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Pinneberger Tageblatt

20. November 2017 | 20:29 Uhr

Schleichweg-Raser sorgen für Chaos

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

VerkehrDurch die Sperrung der Kreuzung Oha geht es im Thiensener Weg drunter und drüber / Bürger fühlen sich im Stich gelassen

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 14:58 Uhr

Der Fahrtwind des vorbeirauschenden Lastwagens lässt Janina Kubietz-Grünbergs Haar nach hinten wehen. Auch die Ohren ihrer zwei Golden Retriever werden leicht angehoben. Kubietz-Grünbergs Ehemann Andreas Grünberg kneift die Augen zusammen. Mit ländlicher Idylle und einem kinderfreundlichen Umfeld hat der Thiensener Weg in Ellerhoop in diesen Tagen nichts mehr gemein: Obwohl der Bereich mit einer Sperre und dem Schild „Durchfahrt verboten - Anlieger frei“ versehen ist, hat der Durchgangsverkehr wegen der gesperrten Kreuzung in Oha den Schleichweg um das Arboretum in ein Verkehrschaos verwandelt. Die entstandenen Straßenschäden sind auch für den Laien sofort erkennbar.

Für Anwohner wie die Grünbergs hat das ein lange brodelndes Fass zum Überlaufen gebracht: „Meine Katze wurde im letzten Jahr überfahren, die Katze unserer Nachbarn überlebte einen Unfall, musste für mehrere tausend Euro operiert werden“, beklagt sie. „Seit der Baustelle hat es sich noch mehr zugespitzt. Hier gehen Kinder zur Schule, aber einen Gehweg zum Ausweichen gibt es nicht“, so Kubietz-Grünberg. Ihre Kritik: Die Straßen Thiensen und Thiensener Weg seien nicht ausgelegt für den Durchgangsverkehr, würden dafür aber schon vor Baustellenzeiten über Gebühr genutzt werden. Die Autofahrer hielten sich nicht an Tempolimit und Einbahnstraße. „Wenn man hier schon durchfährt, könnte man es wenigstens rücksichtsvoll tun“, kritisiert sie. „Erinnern wir per Handzeichen an das Tempolimit, werden wir teils sogar bedroht.“ Besondere Sorgen bereite ihr die Kreuzung Thiensener Weg, Ohlekamp: „Wer schneller als 30 fährt, kann die Einmündung kaum sehen. Kinder kommen da heraus, die Fahrer missachten die Vorfahrt. Muss erst etwas passieren?“ Die Grünbergs fühlen sich von Gemeinde und Verwaltung im Stich gelassen. Seitens des Amtes Rantzau habe man sie vertröstet – die Baustelle sei ja bald vorbei. Das Problem bestehe aber eben nicht nur im Zusammenhang mit der Baustelle, es spitze sich nur dadurch extrem zu. Sie wünscht sich konkret: ein Warnschild vor der Kreuzung Ohlekamp, einen Gehweg und eine besser ausgebaute Anfahrt für das Arboretum. „Landwirtschaftlicher Verkehr ist nötig, das ist mir völlig klar“, sagt sie. „Aber als Durchfahrtsweg für den Ort ist die Straße einfach nicht geeignet.“

Sabine Preuß, Leiterin des Ordnungsamts Rantzau, warnt davor, ein generelles Problem und die Baustellen-Krise zu vermischen: „Durch die Baustelle ist die Lage verheerend“, sagt sie. „Wir haben versucht, durch eine bestmögliche Beschilderung zu verhindern, dass der Bereich als Durchgangsstrecke genutzt wird. Aber die Autofahrer setzen sich darüber einfach hinweg. Wir müssen mit ansehen, wie die Straße ruiniert wird und bleiben auf den Sanierungskosten sitzen.“ Laut Sascha Schmidt, Polizeistationsleiter in Barmstedt, hätten die Beamten in dem betroffenen Bereich beinahe täglich für mehr als drei Stunden kontrolliert. Allein gestern hätten die Beamten zwischen 10.25 und 10.40 Uhr 24 Ordnungswidrigkeiten gezählt, so Schmidt. Die Kontrollen seien basierend auf der vorgenommenen Beschilderung durchgeführt worden. Die lautet: Einbahnstraße, Tempo 30 und Anlieger frei. Auch Preuß weiß: Rund um die Uhr können die Beamten nicht vor Ort sein. „Man muss auch an die Vernunft der Autofahrer appellieren“, so Preuß. Der Zeitgewinn sei minimal gegenüber der offiziellen Umleitung.

Zur generellen Unzufriedenheit der Anwohner sagt Preuß: „Schilder können wir nur nach ganz klaren Regeln aufstellen, unsere persönliche Meinung spielt keine Rolle.“ Was kann die Bürgerin tun, wenn sie die Situation für gefährlich hält? „Sie muss die Gemeindevertretung überzeugen. Die kann das an uns in die Verwaltung tragen und wir stellen dann einen Antrag beim Straßenverkehrsamt.“

Wie lange die Kreuzung in Oha noch gesperrt bleibt, ist derzeit laut Kai-Uwe Schacht, Leiter der Niederlassung Itzehoe des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, nicht sicher. Wegen des Sturms „Xavier“ habe die Asphaltdeckschicht nicht auf der Kreuzung aufgebracht werden können. Deshalb könnten sich die Arbeiten, deren Abschluss für Mittwoch, 11. Oktober, geplant war, um bis zu zwei Tage verzögern.

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