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Pinneberger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 04:17 Uhr

Schnelle Hilfe für Traumatisierte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jugendhilfe-Verein Wendepunkt und Regio-Kliniken arbeiten eng zusammen / Projekt ist landesweit einzigartig

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 16:17 Uhr

Zeuge von Gewalt oder einem Unfall zu werden, traumatisiert einen Menschen. Im schlimmsten Fall entwickelt er daraus seelische Störungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese verhindert werden können, ist umso höher, je schneller ein Betroffener Hilfe erhält. Für Menschen aus dem Kreis Pinneberg ist seit diesem Jahr die neue Trauma-Ambulanz Westholstein zuständig. Sie geht mit ihrer Zusammenarbeit zwischen dem Jugendhilfe-Verein Wendepunkt und den Regio-Kliniken einen neuen Weg.


Unterstützung ohne Bürokratie


„Mit der Trauma-Ambulanz ist ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen worden“, sagte Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) gestern während eines Pressegesprächs beim Wendepunkts in Elmshorn. Betroffene könnten sich rund um die Uhr an die Einrichtung wenden und erhielten dann, ohne vorher Anträge stellen zu müssen, eine Erstberatung. Das Landesamt für Soziale Dienste übernehme die Kosten für die ersten fünf Sitzungen. „Unter der Voraussetzungen, dass während dieser Phase ein Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz gestellt wird“, sagte Alheit. Wendepunkt-Geschäftsführerin Ingrid Kohlschmitt ergänzte, dass es gelungen sei, Unterstützer aus der Region zu finden, die einspringen würden, wenn der Antrag abgelehnt werde. Kohlschmitt hoffe jedoch, dass es demnächst einen „Topf für Trauma-Ambulanzen“ gebe, insbesondere da einige Bereiche noch nicht gegenfinanziert seien.

Dirk Jacobsen, psychologischer Mitarbeiter des Wendepunkts, erläuterte, wie die Trauma-Ambulanz arbeitet. „Zunächst klären wir mit den Betroffenen, weshalb sie Hilfe aufsuchen und arbeiten dann daran, sie psychisch zu stabilisieren, um mögliche Folgeerscheinungen zu vermeiden.“ Bei Gewaltopfern werde zudem eine rechtsmedizinische Untersuchung veranlasst, um im Fall eines Gerichtsprozesses verwertbare Dokumente zu haben. Anschließend werde der weitere Hilfebedarf abgeschätzt. „Dabei tauschen sich alle Beteiligten miteinander aus, damit den Geschädigten möglichst gut geholfen werden kann“, so Jacobsen.

„Nach einem traumatischen Erlebnis muss schnell gehandelt werden“, sagte Anna Vetter, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Regio-Kliniken. Zu ihr kämen Kinder und Jugendliche erst, wenn sie bereits eine Störung entwickelt hätten. Die Trauma-Ambulanz solle jedoch auch vorbeugend tätig sein, etwas, das die psychiatrische Klinik nicht leisten könne. Andererseits sei ein Psychiater nötig, wenn Medikamente eingesetzt werden sollten, um das Leben im Alltag zu ermöglichen. Dieses könnten widerum die Beratungsstellen nicht leisten. In der Trauma-Ambulanz ergänzen sie sich.

Das Angebot richtet sich an jeden. Bisher liegt der Schwerpunkt jedoch auf der Hilfe für Kinder und Jugendliche. Das soll sich demnächst ändern.

 

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