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Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 06:05 Uhr

Pinneberg : Schminken mit Matsch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

1996 wurde der Waldkindergarten in Pinneberg gegründet - nun gibt es zum 20. Geburtstag ein großes Fest.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 08:00 Uhr

Pinneberg | Timmi ist umgezogen und scheint von seinem neuen Heim wenig begeistert. „Guckt mal, Timmi haut ab“, bemerkt ein Mädchen und eine Gruppe von fünf Kindern schaut gespannt zu, wie Timmi aus seiner neuen Baumstamm-WG mit Schleimi flüchtet. Timmi ist eine Kellerassel und Schleimi eine Nacktschnecke. Beide haben ihre Namen von den Kindern des Pinnerberger Waldkindergartens bekommen. Ekelig finden diese die Tierchen nicht. Eher interessant. Eine Nacktschnecke darf deshalb auf der Hand von Kindergartenkind Viktor sitzen: „Die hat ein Muster, das sieht fast so aus wie ein Tiger.“

Lernen in der Natur, unter diesem Leitsatz arbeitet der Kindergartenverein „Waldkinder“ seit 20 Jahren. Zum Jubiläum ist ein großes Fest geplant, das am Sonnabend, 9. Juli, auf dem Lagerplatz, Rehmen 89, stattfinden wird. Waldgeschichten aus zwei Jahrzehnten, ein Barfußpfad und Basteln mit Naturmaterialien sind für das Fest angekündigt. Die Feier beginnt um 14 Uhr. 100 Einladungen an ehemalige Betreuungskinder wurden dazu verteilt. „Doch wir haben nicht alle Adressen digital und hoffen deshalb auf Mundpropaganda“, sagt Gerlinde Jahnke, die hier als Erzieherin arbeitet.

Ins Leben gerufen wurde der Waldkindergarten von Eltern. Sie gründeten den Trägerverein weil sie sich eine naturverbundenere Betreuung wünschten.

Auch heute steht die Natur immer noch im Mittelpunkt. Im Waldkindergarten gibt es kein Plastik, keine vorgefertigten Spiele. „Das brauchen wir auch gar nicht, denn für die Kinder ist alles Spielzeug“, erklärt Jahnke. Ein mit Stoff umhüllter Stock kann so auch mal zu Waldbarbie werden oder am nächsten Tag zum Rennauto.

Die Kinder basteln sich ihr Spielzeug selbst und dürfen dazu auch Werkzeuge wie Hammer und Schnitzmesser benutzen. Das gibt dreckige Finger und Klamotten, die nicht ganz sauber bleiben. Für Jahnke kein Problem. „Ich finde es gut, wenn unsere Mädchen sich mal nicht wie Mädchen benehmen, und glücklich im rosa Shirt im Matsch spielen. Manchmal schminken sie auch mit Matsch.“

Bis zu 18 Kinder besuchen die Gruppe und verbringen die Kindergartenzeit von acht bis 14 Uhr draußen. Nur bei Sturm oder Gewitter geht die Gruppe in einen Notraum. Auch im Winter wird im Freien gespielt. „Dann bewegen wir uns viel und machen Feuer, wenn es nicht zu nass ist.“

Gespielt wird auf unterschiedlichen Plätzen, die meist im Pinneberger Fahlt liegen. Wo es genau hingeht, bestimmen die Kinder in einer Abstimmung selbst. Dazu trifft sich die Gruppe am Anfang des Kindergartentages unter einer aufgepannten Plane.

Hier liegen Holzstämme zum Sitzen, dahinter ragen große Brennessel. „Die wollen wir gar nicht wegmachen. Sondern wir haben den Kindern gezeigt, wie man mit Wegerich, das hier überall wächst, das Jucken stoppen kann“, sagt Jahnke.

Das Spielgelände wird bei den Waldkindern nicht eingezäunt. Grenzen gibt es aber doch. „Unsichtbare Grenzen nennen wir sie“, erläutet Jahnke. Alle Kinder wissen, wie weit sie sich vom Platz entfernen dürfen. „Das hat viel mit Vertrauen zu tun“, findet Ralf Ahrens, der hier auch als Erzieher arbeitet.

Das System funktioniert und ist laut Jahnke gar nicht die größte Sorge, die Eltern vor der Anmeldung hätten. „Die erste Frage ist immer: Wo gehen die Kinder pinkeln? Da sag ich, hinterm Baum. Ist doch keine große Sache!“

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