Schicksale in Realität und Kunst

Hat die Ausstellung initiiert: Birgit Duskova, seit Mai Pastorin für Flüchtlingsarbeit.
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Hat die Ausstellung initiiert: Birgit Duskova, seit Mai Pastorin für Flüchtlingsarbeit.

Ausstellung in der Stiftskirche zeigt Handybilder von Flüchtlingen und Malerei des Künstlers Dirk Becker / Finissage am 16. August

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31. Juli 2015, 18:03 Uhr

Schwarz-weiß, stechend, eindrücklich wirken die Bilder des Künstlers Dirk Becker in der Elmshorner Stiftskirche. In der Schlichtheit der Werke lassen sich viele Details erkennen. Sie wecken Assoziationen – zum Massensterben von Flüchtlingen im Mittelmeer. Daneben liegt eine Mappe mit einigen Handyfotos syrischer Flüchtlinge aus, die zwischen 2011 und 2014 ihre Heimat verlassen mussten. Bilder von kleinen Kindern, von vollen Booten, von Familien zeigen eine Realität, die Besucher nachdenklich stimmt. „Boatpeople“ heißt die Ausstellung, die nach den Gottesdiensten am Sonntag und während der Gesprächsabende zum Thema immer donnerstags in der Stiftskirche zu sehen ist. Mit der Finissage am Sonntag, 16. August, ab 19 Uhr, endet die Bilderschau.

„Einige denken im Urlaub über das Thema nach, andere erreicht es über die Nachrichten. Aber die Menschen sind hier und haben das erlebt“, verdeutlicht Birgit Duskova, seit Mai Pastorin für Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Zu ihren Aufgaben gehört es, Flüchtlinge in schwierigen Situationen individuell zu begleiten und Fortbildungen von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit zu koordinieren.

Die Fotos stammen von Flüchtlingen, die in Hamburg und im Kreis Pinneberg leben. „Ehrenamtliche, die mit Flüchtlingen arbeiten, erleben ganz oft, dass ihnen Handybilder gezeigt werden“, sagt Duskova.

Sie hatte die Idee zu der Ausstellung, wollte die Werke von des Künstlers Becker mit den Handyaufnahmen zusammenbringen. „Die gemalten Bilder spiegeln den Nachrichtenblick wieder. Die Handybilder zeigen das Individuelle, jeden Einzelnen in seiner Geschichte.“ Den Kontrast zu zeigen findet Duskova wichtig. In den Medien gebe es ständig Bilder von Massen von Flüchtlingen, von überfüllten Booten. „Doch wenn diese Massen sich in Elmshorn verteilen, sind es keine Massen mehr“, sagt sie und will mit ihren Worten Ängste in der Bevölkerung abbauen. Sie verdeutlicht zudem, dass viele Flüchtlinge Menschen verloren hätten. Geschwister seien getrennt worden. Zu Gesprächen über Kunst und Realität lädt der Kunstkreis der Emmausgemeinde Elmshorn, der die Ausstellung betreut und durchführt, regelmäßig ein. Viele Menschen, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, hätten die Ausstellung bereits besucht, so Duskova.

Offen sei die Ausstellung für alle Menschen, egal ob sie der Kirche nahestehen oder nicht. Zur Finissage am 16. August wird auch der Künstler erwartet.

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