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Kreis Pinneberg : S21-Ausbau: Fehler in Gutachten

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine Bürgerinitiative lässt die Analyse prüfen und nennt vier Alternativen für die Strecke.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Wenn es nach dem Willen von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) und Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) geht, dann fährt ab 2020 zwischen den Haltestellen Hamburg-Eidelstedt und Kaltenkirchen nicht mehr die AKN, sondern die S-Bahn-Linie 21.

Im Dezember 2014 stellten die beiden Verkehrspolitiker ein von beiden Ländern beauftragtes Gutachten der Firma Intraplan Consult vor, dass einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,12 für das Projekt ermittelte. Dieser ist um 0,12 Punkte höher als er für eine Förderung durch den Bund sein muss. Denn ein Kosten-Nutzen-Wert, der unter eins liegt, stellt einen volkswirtschaftlichen Schaden dar. Jetzt kommen Zweifel daran auf, dass der Wert tatsächlich richtig ist.

Die im August 2015 gegründete Bürgerinitiative (BI) Bahnstraße aus Ellerau hatte laut Vorstands-Mitglied Markus Spiering Zweifel daran, dass der Kosten-Nutzen-Faktor tatsächlich so hoch sei. Im Dezember nahm die Bürgerinitiative etwa 5000 Euro in die Hand und beauftragte das Beratungsunternehmen Vieregg-Rössler, die von Intraplan erstellte „Standardisierte Bewertung S21 Hamburg-Kaltenkirchen“ zu untersuchen. Jetzt liegt das Ergebnis dieser Untersuchung vor. Die Schlußfolgerung der Analyse: „In der vorliegenden Form darf die S21 Hamburg-Kaltenkirchen weder mit Bundesmitteln noch mit Landesmitteln bezuschusst werden. Der Nutzen-Kosten-Wert von 1,12 basiert auf schlichten Rechenfehlern. In Wirklichkeit ist der Nutzen-Kosten-Wert aufgrund der hohen Betriebskosten leicht negativ, also kleiner Null.“

Vieregg-Rössler hatte in seiner Analyse untersucht, inwiefern die Bewertung von Intraplan in Bezug auf die Reisezeitverbesserung und ihre Konsequenzen, die Invesitionskosten und die Betriebskosten der Züge plausibel ist. Sowohl die Auswirkungen der Reisezeitverbesserung, die in reale und subjektive Verbesserungen unterteilt wird, als auch die Investitionskosten hält Vieregg-Rössler für realistisch, wenn auch zugunsten des Projekts knapp bemessen. Anders sehe es jedoch bei den Betriebskosten aus.

Der Vorstand der Bürgerinitiative Bahnstraße: Markus Spiering (v. l.), Florian Börner, Thomas Timm und Marco Kuhnke. (Foto: Voigt)
Der Vorstand der Bürgerinitiative Bahnstraße: Markus Spiering (v. l.), Florian Börner, Thomas Timm und Marco Kuhnke. (Foto: Voigt)
 

Wenn man ausrechnen möchte, wie hoch die Kosten für Züge auf einer Bahnstrecke sind, dann muss man laut Vieregg-Rössler zwischen Zug-Kilometern und Fahrzeugkilometern unterscheiden. Bei einer Fahrt sei etwa immer ein Zugführer nötig, egal wieviel Wagen es gebe – für diese Kosten werden Zug-Kilometer als Grundlage genommen. Bei der Berechnung der Fahrzeugkilometer müssen man jedoch beachten, ob die Züge als Kurz- oder Vollzüge fahren. Und an dieser Stelle seien Intraplan Rechenfehler unterlaufen, die einen Differenz der Betriebskosten von 1,5 Millionen Euro jährlich ausmachen und den Kosten-Nutzen-Faktor erheblich herabsenken, sodass das Projekt nicht förderungswürdig wäre.

Die BI fordert deshalb einen Stopp der aktuellen Planungen. Sie nennt aber Alternativen: Die Verlängerung der U1 bis Ulzburg-Süd, eine Verlängerung der A1 bis zum neuen Bahnhof in Diebsteich oder bis zum Hauptbahnhof oder den Ausbau der Linie S21 bis Quickborn, denn bis dort seien nur geringe Investitionen nötig, der Großteil der Strecke ist bereits zweigleisig. Die Zahl der Fahrgäste sei aber dort besonders hoch.

Damit auf der Strecke von Hamburg-Eidelstedt nach Kaltenkirchen eine S-Bahn fahren kann, wären einige Änderungen notwendig. So bräuchte man ein zweites Gleis bei Eidelstedt und zwischen Quickborn und Tanneneck. Zudem müssten Strommasten gebaut werden, denn die S-Bahn fährt elektrisch.
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