Pinneberg : Ruhestätte für verstorbene Kinder

Der technische Friedhofsleiter Guido Roschlaub (von links) mit Bürgermeisterin Urte Steinberg sowie Ellen-Iris Lengwenat und Thorsten Backhaus aus der KSP-Zentrale nach der Feierstunde.
Der technische Friedhofsleiter Guido Roschlaub (von links) mit Bürgermeisterin Urte Steinberg sowie Ellen-Iris Lengwenat und Thorsten Backhaus aus der KSP-Zentrale nach der Feierstunde.

Neue Grabstätten auf dem Stadtfriedhof: „Zur Wahrheit gehört auch die Realität von frühem Sterben“, sagt die Bürgermeisterin.

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28. November 2013, 16:00 Uhr

Auf öffentlichen Friedhöfen gehen Trauer und Bürokratie oft eine schwierige Beziehung ein. Um so mehr, wenn Leben viel zu früh enden. Die Benutzungsordnung des neuen Gräberfelds auf dem Stadtfriedhof liest sich daher besonders makaber: Föten unter 500 Gramm Gewicht haben im „Sternenkinderreihengrab“ fünf Jahre kostenlose „Nutzungszeit“. Danach ist Schluss: Verlängern geht nicht. Im „Kleinstkinderwahlgrab” kostet eine verlängerbare Ruhefrist von zehn Jahren 190 Euro. Wahlgräber mit einer verlängerbaren Nutzungszeit von 15 Jahren für Kinder vom vollendeten ersten bis fünften Lebensjahr kosten 290 Euro. Danach wird die Grabstätte teurer: 1460 Euro für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr, verlängerbar nach 25 Jahren. Bürgermeisterin Urte Steinberg wünschte sich bei der Einweihung, dass es keine „Nutzer“ geben werde. Doch zum Zeitpunkt der Zeremonie war ein Grab bereits belegt. Ein Zeichen dafür, dass sich die Öffentlichkeit auch solchen Tragödien stellen muss.

Diese Wahrheit werde auch auf Friedhöfen gerne verschwiegen. Kindergräber seien deshalb oft in Randlagen versteckt, war die Erkenntnis, die Thorsten Backhaus, stellvertretender Leiter des Pinneberger Kommunalen Servicebetriebs (KSP), an vielen Orten gewonnen hatte, ehe er gemeinsam mit dem technischen Friedhofsleiter Guido Roschlaub und seinem Team daran ging, eine bessere Lösung zu finden.

Das Ergebnis ihrer Arbeit ist ein zentral gelegenes Grabfeld. Schon auf dem Weg vom Eingang zur Friedhofskapelle kommt der Besucher daran vorbei. Das Wichtigste sei aber die „Gemeinschaftlichkeit“, betonte Backhaus. Trauernde treffen hier auf andere von einem ähnlichen Verlust Betroffene. Das könne helfen, die Hinterbliebenen aus Einsamkeit und Schweigen zu befreien. In der menschlichen Gesellschaft werde Trauer seit jeher am besten gemeinschaftlich bewältigt, leitete Backhaus aus einem kurzen Rückblick auf Bestattungsrituale seit Beginn der Menschheitsgeschichte ab. Lars Entrich an der Orgel und Violinistin Larissa Zolotonosova umrahmten die Zeremonie musikalisch. Versammelt hatten sich hauptsächlich Menschen, die beruflich mit dem Tod zu tun haben: Vertreter von Bestattungsunternehmen, Krankenhäusern und Hospizen sowie Geistliche, aber auch Hebammen. Denn zur Wahrheit, um die es bei dieser Einweihung ging, gehöre die Realität von frühem Sterben und auch von Kindern, die tot zur Welt kommen, machte eine nachdenkliche Bürgermeisterin deutlich.

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