Ruhe für die eigene Seele finden

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02. Februar 2013, 01:14 Uhr

Tornesch | "Lernt von mir ..., so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen." Dieser Satz von Jesus geht mir durch den Kopf. Was kann ich nur im Leitwort für den Gemeindebrief dazu schreiben, frage ich mich, während ich mit meinem vollgepackten Einkaufswagen diejenige Kasse suche, die die kürzeste Wartezeit verspricht. Natürlich drängelt sich in letzter Sekunde noch jemand vor und natürlich muss bei der Dame, die gerade bezahlen will, noch das Kassenröllchen ausgewechselt werden.

Gleich kommen die Konfirmanden zum Unterricht - hoffentlich schaffe ich das noch! Wie soll man bei all dem zur Ruhe kommen? Ich habe es jedenfalls eilig.

Und der ältere Herr vor mir, der sich eben noch vor mich in die Reihe eingeschleust hat, legt nun in aller Ruhe seine paar Sachen auf das Band. Nun sieh zu! Geht das nicht ein bisschen schneller?

Ruhe für die eigene Seele finden - wie soll das in unserer hektischen Welt gehen? In Urlaub fahren, einmal richtig entspannen und alles hinter sich lassen, vielleicht an einem endlosen Strand spazieren gehen ... das wäre schon was. Aber wie soll man dazu bei all der Arbeit noch Zeit finden?

Im Moment würde mir jedenfalls eine leere Supermarktkasse reichen! Hinter mir quengelt inzwischen ein vorlauter etwa vierjähriger Junge mit seiner Mutter, um noch ein Päckchen Süßigkeiten zu ergattern, und vor mir zählt der ältere Herr das Kleingeld ab; am Ende werden vielleicht ein oder zwei Cent fehlen und er muss doch den großen Schein zücken. Ich merke, wie ich unruhiger werde. Ich könnte längst auf dem Weg nach Hause sein, wenns hier zügiger ginge!

"Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig." Jesus hat wohl nie im Supermarkt einkaufen müssen. Ob das, was er gesagt hat, auch heute noch gilt? "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid ..."

Immerhin: Beladen bin ich mit meinem Einkaufswagen zur Genüge und Mühe werde ich auch haben, die ganzen Sachen zuerst ins Auto zu laden und dann zu Hause auszupacken und einzuräumen.

Alltagstauglich müssten Jesu Worte sein, nicht nur sonntags im Gottesdienst schön klingen. Da ist es leicht, zur Ruhe zu kommen, seine Gedanken einmal schweifen zu lassen. Aber hier? Ein bisschen Sonntag in den Alltag mitnehmen, das könnte nicht schaden. Die Dinge einfach gelassener angehen, bei allem versuchen, Ruhe zu bewahren, sich nicht anstecken zu lassen von dem schnellen Pulsschlag unserer Zeit. "Ich will euch erquicken."

Wie? Wie sollen mir seine Worte mitten in diesem Alltag eine Pause gönnen können? Irgendwie müssten sie doch Wirkung zeigen, müssten die Welt um mich herum verändern? Können sie das? Vielleicht liegt es aber auch an mir selbst?! Vielleicht sollte ich alles ein wenig leichter nehmen und nicht so verbissen reagieren.

"Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht ..." Ob Jesus das so gemeint haben könnte? Vielleicht ist an seinen Worten ja doch etwas dran ... wenn ich so recht darüber nachdenke. "He Sie, träumen Sie? Worauf warten Sie noch?" Die laute Stimme der Mutter mit dem Kind hinter mir meint mich. Ich stutze. Die Kassiererin des Supermarktes schaut ungeduldig auf meinen Wagen. Er ist immer noch voll, das Band ist leer und wartet auf Nachschub. Der ältere Herr hat längst gezahlt, seine Tüten gepackt und schaut nun verständnislos zu mir herüber.

Ich habe es nicht bemerkt: Eine kleine Ewigkeit scheint vergangen zu sein. Die Hektik in mir ist verflogen. "Tut mir leid, ich war mit meinen Gedanken gerade woanders", sage ich ... und lächele in mich hinein.

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