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Ex-SPD-Vorsitzender in Wedel : Schaukelstuhl? Nichts für Müntefering

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering hat in Wedel für ehrenamtliches Engagement geworben - und Tipps für Fitness im Alter gegeben.

shz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 10:00 Uhr

Wedel | Er war Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Bundesminister, SPD-Bundesvorsitzender, Bundesgeschäftsführer seiner Partei. Franz Müntefering hat die Geschicke der Sozialdemokraten viele Jahre lang maßgeblich mitbestimmt. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Agenda 2010 von Gerhard Schröder, die das Land nach oben, die Genossen aber – in der Wählergunst – nach unten brachte. Ein wichtiger Bestandteil dieser Agenda war die Rente mit 67 Jahren. Zum einen, um das Rentensystem zu sichern, zum anderen aber auch, weil die Menschen immer länger fit sind.

Ein prima Beispiel für Letzteres ist Müntefering selbst, wie sich rund 60 Besucher in Wedel überzeugen konnten. Müntefering, mittlerweile 77 Jahre alt, ist immer noch überaus aktiv. Er ist Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland und seit 2015 zudem Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). Beides ehrenamtlich. Und darum ging es auch bei der Veranstaltung mit dem Titel „Aktives Alter: Schaukelstuhl oder Ehrenamt“, zu der Ernst Dieter Rossmann, der SPD-Bundestagsabgeordnete des Kreises Pinneberg, eingeladen hatte. Und dabei hielt der große alte Mann der SPD ein überzeugendes Plädoyer für ehrenamtliches Engagement.

Mit seinem Alter zu kokettieren, davon hält Müntefering gar nichts. „Man muss nicht so tun als würde man bis ans Lebensende permanent stärker und intelligenter werden.“ Das bedeutet seiner Ansicht nach aber nicht, dass man sich zur Ruhe setzen soll. „Man darf den Schaukelstuhl genießen. Aber man darf sich nicht verkriechen, man darf weiter mitmischen und man darf sich auch einmischen.“ Ehrenamtliche Arbeit hat für den Sozialdemokraten den gleichen Wert für die Demokratie wie bezahlte Arbeit. Die Werte des Godesberger Programms der SPD wie Freiheit, Gleichheit, Solidarität haben für Müntefering nach wie vor Gültigkeit. Ein Beharren auf früheren Herangehensweisen jedoch nicht. „Man kann die Probleme von heute nicht mit den Antworten von gestern lösen. Der Wandel ist tiefgreifend.“ Das solle aber niemanden vom Mitmachen abhalten, denn „Demokratie funktioniert nicht, indem man die Klappe hält“.

Dabei geht es, so die Erfahrung des 77-Jährigen, meist gar nicht um große Dinge. Doch gerade Verbesserungen bei den kleinen, alltäglichen Problemen, könnten das Leben für ältere Menschen oftmals einfacher machen. „Da fahren keine Busse, da gibt es Stolperkanten auf den Gehwegen. Wenn man da nachhakt, passiert auch was.“ Um sich einzumischen, sich ehrenamtlich zu engagieren, muss man fit sein, findet Müntefering. Deshalb präsentierte er seinem überwiegend aus Senioren bestehenden Publikum das passende Rezept: Laufen, Lernen, Lachen. „Das Bewegen der Beine ernährt das Gehirn.“ Am besten sei Bewegung in Gesellschaft, denn wer vereinsame, habe kein gutes Leben. Außerdem: „Lernen kann man auch im Alter immer noch.“ Und natürlich lachen. Es werde oft gesagt, die letzte Strecke des Lebens sei voller Grausamkeit. „Das ist falsch. Die meisten Menschen sterben friedlich und ohne Schmerzen.“ Doch bis es so weit sei, forderte Müntefering sein Publikum auf, gelte es, sich zu engagieren. „Menschen können Dinge beeinflussen. Wir sind nicht allmächtig. Aber auch nicht ohnmächtig.“

Unterstützung bekam Müntefering von Siegrid Tenor-Alschausky. Die frühere SPD-Landtagsabgeordnete ist ehrenamtliche Kreisvorsitzende des Sozialverbands Deutschland. „Ehrenamt macht Spaß. Ehrenamt braucht aber auch Unterstützung“, sagte sie.

In die gleiche Kerbe schlug Dieter Wenskat, Vorsitzender des Kreisseniorenbeirats. „Wir sitzen leider oft vor leeren Rängen. Wir vermissen euch da.“ Es gebe viel zu tun. „Wir kämpfen um die Gleichstellung der Senioren. Wir wollen nicht im Schaukelstuhl sitzen. Wir wollen mitgestalten.“ Auch wenn das manchmal Arbeit und Mühe bedeutet, ist Wenskat sich mit Tenor-Alschausky und Müntefering völlig einig: „Es macht viel Spaß, sich ehrenamtlich zu engagieren.“

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