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Mit Kommentar aus der Redaktion : Schlafen in der Sporthalle: Die Stadt hat rechtliche Bedenken

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Verantwortlichen versprechen eine kurzfristige Lösung. Die Vereine üben Kritik.

Pinneberg | Die Übernachtungen in den Sporthallen sind bei Sport-Turnieren Höhepunkte, von denen Kinder und Jugendliche lange schwärmen. Für die Organisatoren der Turniere entfällt zudem die aufwendige Suche nach preiswerten Quartieren für auswärtige Sportler. In Pinneberg stehen diese unvergesslichen Erlebnisse auf dem Prüfstand. Der Grund: Die Hallen sollen momentan baurechtlich nicht für Übernachtungen zugelassen sein. Die Verwaltung will nun erst einmal klären, unter welchen Voraussetzungen an der bisher üblichen Praxis festgehalten werden kann.

Die drei großen Vereine VfL Pinneberg, SuS Waldenau und SC Pinneberg (SCP) können die Aktivitäten im Rathaus allerdings nicht nachvollziehen und forderten bereits in einem gemeinsamen Schreiben an die Stadt eine schnelle Lösung. „Ein Verbot wäre ein Schildbürgerstreich, mit dem Pinneberg in anderen Kommunen nur für Kopfschütteln sorgen würde“, kritisiert VfL-Geschäftsführer Uwe Hönke. Er könne nicht verstehen, dass etwas, das seit Jahrzehnten in ganz Deutschland und auch in Pinneberg üblich sei, nun in der Kreisstadt für Diskussionen sorgt. Es sei schließlich selbstverständlich, dass die Mannschaften aus den Pinneberger Vereinen bei auswärtigen Turnieren in den Sporthallen schlafen. „Es wäre fatal, wenn wir diese Gastfreundschaft in Zukunft nicht mehr erwidern könnten“, findet Hönke.

Auch SCP-Vorsitzender Claus Ricke ist mächtig angefressen. Er bedauere, dass den Vereinen ständig neue Knüppel zwischen die Beine geworfen würden. Insbesondere für die vielen ehrenamtlichen Helfer sei das ein Schlag ins Gesicht. Er habe den Eindruck, dass es häufig nicht darum gehe, etwas zu ermöglichen und den Vereinen zu helfen. Stattdessen werde erklärt, warum etwas nicht zulässig ist.

„Das ist nicht akzeptabel“, sagt Hinrich Krodel, Ehrenvorsitzender des SuS Waldenau, zur aktuellen Diskussion. Es sei ein Trauerspiel, dass keine schnelle Lösung gefunden werde. Ihm fehle im Rathaus die Einstellung, dass den Sportvereinen geholfen werden muss. Gerade für den SuS drängt die Zeit. Der Verein bietet vom 30. Juli bis zum 2. August ein mehrtägiges Tenniscamp an. Zum Programm soll auch eine gemeinsame Sporthallenübernachtung der Teilnehmer gehören. Der Verein will nun schnell wissen, ob die überhaupt möglich ist.

Nach Aussage von Maren Uschkurat, Sprecherin der Stadt, sollten sich die Vereine keine Sorgen machen. „Es wird eine kurzfristige Lösung geben“, verspricht sie. Diese Lösung soll rechtliche Klarheit bringen und im Sinne der Vereine sein. Es gehe auf keinen Fall darum, die Übernachtungen generell zu verbieten. Dass das Thema nicht längst vom Tisch ist, liege daran, dass mehrere Abteilungen involviert seien und eine zuständige Mitarbeiterin erkrankt sei.

Kommentar: Vereine sind frustriert

Dass die Diskussion um die Sporthallenübernachtungen schnell vorbei sein dürfte, ist positiv. Das ändert aber nichts daran, dass der Frust vieler Pinneberger Sportvereine tief sitzt. Sie vermissen die Wertschätzung von Verwaltung und Politik, fühlen sich allzu häufig wie lästige Bittsteller und haben kein Vertrauen mehr zu den Entscheidungsträgern. Egal, ob haupt- oder ehrenamtlich – die Verantwortlichen in den Sportvereinen opfern sich für ihren Klub auf. Deshalb haben sie verdient, dass man respektvoll mit ihnen umgeht. Wenn Vereine den Eindruck haben, im Rathaus gehe es vor allem darum, etwas zu verhindern, ist das eine fatale Entwicklung. Schließlich soll die Verwaltung Dienstleister sein. Ansonsten ist sie überflüssig. Politik und Rathaus sollten sich bewusst sein, dass Sportförderung sich nicht darauf beschränken darf, einmal pro Jahr zur Sportlerehrung einzuladen. (Lars Zimmermann)

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