zur Navigation springen

Borstel-Hohenraden : „Schmiede“-Kultwirt sagt Tschüs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Am 30. September ist endgültig Schluss: Dann schließt Wirt Ralf Schwarzkopf zum letzten Mal die Kult-Gaststätte „Zur Schmiede“ in Borstel-Hohenraden ab. Der 62-Jährige hat das Haus bereits im Oktober 2013 verkauft.

Borstel-Hohenraden | Wenn Ralf Schwarzkopf am 30. September die „Schmiede“, wahrscheinlich zu fortgeschrittener Abendstunde, abschließt, dann wird er das zum letzten Mal tun. Zusammen mit Frau Vera wird er sich ins Auto setzen und an die Nordsee fahren, ins neue Haus, das längst bezugsfertig ist. 32 3/4 Jahre Gastronomie liegen dann hinter Ralf – mehr als drei Jahrzehnte als Teilhaber, Inhaber , Koch und Mann für alles in der Gaststätte „Zur Schmiede“ in Borstel-Hohenraden.

Das Haus ist seit Oktober 2013 an Privatleute verkauft, zuletzt pachteten die Schwarzkopfs den Bau. „Warum soll ich wehmütig sein?“, fragt Ralf, mittlerweile 62 Jahre alt, die ihm aber nicht anzumerken sind. „Ich bin vom Typ her nicht so. Ich habe hier ganz tolle Jahre gehabt.“ Eine Zeit, die fest in der Erinnerung verankert bleiben wird in der neuen Heimat an der See, in der Nähe der Familie.

Erinnerungen daran, wie er als gelernter Industriekaufmann und Rechnungsführer beim Bundesgrenzschutz im Oktober 1981 in seiner Heimat Borstel-Hohenraden am Tresen saß. Wie die damalige Besitzerin Heidi Gohlke ihm mitteilte, dass ihre Partnerin aussteigen wolle. Wie Ralf flachsend antwortete: „Dann mache ich das eben.“ Und daran, wie er am nächsten Morgen aufwachte und sich fragte, warum er es nicht wirklich mache.

„Aus einer Bierlaune sind 32 Jahre geworden“, vergegenwärtigt sich Ralf die lange Zeit selbst noch einmal. Damals fackelte er nicht lange, zum Zögern hatte er auch keinen Grund. „Ich hatte acht Jahre Bundesgrenzschutz in Lübeck hinter mir und die Wahl zwischen Bonn oder dem Harz – da dachte ich: Nee, Schleswig-Holstein verlasse ich nicht. Kann ich gar nicht, da ist ’ne Elbe dazwischen“, erzählt der gebürtige Borsteler.

Zum 1. Januar 1982 stieg er in die „Schmiede“ ein, „weil es mir selbst hier immer richtig Spaß gemacht hat. Es war keine Radau-Kneipe.“ Dabei blieb es auch unter seiner Ägide. Dazu entwickelte er die „Schmiede“, die er später selbst übernahm, kulinarisch weiter. Aus ein „paar Bier begleitenden Speisen“, wie Ralf sie nennt, wurde im Laufe der Jahre die Karte rund um die Bratkartoffel.

Über die Gastronomie an sich lernte er nach eigener Aussage viel von Heidi Gohlke, an den Herdplatten alles von seiner Mutter, die mit 83 Jahren auch heute noch hilft. Die Küche ist Ralfs Reich, im Service dagegen hat Frau Vera das Sagen. „Es ist gut, wenn jeder seinen Bereich hat“, sagt Ralf.

Für ihre Bratkartoffeln mit Matjes oder Roastbeef ist die „Schmiede“ heute bekannt. Aber ihren Ruf weit über die Grenzen des Kreises Pinneberg prägten eine Idee und ein Zufall. „Ich wollte von Beginn an Live-Musik anbieten“, berichtet Ralf. „Eines Abends tauchten plötzlich drei Herren auf, die nach einer Auftrittsmöglichkeit suchten. Das waren die Rosetown Dixieland Oldies.“ Der Rest ist Geschichte. Bereits am ersten Abend platzte die „Schmiede“ aus allen Nähten. „Es war brechend voll, über 100 Leute waren da. Bier hatten wir noch, aber keine Gläser mehr“, erinnert sich Ralf lachend.

Die Konzertstätte in Borstel-Hohenraden war aus der Taufe gehoben. „Timms Plattrock Band“, „John Law and the Tremors“ und viele andere – „hier sind über 100 Bands von Rock über Folk und Liedermacher durchgegangen, wir hatten bis zu fünf Konzerte im Monat“.

Nicht nur im Kreis, der Region und in Norddeutschland ist die „Schmiede“ ein Begriff. Auch ein schottisch-australischer Kultrocker kennt sie. „Im Anhang von John Law and the Tremors tauchte plötzlich Angus Young auf. Ich habe ihn erst gar nicht erkannt und ihm noch zwei Mark für eine Cola abgenommen“, erinnert sich Ralf lachend an ein Treffen mit dem Mitgründer der legendären Band AC/DC.

Solche Begegnungen sind bald endgültig Geschichte. Der Wunsch, etwas Neues zu sehen und zu machen, ist zu groß geworden. Für seine Zukunft an der Nordsee hat Ralf „1000 Ideen. Und wenn ich Fischbrötchen verkaufe – denn sabbeln kann ich ja gut.“ Nur eins, das weiß er sicher: „Mein Abschied hier wird kein Spektakel.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Aug.2014 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen