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Interkulturelle Woche : Samira Alizadehghanad stellt in Pinneberg aus

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Samira Alizadehghanad (30) aus dem Iran stellt Aktzeichnungen in der Sparkasse Südholstein aus.

Pinneberg | Was im Iran als Kunst gilt, darüber entscheiden die Behörden. Die Darstellung von nackten Männern oder Frauen ist verboten. Das wurde Samira Alizadehghanad (30) zum Verhängnis. Die Aktzeichnungen der jungen Malerin, die Kunst und Maskenbildnerei studierte, erregten den Zorn der Polizisten. Für drei Tage landete sie im Gefängnis.

Heute lebt die Iranerin in Tangstedt. Auch sie ist ein Flüchtling. Eine Frau, die ihr Land verließ, weil sie der Willkür des Staates und auch ihrem gewalttätigen Ehemann entkommen wollte. Nur mit ein paar Kleidungsstücken und ihren Ölfarben im Gepäck. Alizadehghanads Asylantrag ist genehmigt. Sie macht gerade einen Deutschkursus in der Pinneberger VHS und sucht einen Ausbildungsplatz.

Aber ihre wahre Heimat – das ist wohl die Kunst. Einige ihrer Bilder sind jetzt in der Pinneberger Filiale der Sparkasse Südholstein bis zum 14. Oktober zu sehen – im Zuge der interkulturellen Woche, an der sich auch der Pinneberger Diakonieverein Migration und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Deborah Azzab-Robinson, beteiligen.

 

In der Ausstellung sind auch ihre sehr dezenten Aktzeichnungen zu sehen – wie die Skizze einer Frau, die ihre Brüste bedeckt. Doch den Schritt vom figürlichen Zeichnen zum abstrakten Bild hat sie längst vollzogen – so als hätte ihre die Flucht neue Perspektiven eröffnet. Dabei stehen die Werke unter dem Einfluss iranischer Traditionen, mit denen sie allerdings ironisch bricht. Auf einem Bild sieht man einen surrealistisch dargestellten Frauenkörper – wie auf dem Plattencover aus der Hippie-Ära. Auf einer Seite ist eine Art Vogel und auf der anderen ein Engelsflügel zu sehen – sie symbolisieren die im islamischen Glauben verankerte Zwei-Engel-Lehre, wonach jedem Menschen zwei Engel zugeteilt sind. Der eine zählt die Sünden, der andere die guten Taten, wobei die guten Taten doppelt zählen. Ein schöner Gedanke.

 

Alizadehghanads Religionsbild ist universell: Auf einem Gemälde steht der Name Gott in verschiedenen Sprachen und der Satz: „Ich liebe die Person, die mich geschaffen hat.“ Auch für so ein Statement wäre sie im Iran im Gefängnis gelandet. Was auffällt: Keines der Bilder hat einen Titel. „Ich wollte meinen Kopf leer machen und habe nicht über die Titel der Bilder nachgedacht“, sagt sie.

Auch die Bilder von Joe Sam-Essandoh sind in der Ausstellung in der Bankfiliale zu sehen. Die Motive seiner  Arbeit sind alle afrikanischen Ursprungs. Leitthemen sind nonverbale Symbole aus Ghana, die soziale und religiöse Inhalte haben. Joe Sam-Essandoh beschäftigt sich in seinen Werken mit moralischen Fragen.

So fing es in Deutschland an: Alizadehghanad malte jeden Tag. Mit Acrylfarben und Buntstiften. Als sie acht Monate in einem Hotel untergebracht war, hatte sie in ihrem Zimmer keinen Platz mehr für ihre Bilder. Da bat sie Karen Fischer von der Diakonie, sie möge ein paar ihrer Bilder verwahren. Was sie auch tat.

Wie Fischer ist auch die Gleichstellungsbeauftragte Deborah Azzab-Robinson von dem Talent der jungen Künstlerin überzeugt. „Die Ausstellung ist ein Beispiel dafür, was Flüchtlinge an künstlerischer Kraft mitbringen.“

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erstellt am 07.Okt.2015 | 16:00 Uhr

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