Ausflugsziel mit Hofcafe : Schäferhof in Appen erwartet den Frühling

Bewohner auf dem Schäferhof erwarten zahlreiche Gäste in der Saison, die ab Ostern beginnt.
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Bewohner auf dem Schäferhof erwarten zahlreiche Gäste in der Saison, die ab Ostern beginnt.

Ab Ostern ist der Schäferhof in Appen wieder für Besucher geöffnet. Auf der Anlage arbeiten Wohnungslose und Behinderte gemeinsam Hand in Hand.

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21. März 2017, 17:00 Uhr

appen | Der Schäferhof als beliebtes Ausflugsziel in der Region ist mit neuem Programm bereit für die schöne Jahreszeit. Nach der Auftaktveranstaltung am Mittwoch, 5. April, dem Ostereierfärben für Groß und Klein, eröffnet auch das Hofcafé  wieder: Hier wird am Karfreitag, 14. April, ab 13 Uhr, der Betrieb aufgenommen.  Bis Mitte Oktober   werden  am  Wochenende und an Feiertagen Besucher empfangen.

Die Crew besteht neben regulär angestellten Mitarbeitern auch aus Bewohnern des Schäferhofes, dessen Kerntätigkeit die Wohnungslosenhilfe ist. Rainer Adomat, Leiter des Schäferhofs, zitiert den Kernsatz der Diakonie, „Keiner darf verloren gehen“, um das Leitbild der Hofs zu beschreiben. „Die Gesellschaft neigt dazu, zu moralisieren. Wir denken, jeder verdient immer eine Chance auf einen Neuanfang“, erläutert er das Konzept. Er stellt  aber klar: „Wir sind schon erfolgsorientiert.“

Bis zu 52 Heimplätze für Menschen ohne festen Wohnsitz stehen bereit. Die Bewohner sollen  die Chance haben, zur Ruhe zu kommen, sich zu stabilisieren und gleichzeitig wieder in  die Gesellschaft hineinzuwachsen. Deswegen übernehmen sie Aufgaben im Betrieb, wie die Mitarbeit im Hofcafé, der Pflege der Anlage, Tätigkeiten in der Holzwerkstatt, der Küche und im Nutzgarten. Durch den Kontakt mit Publikum und regulären Angestellten kann bei den Bewohnern das Vertrauen in sich und die Gesellschaft wieder wachsen. Das Ziel  des Schäferhofs  ist es, seinen Schützlingen eine Wohnung zu vermitteln.

Schäferhofleitung Petra Mindermann und Rainer Adomat zeigen den steinzeitlichen Kuppelbackofen, der  beim Aktionstag genutzt wird.
Foto: Janina Schmidt

Schäferhofleitung Petra Mindermann und Rainer Adomat zeigen den steinzeitlichen Kuppelbackofen, der  beim Aktionstag genutzt wird.

 

Diese Hilfe wird auch Menschen zuteil, die  beispielsweise ein Alkoholproblem haben: Solange sie sich innerhalb der Einrichtung einbringen und sich dort entwickeln, wird ihr Problem toleriert, so Adomat. Von den Wohnungslosen, die sich in der Regel zwischen eineinhalb und drei Jahren auf dem Hof aufhalten, können 50 Prozent tatsächlich wieder in eine Wohnung oder sogar ein Arbeitsverhältnis entlassen werden. Die anderen 50 Prozent sind  deswegen nicht als Misserfolg zu verbuchen. Selbst wer sich  nur gesundheitlich und seelisch erholen konnte, ist erfolgreich. Auch Wiederaufnahmen sind möglich, und was beim ersten Mal noch nicht gelang, kann  später noch klappen. „Wir geben niemanden auf“, sagt die stellvertretende Leiterin Petra Mindermann.

Zusätzlich arbeiten Behinderte dank einer Kooperation mit der Lebenshilfe in der Werkstatt und im angeschlossenen Reitstall mit. Von dieser Art der Integration profitiert letztlich die Gesellschaft, wie das Programm einmal mehr zeigt: Auf der durch die Bewohner in Schuss gehaltene Anlage folgen nach der Eröffnung des Hofcafés über das ganze Jahr verteilt attraktive Bildungs-, Freizeit- und Erholungsangebote. Am 29. April veranstaltet der Schäferhof einen Aktionstag im Naturerlebnisraum mit Pflanzentauschbörse, Steinzeitwerkstatt unter Benutzung des steinzeitlichen Kuppelbackofens, einer naturkundlichen Führung durch den Lebensraum Knick und einer vogelkundlichen Wanderung.

Weitere Highlights sind ein Vortrag mit Nachtwanderung zum Thema heimische Fledermäuse im Mai, das Herstellen von Naturmedizin im Juni sowies das Mixen grüner Kräutersmoothies im Juli. Im August gibt es eine Tour über den ganzen Hof, mit dem Thema Robustrinder und Pommernschafe. Im September wird die Herstellung von Naturkosmetik angeboten, im Oktober gibt es die Veranstaltung „Räuchern mit heimischen Kräutern“. Die Saison schließt mit einem  Laternenumzug im Herbst. Die Integration in die Gesellschaft findet übrigens nicht nur durch Arbeit statt: Bewohner  nehmen gern auch als Besucher an den Veranstaltungen teil – und sind dabei schon ein gleichwertiger Teil der Öffentlichkeit.

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