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Pinneberger Tageblatt

19. September 2017 | 17:30 Uhr

Schreibtisch und Stadion

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Portrait Christopher Glatzer verlässt Quickborner Verwaltungsgemeinschaft und geht nach Halstenbek

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Leicht fällt ihm dieser Abschied nicht. Mit der Beendigung seiner Tätigkeit für die Quickborner Verwaltungsgemeinschaft verlässt Christopher Glatzer auch seinen Kollegen Michael Görres, den er seit seinem ersten Tag als Auszubildender im Amt Pinneberg-Land kennt. Das war 1996. Einige Jahre später, am 23. Mai 2008 war Görres der Standesbeamte bei Glatzers Hochzeit in der Tangstedter Wulfsmühle. „Es war die letzte Trauung, die er durchgeführt hat“, berichtete der Verwaltungsfachwirt.

Vier Jahre nach Beginn seiner Berufstätigkeit wechselte Glatzer zum Amt Bönningstedt ins Bauamt. Mit ihm wechselte auch Görres den Job. „In dieser Zeit habe ich viel übers Bauwesen gelernt – und wie kommunalpolitische Wünsche realisiert werden können“, sagte Glatzer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Zwei Monate nach Antritt der neuen Stelle begann der Fußballfan eine Nebentätigkeit, die er bis heute ausübt: Bei den Heimspielen des HSV ist der 36-Jährige als Mitarbeiter im Sicherheitsdienst anzutreffen. „Das ist der perfekte und zugleich spannende Ausgleich zu der Arbeit mit viel Papier – ein Eintauchen ins wirkliche Leben“, sagte Glatzer. Zahlreiche Streßsituationen hat er inzwischen hinter sich. „Bis jetzt bin ich zum Glück immer heil herausgekommen“, berichtete er.

Das Deeskalationstraining und das Verhandlungsgeschick, das er während der Ausbildung für den Stadion-Job lernte, sollten Glatzer schon bald auch beruflich zugute kommen: Bei der Fusion der Ämter Pinneberg-Land und Bönningstedt zum Amt Pinnau 2007 wechselten Ort und Aufgabenbereich. „In Rellingen war ich ein Jahr lang in der Vollstreckung“, erklärte er. Dort habe er viel über den Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen gelernt. „Man muss Dinge immer von verschiedenen Seiten betrachten und bewerten“, hat er aus dieser Zeit mitgenommen.

Ab 2008 setzte Glatzer diese Fähigkeiten zunächst als Sachbearbeiter, zuletzt als Teamleiter für zwei Leistungszentren der Agentur für Arbeit (Arge) ein. Doch 2011 zog es ihn zurück ins Amt Pinnau, dort übernahm er den Sitzungsdienst für Borstel-Hohenraden, Bönningstedt und Hasloh.

Bis zur Ausamtung der Gemeinden Bönningstedt und Hasloh Ende 2012 blieb Glatzer in Rellingen – und zog dann, erneut gemeinsam mit Michael Görres, ins Quickborner Rathaus um. „In den vergangenen Jahren ist mir die Wichtigkeit des Netzwerk-Prinzips klar geworden“, beschrieb er. Nicht nur zu wissen, wen man fragen könne, sondern auch das eigene Wissen anzubieten, erleichtere die Arbeit ungemein, ist Glatzer überzeugt.

Nach der anstrengendsten Sitzung gefragt, muss der Verwaltungsfachwirt nicht lang überlegen. „Die schlimmste und zugleich spannendste war die konstituierende Sitzung nach der Kommunalwahl 2013 in Bönningstedt“, sagte er. An jenem denkwürdigen 20. Juni musste nach drei Wahlgängen, die alle eine Patt-Situation hervorbrachten, das Los über das Amt des Bürgermeisters entscheiden. Es fiel auf Peter Liske (BWG) und Rolf Lammert (CDU) hatte das Nachsehen.

Als „sehr anstrengend“ sind ihm diverse Ad-hoc-Sitzungen in Erinnerung. Des öfteren hätten Ausschussvorsitzende oder Bürgermeister Termine anberaumt, für die unverzüglich die Unterlagen vorbereitet werden mussten, um innerhalb der Ladungsfrist alle Papiere rechtzeitig zustellen zu können. „Das war nur in einem gut funktionierenden Team umsetzbar“, betonte Glatzer.

Unvergessen bleiben ihm auch die Debatten um Sitzungsorte. „Vor der Fusion der beiden Ämter Pinneberg-Land und Bönningstedt sollte die entscheidende Sitzung in Rellingen stattfinden“, erklärte Glatzer. Doch zu diesem Zeitpunkt habe das Amt dort noch gar nicht seinen Sitz haben können, es sei ja erst in der Gründungsphase gewesen. „Also habe ich bei der Behörde angerufen und nachgefragt, ob das denn rechtens ist“, erläuterte der 36-Jährige. Die Antwort lässt ihn heute noch breit grinsen: „Das möchten Sie nicht thematisiert haben“, lautete die Replik – worauf beide schallend lachten.

Anders lief es in Bönningstedt, als zur Debatte stand, ob weiterhin in den ehemaligen Bürgerstuben Sitzungen abgehalten werden sollen. „Dort wurde die Frage laut ausgesprochen – was dazu führte, dass es nur noch in begründeten Ausnahmefällen möglich ist“, sagte Glatzer.

In Erinnerung bleiben auch die Zeiten, als er als Vertreter des Ordnungsamtes gemeinsam mit der Polizei die Osterfeuer auf den Dörfern kontrollieren sollte. „Als wir schon unterwegs waren, kam über Funk die Meldung ,Hauseinbruch in Hasloh‘“, erinnerte sich Glatzer. Da unklar gewesen sei, ob der Täter möglicherweise noch im Haus ist, hätten ihn die Polizeibeamten kurzerhand zum Hilfs-Sheriff ernannt. „Du stellt dich vorn an die Tür, wir gehen nach hinten – und wenn einer rauskommt, schreist du so laut du kannst“, lautete damals die Anweisung.

Eins allerdings ist Glatzer seit seiner Zeit als Azubi nie wieder passiert: Während einer Sitzung des Amtsausschusses klingelte ein Handy. „Der Amtsvorsteher Hans-Albert Höft griff in seine Tasche und wunderte sich, dass niemand dran war“, sagte er und schmunzelte. Erst als Glatzer schnell „Ich ruf zurück“ in sein Telefon murmelte, habe Höft verstanden, wem der Anruf gegolten habe. Seit diesem Tag ist Glatzers Mobiltelefon grundsätzlich auf „Stumm“ geschaltet.

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