Interview : Savalin Thiemann vom THW Barmstedt hilft in Nepal

Savalin Thiemann vom THW Barmstedt im Einsatz in Kathmandu: Sie gehört zum Team, das sich um die Trinkwasserversorgung kümmert.
Savalin Thiemann vom THW Barmstedt im Einsatz in Kathmandu: Sie gehört zum Team, das sich um die Trinkwasserversorgung kümmert.

Katastrophenregion Nepal: Savalin Thiemann vom THW Barmstedt über Nachbeben, Probleme und Momente der Hoffnung.

shz.de von
11. Mai 2015, 15:00 Uhr

Barmstedt | Am 25. April dieses Jahres bebte die Erde in Nepal so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr in der Region. Häuser stürzten ein, Menschen wurden von Erdrutschen erfasst, ganze Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Bei der Naturkatastrophe kamen nach Angaben der nepalesischen Regierung mehr als 7900 Menschen ums Leben. Fast eine halbe Million Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt. Zu dem internationalen Team, das die Menschen in der Region mit dem Nötigsten versorgt, gehört Savalin Thiemann vom Technischen Hilfswerk (THW) Barmstedt. Die Bilsenerin ist 31 Jahre alt und Mechanikerin in der SEEWA: der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland.

In welcher Region sind Sie tätig?
Savalin Thiemann
: Wir sind mit unseren beiden Trinkwasseraufbereitungsanlagen direkt in Kathmandu im Einsatz. Hier leben immer noch sehr viele Menschen in Camps in Parks und Grünflächen, weil sie sich nicht in ihre Häuser zurücktrauen oder keins mehr haben. Mit unserem Trinkwasser können wir diese Menschen versorgen.

Welche Aufgabe haben Sie dort?
Ich bin die Mechanikerin im Team und zuständig für den Betrieb der beiden Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Dazu gehört unter anderem die Betriebsanalytik, bei der zum Beispiel das Wasser auf Trübung und Chlorgehalt geprüft wird. Meine weiteren Aufgaben sind abhängig von der Lage und den Gegebenheiten, die wir im Einsatz vorfinden.

Auf welche Probleme stoßen Sie vor Ort?
Der Flughafen war ein Nadelöhr und wir hatten – wie alle anderen auch – Probleme, unsere Ausstattung zu erhalten. Ein anderes Problem ist zum Beispiel das Stromnetz, das hier mit 50 Hertz betrieben wird. Allerdings ist das nur eine geringe Sorge, denn darauf sind wir vorbereitet, da unsere mitgelieferte THW-Ausstattung vom örtlichen Stromnetz unabhängig ist.

Was fehlt den Menschen dort am meisten?
Den Menschen fehlt es hier vor allem am Wasser, denn Wasser ist nicht nur das wichtigste Lebensmittel zum Überleben, sondern wird auch für den hygienischen Bereich benötigt. Ohne die Hygiene kommt es schnell zu Krankheitsfällen, und das wollen wir natürlich durch das Produzieren von Wasser vermeiden.

Gibt es immer noch Nachbeben?
Ja, die gibt es. Sie sind nur ganz leicht und unbedenklich. Wenn es diese jetzt nicht geben würde, wäre das ein schlechtes Zeichen, da sich die Erdschichten durch Druck wieder aufstauen würden. Mit leichten Nachbeben gleicht sich das alles aus. Die Menschen hier in der Stadt sind dadurch auch noch leicht verunsichert, aber sehen alles schon wesentlich gelassener.

Gab es bei Ihrem Einsatz Begegnungen, die Ihnen Hoffnungen gemacht haben?
Die Hoffnung habe ich schon aus Deutschland und aus meinen anderen Auslandseinsätzen mitgebracht. Meine Familie und Kameraden sind stolz auf das, was ich leiste im Ausland und unterstützen mich tatkräftig, soweit es ihnen möglich ist. Hier vor Ort bestätigt sich der Sinn unserer Aufgabe jeden Tag, in jeder Minute, wenn man die Menschen hier glücklich und dankbar an der Wasserabgabestation sieht. Glückliche Kinderaugen, die voller Begeisterung ihre Behältnisse mit Wasser bei uns füllen.

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