Schulleiterabschied in Pinneberg : Ruhestands-Prüfung bestanden

Erst nachdem er jedem Schüler die Hand geschüttelt hatte, ging „Kapitän“ Holger Meyer.
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Erst nachdem er jedem Schüler die Hand geschüttelt hatte, ging „Kapitän“ Holger Meyer.

Holger Meyer, Schulleiter der Grundschule Thesdorf, geht in Pension.

shz.de von
21. Juli 2015, 16:30 Uhr

Pinneberg | So einfach war es für Holger Meyer dann doch nicht, den Schuldienst zu quittieren. Vorher musste der Rektor der Grundschule Thesdorf erst einmal seine Abschlussprüfung bestehen. Die Aufgaben hatten sich seine 250 Schülerinnen und Schüler ausgedacht. Und so testeten die Erstklässler Meyers sportliche Fitness, der nächste Jahrgang platzierte den Prüfling vor einer Staffelei und bestellte bei ihm ein Bild. Die dritte Klasse stellte Meyers Englischkenntnisse auf den Prüfstand. Und den Großen aus Klasse Vier musste er schließlich Lieder vorsingen.

Danach gab es das Zeugnis: „Herr Meyer wird versetzt“, stand da, und zwar „in den Ruhestand“. Sein Abschiedsgeschenk senkte sich als dramatische Zirkusnummer aus der Kuppel des Zelts herab, ein dicker Band voller kindlicher Kunstwerke, bunte Erinnerungsbilder vieler kleiner Künstler.

Es war ein Riesenspaß, richtig laut und temperamentvoll, den Schüler, Eltern und Lehrer auf die Beine gestellt hatten, draußen auf dem Schulhof im Zelt von Zirkus Zaretti, der hier gerade zu einer Projektwoche gastierte. Meyer betrat die Manege mit Kapitänsmütze, und wie es sich für den Mann auf der Kommandobrücke gehört verließ er seinen Platz als Letzter: erst nachdem er jedem Mädchen und Jungen noch einmal die Hand geschüttelt hatte.

Der Ruhestand begann aber noch nicht. Denn als Nächstes bereitete das Lehrerkollegium seinem scheidenden Chef ein bewegendes Fest. Kreispräsident Burkhard Tiemann, Bürgermeisterin Urte Steinberg und Traudchen Perrefort vom Fachbereich für Bildung, Soziales, Kultur und Sport, Schulrat Michael Doppke und andere Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben machten dabei deutlich, welch hervorragende Rolle der beliebte Rektor 25 Jahre lang in der Pinneberger Schullandschaft gespielt hatte. „Die Reden sind mir sehr zu Herzen gegangen“, gab Meyer noch ganz gerührt zu, die Abschiedsworte der Eltern und Lehrer haben ihn geradezu verlegen gemacht.

Jetzt also Ruhestand? Eher noch lange nicht. Wohl aber eine Pause. In die Toskana soll es gehen und von dort auf einem Pilgerwanderpfad weiter bis Rom. Und dann? „Vielleicht ein Job als Coach für junge Erwachsene“, überlegt Meyer. Erste Gespräche mit einer solchen Organisation habe es schon gegeben.

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