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Quickborn : Rücksicht auf die Vögel im Himmelmoor

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Bedrohte Arten brüten dort von Mitte März bis Ende Juni. Naturschützerin befürchtet Störungen durch Torfbahn und Spaziergänger.

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erstellt am 17.Mär.2016 | 12:00 Uhr

Quickborn | Die Nachricht, dass in diesem Jahr die Torfbahn wieder regelmäßig ihre Runden durch das Himmelmoor drehen wird, hat die Quickbornerin Gisela Oden-Behrendt mit gemischten Gefühlen gelesen. „Einerseits ist es gut, dass sich Menschen für die Natur in ihrer Umgebung interessieren“, sagt sie. Doch auf der anderen Seite bringe der zunehmende Publikumsverkehr auch Gefahren mit sich: „Schon jetzt werden häufig Schilder missachtet und Absperrungen übertreten – ich fürchte, dass das zunehmen wird“, sagt die zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin. Sie habe beobachtet, dass die Hemmschwelle, Bereiche des Gebiets unerlaubt zu betreten, deutlich gesunken sei, seitdem die Schienen der Torfbahn durch eben diese Bereiche führten.

Problematisch sei dies insbesondere während der Brutzeit der Vögel von Mitte März bis Ende Juni. „Werden die Tiere gestört, fliegen sie vom Gelege auf“, erläutert Oden-Behrendt. So bestehe die Gefahr, dass die Eier zu stark abkühlen – oder Räubern wie Iltis und Marder zum Opfer fallen. Vielfach seien derartiger Störungen durch freilaufende Hunde zu beobachten. „Die Leinenpflicht auf dem Gelände wird einfach ignoriert – da hat sich leider so eine Art Gewohnheitsrecht eingeschlichen“, bedauert die ehemalige Biologie- und Englischlehrerin, die früher am Elsensee-Gymnasium unterrichtete. Selbst wenn die Hunde keine Tiere jagten, würden sie durch ihr Verhalten in der Vogelwelt Schaden anrichten.

Gisela Oden-Behrendt ist  zertifizierte Naturführerin.
Gisela Oden-Behrendt ist zertifizierte Naturführerin. Foto: Springer

„Mit dem Gebiet beschäftige ich mich, seitdem ich für den Brutvogelatlas 2005 recherchiert habe, welche Arten dort überhaupt ansässig sind“, berichtet die 66-Jährige. Dabei werde auf regelmäßigen Spaziergängen morgens und abends beobachtet und dem Zwitschern gelauscht. „Zwei bis drei Nachweise innerhalb von drei Wochen lassen dann Rückschlüsse zu, welche Vögel dort tatsächlich leben“, erklärt Oden-Behrendt. Anhand der abgegangenen Strecke in Relation zum Gesamtgelände und dem Revierverhalten der Tiere könne dann hochgerechnet werden, wie viele Brutpaare dort siedeln.

„Steinschmätzer, Bekassine, Kiebitz, Feldlerche, Wiesenpieper, Blaukehlchen und Wiesenschafstelze – für diese und einige andere Vögel ist das Himmelmoor der letzte Überlebensraum in der Region“, weiß die Expertin. Andere Arten, wie der Große Brachvogel und die Sumpfohreule, seien inzwischen verschwunden. „Wenn einer Art einmal ausgestorben ist, kommt sie nicht mehr zurück, weil etwa rastende Zugvögel dieser Art anders genetisch programmiert sind und weiterziehen“, erläutert die ehemalige Gymnasiallehrerin.

An gelegentlich vorbeifahrende Torfbahnen würden sich Bewohner des Moors gewöhnen. „Problematisch ist, wenn die Wagen halten und Menschen aussteigen“, sagt sie. Insbesondere an den Gräben den sogenannten Pütten, entlang der Abbaustrecke und der Bahnstrecke, bauten Vögel ihre Nester – und würden leicht durch Besucher gestört. „Als ich letztens im Holmmoor war, konnte ich Kraniche beobachten. Ein Pärchen kam mir entgegen und sagte ganz stolz ,Sind sie nicht toll, unsere Kraniche?‘“, berichtet Oden-Behrendt.

Genau diese Identifizierung mit dem wertvollen Lebensraum ist es, die sie sich auch von den Besuchern des Himmelmoors wünscht. „Das, was es im Moor zu sehen und zu erleben gibt, findet man auch am Wegesrand der öffentlichen Pfade“, appelliert die Naturschützerin eindringlich an die Besucher des einzigartigen Geländes.

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