Salmonellengefahr und Ehec

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Rückrufaktionen für Eier aus Discountern und Salatkäse vom Bio-Hof Dannwisch / Veterinäramt Pinneberg gibt Tipps für sicheren Einkauf

shz.de von
16. August 2018, 18:40 Uhr

Bakterien wie Escherichia coli (Ehec) und Salmonellen vermehren sich bei sommerlichen Temperaturen sehr schnell und machen leichtverderbliche Lebensmittel ungenießbar oder gesundheitsschädlich. Aktuell ruft der Biohof Dannwisch aus Horst seinen Salatkäse mit der Bezeichnung Sommerfreude zurück, da dieser mit E.coli-Bakterien der Gattung Stec/Ehec belastet sein könnte. Die Menge des möglicherweise betroffenen Käses betrage knapp 38 Kilogramm. „Wir weisen darauf hin, eventuell noch vorhandene Bestände mit Mindesthaltbarkeitsdatum zwischen dem
6. und 24. August nicht zu verzehren und diese an uns zurückzugeben beziehungsweise zu entsorgen“, teilt die Betriebsgemeinschaft Hof Dannwisch mit.

Das Landes-Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung warnt ebenfalls vor möglichen gesundheitlichen Risiken: „Die Ehec-Erkrankung äußert sich meist innerhalb einer Woche nach Infektion mit Durchfall und Bauchkrämpfen. Insbesondere Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem können schwerere Krankheitsverläufe mit blutigen Durchfällen entwickeln. Selten kann es, vor allem bei Kleinkindern, in einem zweiten Krankheitsschub, einige Tage nach Einsetzen des Durchfalls, zu einem akuten Nierenversagen kommen. Personen, die dieses Lebensmittel gegessen haben und schwere oder anhaltende Symptome entwickeln, sollten ärztliche Hilfe aufsuchen und auf eine mögliche Ehec-Infektion hinweisen“, erklärt Dr. Wolf Gehrmann auf Anfrage unserer Zeitung.

Doch nicht nur Käse wird zur Zeit zurückgerufen. Discounter haben in den letzten Wochen auch Bio-Eier unter anderem in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen wegen Salmonellengefahr aus den Regalen nehmen müssen. Erst am Mittwoch vergangener Woche war eine Warnung von den Supermarktketten Real, Aldi Süd, Penny, Lidl, Kaufland und Norma veröffentlicht worden. Betroffen sind Eier, die durch das Unternehmen Eifrisch-Vermarktung GmbH & Co. KG in Umlauf gebracht wurden. Es handelt sich um Bio-Eier des Legebetriebs Farm Bio-Eierhof Papenburg GbR. Bei Untersuchungen von Proben wurden Salmonellen nachgewiesen. Bei allen sind nur Eier mit der Printnummer 0-DE-0359721 betroffen. Der Verzehr könne Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Verbraucher, die die Eier bereits gekauft haben, können sie in den Filialen zurückgeben und sich den Kaufpreis erstatten lassen.

Doch wie kommen die Salmonellen in die Eier und was ist bei der Verarbeitung und Zubereitung zu beachten? Dr. Antje Peters, Leiterin des Fachdienstes Sicherheit und Verbraucherschutz bei der Veterinäraufsicht des Kreises Pinneberg, erklärt: „Die Übertragungswege der Salmonellen sind mittlerweile bekannt. Das Geflügel nimmt die Erreger mit kontaminiertem Futter auf. Ist das Ei frisch und wird es sachgemäß gelagert, ist die Chance geringer, dass sich die Bakterien vermehren. Erst wenn das Ei unsachgemäß gelagert oder  verwendet wird – wenn zum Beispiel Speisen mit rohen Eiern bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden – können sich Salmonellen explosionsartig vermehren und die Gesundheit gefährden.“ Salmonellen könnten in die Blutbahn des Tieres und so ins Eiweiß gelangen. Eine Übertragung über die Eierstöcke des Huhns sei ebenfalls möglich.

„Auch eine mit Kot verschmutzte Schale kann das Innere des Eies kontaminieren“, heißt es auf der Internetseite des Bundeszentrums für Ernährung. Im menschlichen Körper könnten Salmonellen Magen-Darm-Erkrankungen mit Durchfällen und Fieber auslösen. Vor allem Babys, Kleinkinder sowie kranke und alte Menschen seien besonders gefährdet. „Bei frischen Eiern, die im Kühlschrank aufbewahrt werden, haben Salmonellen keine guten Vermehrungschancen. Auch längeres Erhitzen bei Temperaturen von mindestens
70 Grad Celsius überleben die Erreger nicht“, teilt das Bundeszentrum für Ernährung weiter mit. „Privathaushalte sollten rohe Eier vorsichtshalber im Kühlschrank lagern“, erklärt Dr. Peters. Für Erzeuger und Lebensmitteleinzelhandel hingegen gelte die Empfehlung, Eier ungekühlt an den Verbraucher abzugeben. „Genau hier könnte ein Mitgrund für die erhöhte Salmonellen-Konzentration liegen, denn bei Hitze wird die Vermehrung sehr begünstigt“, sagt Dr. Peters. Während der Lagerung werde das Ei unter anderem durch die Dottermembran geschützt, einer natürlichen Barriere gegen Keime. Die Dauer dieses Schutzes sei aber von der Temperatur abhängig. Versuche haben gezeigt, dass bei einer Lagertemperatur von vier bis sechs Grad Celsius die Keimentwicklung am geringsten ist. Bei 20 Grad Celsius beginnt die Membran etwa 18 Tage nach dem Legen für Bakterien durchlässig zu werden. Haltbar sind Eier mindestens 28 Tage. Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums können Eier, durcherhitzt, aber oft noch verwendet werden.


Informationen über Produktwarnungen und Rückrufe auf:

>www.lebensmittelwarnung.de

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