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Die besten Vorleser in der Region : Schüler aus dem Kreis Pinneberg messen sich beim Vorlesen

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In zwei Sälen entschied eine neunköpfige, überwiegend aus Lehrern bestehende, ehrenamtliche Jury darüber, welche zwei Schüler den Kreis Pinneberg im Landeswettbewerb vertreten dürfen.

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erstellt am 10.Feb.2017 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Schüler aus 25 Schulen des Kreises Pinneberg haben sich am Mittwochnachmittag zum Vorlesewettbewerb auf Kreisebene versammelt und ihre Kunst des Vorlesens unter Beweis gestellt. Wer dabei war, hatte bereits eine achtenswerte Leseleistung erbracht: als Sieger bei den Klassen- und Schulentscheiden zuvor. Erst dann wurden die Teilnehmer von ihren jeweiligen Schulen in den Ratssitzungssaal des Pinneberger Rathauses zum Kreiswettbewerb geschickt.

Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels wird seit 1959 jährlich ausgetragen. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben. Etwa 600.000 Schüler von etwa 8000 Schulen bundesweit beteiligen sich. Aus dem Kreis Pinneberg waren in diesem Jahr 25 Schulen mit dabei. Mitmachen können alle sechsten Schulklassen.

In zwei Sälen entschied eine neunköpfige, überwiegend aus Lehrern bestehende, ehrenamtliche Jury darüber, welche zwei Schüler den Kreis Pinneberg im Landeswettbewerb vertreten dürfen. Sabine Körner, die seit vielen Jahren den Wettbewerb veranstaltet, ist mit Überzeugung dabei. „Die Sache liegt mir am Herzen. Es ist etwas anderes, als nur im stillen Kämmerlein zu lesen. Es hat mit Leidenschaft zu tun“, sagte sie über ihre Motivation.

Diese Leidenschaft wird auch bei den Teilnehmern deutlich, die sich in dem Wettbewerb mit Themen auseinandersetzen können, die sie im Schulalltag beschäftigen. Die Schüler lasen aus Jugendbüchern, in denen oft die Themen „Außenseiter im Klassenverband“ und „Gewalt und Hänseleien unter Jugendlichen“ aufgegriffen wurden.

Besonders heraus stach der Lesebeitrag der elfjärigen Julika Marie Spode, in dem sie die wahrscheinlich grausamste Stelle aus dem Buch „Vielleicht dürfen wir bleiben“ von Ingeborg Kringeland Hald las. Das Buch handelt von einer bosnischen Familie, die nach ihrer Flucht aus der Heimat und einigen Jahren des Asyls in „einem sicheren Land“ die Abschiebung droht. Julika las eine Rückblende zu den Umständen der Flucht, in der beschrieben wird, wie der Vater vor den Augen des kindlichen Protagonisten erschossen wird. In Julikas Klasse des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums in Halstenbek wurde das Buch als Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht gelesen, denn auch in ihre Klasse geht nun ein Flüchtlingsmädchen. „Man weiß, dass es so etwas gibt, aber dass es jemandem passiert ist, der so in der Nähe ist, ist krass“, sagte sie und begründet die Wahl ihres Textabschnittes: „Er hat mich berührt und er ist mir wichtig.“

Dieses Über-den-Tellerrand-hinaus-blicken, das Julika mit der Auswahl ihres Lesetextes ausdrückte, lobte auch Kreispräsident Burkhard Tiemann in seiner Rede an die jungen Leseratten. „Wer viel liest, lernt ganz viele verschiedene Welten, Menschen und Zeiten kennen. Und lesen macht stark“, sagte er. Zwar ginge es dabei nicht um Muskelkraft, aber „es macht stark im Kopf. Wer liest, hat es leichter, sich eine Meinung zu bilden. Wir brauchen starke Köpfe in Deutschland.“ Mit der Entscheidung über die Sieger machte es sich die Jury nicht leicht. In beiden Sälen mussten drei Teilnehmer noch ein zweites Mal antreten, dieses Mal aber mit einem unbekannten Text. Jeder Teilnehmer bekam einen Preis: eine Urkunde und das Buch „Knietzsche und das Hosentaschenorakel“ von Anja von Kampen. Die beiden Gewinner waren schließlich Mia Heimann (12) vom Johann-Rist-Gymnasiums in Wedel und Jarik Foth (12) vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Quickborn. „Ich liebe das Lesen, weil man sich in anderen Welten verlieren kann“, begründet Mia ihr Engagement. Und Jarik meint: „Ich mag es, dass andere einem so gut zuhören.“

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