schlafen“, sagt Irem Nida Yeyit (16). Es sei eine gute Erfahrung gewesen. „Man merkt, wie der Alltag mit einem Baby ist. Man musste es überall mit hinnehmen. Ich konnte nichts planen“, berichtet sie ihre Erfahrung. Aber es sei so gewesen wie erwartet.

„Ich habe es mir nicht so schlimm vorgestellt“

Auch ihre Mitschülerin Sevval Sariz (16) zieht ein ähnliches Fazit: „Ich habe es mir nicht so schlimm und anstrengend vorgestellt.“ Stein habe es sich schlimmer vorgestellt. Alle sind sich allerdings einig, dass sie jetzt noch nicht schwanger werden wollen.

Pädagogisches Ziel erreicht: Die Idee der Babysimulatoren kommt aus Amerika, wo Teenieschwangerschaften nicht selten sind. Aber auch in Deutschland werden Jahr für Jahr rund 7000 Mädchen unter 18 Jahren Mutter.

Organisiert wird das Projekt vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) Elmshorn und dem Frauentreff Elmshorn. Zuschüsse gibt es nicht. Der Kreis hat dafür die Fördergelder gestrichen. Jetzt bringen Sponsoren und die Schüler selbst die 660 Euro auf für eine Aktion, an deren pädagogischen Nutzen die Organisatoren glauben. „Ziel des Projekts ist es, die Herausforderungen, die eine Elternschaft mit sich bringt, erleben zu lassen“, sagt Saskia Sartorti vom SKF. „Es ist ein guter Anstoß, um zu erfahren, welche Bedingungen für ein Baby erfüllt sein müssen“, sagt Ecke.

Die Freude auf die Elternschaft bleibe

Es kommen auch noch andere Aspekte zur Sprache, so Ulrike Centner vom Frauentreff Elmshorn. „Zum Beispiel die finanziellen.“ Ein Kind großzuziehen – das ist teuer. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr investieren Eltern in der Regel in ihre Sprösslinge 120.000 bis 180.000 Euro. Auch Themen wie Empfängnisverhütung und Vernachlässigung von Babys und die drastischen Folgen kommen zur Sprache.

Dass junge Väter und Mütter auf Probe nun allerdings die Freuden an der Elternschaft auf alle Zeit verlieren könnten, wie mancher Kritiker behauptet, glauben die Initiatoren nicht: „Der Effekt ist, dass die Teilnehmer zwar Kinder wollen, aber zu einem späteren Zeitpunkt“, sagt Centner „Es ist sinnvoll. Die Schüler werden lange an das Projekt zurückdenken“, so Ecke.

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